Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?24779

Senatorin Monica Cirinnà will mit einem neuen Gesetzentwurf Gegner der "Unioni Civili" überzeugen

  • 8. Oktober 2015, 13:21h 13 2 Min.

Während die Bischöfe im Vatikan über Homosexualität debattieren, versucht die Mitte-Links-Regierung in Rom, endlich die Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Paaren durchzusetzen.

Am Mittwoch hat italienische Senatorin Monica Cirinnà, ein Mitglied von Ministerpräsident Matteo Renzis Demokratischer Partei (PD), einen neuen Gesetzentwurf zur Einführung von Eingetragenen Partnerschaften eingebracht. Damit versuchen die Befürworter der "Unioni Civili", eine Blockade innerhalb der Regierungskoalition aufzubrechen.

Der neue Entwurf sieht laut Medienberichten weiter vor, dass die Lebenspartnerschaft sowohl von gleichgeschlechtlichen als auch von verschiedengeschlechtlichen Paaren eingegangen werden kann. Es wäre das erste Gesetz, das Homo-Paare in Italien anerkennt.

Im neuen Entwurf gibt es allerdings Änderungen im Detail: So nimmt der Cirinnà-Entwurf anders als zuvor keinen direkten Bezug mehr zur Ehe, damit überzeugte Katholiken dem Schriftstück leichter zustimmen könnten. Bei anderen Punkten haben Cirinnà und ihre Kollegen nicht nachgegeben, so enthält der Entwurf weiter die Möglichkeit zur Stiefkindadoption – eine verpartnerte Person soll also das leibliche Kind des Lebenspartners adoptieren können. Der Entwurf hält auch daran fest, dass die Paare in der Rentenversicherung mit heterosexuellen Eheleuten gleichgestellt sein sollen.

Widerstand vom Koalitionspartner

Widerstand gegen das Lebenspartnerschaftsgesetz gibt es vor allem beim christdemokratischen Koalitionspartner NCD und bei katholischen Politikern von Renzis sozialdemokratischer PD. Sie forderten insbesondere, dass Lebenspartner keine Adoptionsrechte erhalten sollten, da dies die heterosexuelle Ehe schwächen würde.

Befürworter hoffen, dass das entschärfte Gesetz zügig beschlossen werden kann. Politiker der NCD haben den neuen Entwurf allerdings bereits abgelehnt. Senator Roberto Formigoni erklärte etwa, viele Politiker seiner Partei würden weiter versuchen, das Gesetz mit "Millionen von Änderungsanträgen" zu blockieren. Zugleich hat die europafeindliche, populistische Oppositionspartei Fünf-Sterne-Bewegung (M5S) angekündigt, die Regierung bei den Lebenspartnerschaften zu unterstützen und so wenn nötig die Stimmen der NCD zu ersetzen. Das würde allerdings zu einem heftigen Koalitionsstreit führen.

Sollte sich die NCD durchsetzen, würde sich die Geschichte wiederholen: Bereits 2007 hatte die damalige Mitte-Links-Regierung von Ministerpräsident Romano Prodi geplant, Lebenspartnerschaften einzuführen. Das Projekt scheiterte damals am Widerstand der kleinen katholischen Partei UDEUR, die damals einer Neun-Parteien-Koalition angehörte (queer.de berichtete). Auch die UDEUR hatte den Gesetzentwurf durch parlamentarische Tricks blockiert.

In der Vergangenheit hat die katholische Kirche immer wieder vor der Einführung von Lebenspartnerschaften gewarnt. Auch bei der derzeit laufenden Familiensynode ist es eher unwahrscheinlich, dass die Kirche ihre generelle Ablehnung von gleichgeschlechtlichen Beziehungen lockern wird (queer.de berichtete).

Dagegen fordert der Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg die Anerkennung von Homo-Paaren: Im Juli hatten die Straßburger Richter entschieden, dass die Nichtanerkennung homosexueller Partnerschaften in Italien gegen die Europäische Menschenrechtskonvention verstößt (queer.de berichtete). (dk)

-w-

#1 MiguelAnonym
  • 08.10.2015, 15:25h
  • Ministerpräsident Renzi hat die Eingetragene Partnerschaft bis Ende dieses Jahres versprochen. Also erwarte ich, dass er jetzt auch Wort hält. Zumal das eh Aufgabe einer Mitte-Links-Regierung sein sollte.

    Natürlich ist Italien extrem katholisch, aber das war / ist Spanien auch und die haben sogar die gleichgeschlechtliche Ehe - schon seit Jahren...
  • Direktlink »
#2 HeinerAnonym
  • 08.10.2015, 15:30h
  • Vor dem Hintergrund, dass immer mehr Staaten sogar die Ehe öffnen, ist die eingetragene Lebenspartnerschaft eine Mindest-Forderung. Zumindest das muss erfüllt werden.

    Zumal ja auch der Europäische Gerichtshof im Sommer Italien verurteilt hat, für eine Anerkennung und den Schutz gleichgeschlechtlicher Paare zu sorgen (queer.de berichtete).

    (Wobei ich mir wünschen würde, dass der Europäische Gerichtshof auch die ganzen osteuropäischen Staaten zu entsprechenden Maßnahmen verfplichten würde, denn das europäische Recht gilt ja für alle Mitgliedsstaaten...)
  • Direktlink »
#3 Lukas45Anonym
  • 08.10.2015, 15:46h
  • Im Unterschied zu den letzten Legislaturperioden gibt es aber nunmehr die Oppositionspartei von Beppe Grillo, die neben der "kleinen" sozialistischen Opositionspartei Sinistra Ecologia Libertà ebenso massiv den Gesetzentwurf unterstützen wird.

    Und selbst von Berlusconi und seiner rechtskonservativen Partei Il Popolo della Libertà wollen Teile der Abgeordneten nunmehr mit Ja stimmen.

    Das die "kleine" NCD diesmal den Gesetzentwurf stoppen kann ("hat nur 28 Abgeordente"), glaube ich daher nicht. Da im Gegensatz zu früher, aus den Reihen der Opposition viel weniger Widerstand zu beobachten ist.

    Sollte die sozialdemokratische Partei von Renzi und die Oppositionspartei von Beppe Grillo zustimmen, wovon auszugehen ist, sind die Mehrheiten im Abgeordnetenhaus bereits überwätigend vorhanden (630 Abgeordnete, davon 109 von Beppe Grillos Partei und 297 von Renzis Sozialdemokraten).

    Und das die kleine Regierungspartei NCD die Regierung von Renzi verlassen wird, daas glaube ich auch nicht. Das wäre der politische Selbstmord von NCD.

    Der Gesetzentwurf wird diesen Herbst/Winter"durchkommen, davon gehe ich fest aus.

    Beppe Grillo in der Oppsition und Matteo Renzi in der Regierung werden dies schaffen.
  • Direktlink »