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Verwirrung in Kiel
Schleswig-Holstein: Aufklärung über sexuelle Vielfalt auf Eis?
- 9. Oktober 2015, 11:27h 3 Min.

Anfang des Jahres wurde ein erster Entwurf des "Methodenschatzes" für den Unterricht an Homo-Gegner geleakt und fanden so den Weg in die Lokalpresse
Hat das Land Unterrichtsmaterialien zur Schulaufklärung über Homo- und Transsexuelle gestoppt? Während sich Homo-Gegner freuen, geben sich Verantwortliche wortkarg.
Von Dennis Klein
Im hohen Norden bleibt die geplante Schulaufklärung über Homo- und Transsexualität ein heißes Eisen: In dieser Woche berichtete die "Schleswig-Holsteinische Zeitung", dass zentrale Infomaterialien unter dem Titel "Echte Vielfalt unter dem Regenbogen" auf Anordnung der Landesregierung "auf Eis gelegt" und "kein Thema" mehr seien.
Unter Homo-Gegnern hatte dieser Bericht über das angebliche Ende der Schulaufklärung die Sektkorken knallen lassen. Die rechte Zeitung "Junge Freiheit" titelte triumphierend, dass Schleswig-Holstein Schulmaterial zur "Frühsexualisierung" zurückziehe. Das Portal kath.net meldete: "Kiel stoppt Schulmaterial zu 'Regenbogenfamilien'". Und die Initiative Familienschutz, die die homophoben "Demos für alle" organisiert, sprach in ihrem Webauftritt gar von einem "erfolgreichen Elternprotest": "Dieser Kampf scheint nun erst einmal gewonnen".
Doch will die rot-grün-dänische Landesregierung auf Druck rechter Homo-Hasser wirklich die Schulaufklärung stoppen? Oder handelt es sich hier um einen erneuten Versuch, diese während eines Beratungsprozesses durch gezielte Falschinformationen zu torpedieren?
LSVD kritisiert Verzögerung
Ein Sprecher des Kieler Sozialministeriums wollte auf queer.de-Anfrage am Donnerstag jedenfalls lediglich bestätigen, dass "die Fachleute das Papier in der vorliegenden Form für nicht geeignet für die Schulen in Schleswig-Holstein" halten würden. Über Details schweigt sich das Ministerium aber aus. Derzeit würden Verhandlungen zwischen Bildungs- und Sozialministerium stattfinden, über die man aber "keine näheren Auskünfte" geben könne. Die Materialien würden einer "fachlichen Bewertung" unterzogen, "unabhängig von Internetseiten Dritter oder Presseartikeln".
Das klingt noch nicht nach einem Aus für die Schulaufklärung, eher nach einer fortgesetzten Überarbeitung. Beim Lesben- und Schwulenverband, der neben dem Petze-Institut an der Erstellung der Materialien zentral beteiligt gewesen ist, ist man allerdings zugleich über das Zögern überrascht: Immerhin habe man bereits vor über einem halben Jahr einen nach den Wünschen des Ministeriums überarbeiteten Entwurf eingereicht.
Warum dieser nicht geeignet sein soll, ist für die Aktivisten ein Rätsel, erklärte LSVD-Sprecherin Agnes Witte. Das Ministerium habe es bislang nicht für nötig befunden, den LSVD darüber zu informieren, was mit dem Entwurf nicht stimmt. "Wir gehen davon aus, dass das Sozialministerium zeitnah auf uns zukommt", erklärte Witte diplomatisch.
Gezielte Kampagne?
Der "Methodenschatz" ist Teil des "Aktionsplans für Akzeptanz vielfältiger sexueller Identitäten", der Anfang letzten Jahres vom Landtag in Kiel beschlossen worden war. Innerhalb dieses Planes sind bereits viele Projekte umgesetzt worden, darunter die Einrichtung des Bündnisses gegen Homophobie (queer.de berichtete).
Bereits Anfang des Jahres war die Schulaufklärung ein Thema in den Medien, nachdem die "Initiative Familienschutz" einen ihr zugespielten ersten Entwurf der Unterrichtsmaterialien mit allerlei Empörungen und Verdrehungen publiziert hatte und rechte und christlich-fundamentalistische Gruppen und Webseiten in die Empörung einstimmten.
Wie beim Bildungsplan in Baden-Württemberg, der gezielt an unfertigen Arbeitspapieren in die öffentliche Debatte geführt wurde, stiegen Lokalzeitungen in die frühe Torpedierungs-Kampagne ein und spielten sich geradezu als Anwalt besorgter Eltern auf. So warnte eine Zeitung allen Ernstes davor, dass Heterosexuelle diskriminiert werden, wenn im Unterricht Homo- und Transsexualität erwähnt wird (queer.de berichtete). Eine Online-Petition der "Initiative Familienschutz" mit der Forderung, die "Materialien zu verwerfen und die Zusammenarbeit mit Lobbygruppen wie dem LSVD zu beenden", erzielte fast 10.000 Unterschriften.
Das Land hatte damals zu der öffentlichen Kritik geantwortet, man werde im Frühjahr überarbeitete Pläne vorstellen. Gemeint war das Frühjahr 2015.














