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Insider: Der Traum ist "tot"
Paris gibt Kampf um schwulen Vatikan-Botschafter auf

Laurent Stefanini wird weiter Protokollchef im französischen Außenministerium bleiben (Bild: Ministère des Affaires étrangères et du développement international)
- 10. Oktober 2015, 13:27h 2 Min.
Die französische Regierung sehe keine Chancen mehr, Laurent Stefanini nach Rom zu schicken, berichtet die Zeitung "Liberation".
"Vatikan – Frankreich 1:0", so kommentiert die französischen Zeitung "Liberation" den Ausgang eines seit Monaten schwelenden diplomatischen Konflikts. Die französische Regierung hatte Anfang des Jahres den erfahrenen Diplomaten Laurent Stefanini zum neuen Botschafter im Vatikan ernannt – doch der Vatikan blockierte die Ernennung (queer.de berichtete). Nun scheint sich die französische Regierung damit abgefunden zu haben.
Stefanini, der derzeitige Chef des Protokolls im französischen Außenministerium, galt als perfekter Kandidat: Der praktizierende Katholik hatte bereits zwischen 2001 und 2005 als stellvertretender Botschafter in der französischen Botschaft des Kirchenstaates gearbeitet und ist ein Experte in Religionsfragen.
Allerdings ist Stefanini offen schwul – und das war dem Heiligen Stuhl wohl zuviel, der die Ernennung nicht bestätigte. Auch ein Treffen zwischen Stefanini und dem Papst im April, über das Insider berichteten, konnte die Wogen nicht glätten: Zwar versicherte Franziskus, dass die Ablehnung "nicht persönlich" gemeint sei. Man verstehe die Ernennung aber als Druckmittel Frankreichs für eine Öffnung der Kirche für Homosexuelle (queer.de berichtete). Auch die Öffnung der Ehe für Homo-Paare in dem Land habe eine Rolle bei der Entscheidung gespielt.
Stillstand bis 2017
Der Traum vom schwulen Botschafter im Vatikan, der Lebenstraum von Stefanini sei "tot", zititerte "Liberation" am Freitag eine anonyme Regierungsquelle. Der Vatikan habe den Botschafter klar abgelehnt, auch bei einem Besuch des Staatssekretärs Pietro Parolin in Paris im Mai, und Frankreich habe keine Machtposition in der Frage.
Die Regierung selbst will laut dem Bericht bis 2017 keinen neuen Botschafter ernennen, also bis zu den nächsten Präsidentschaftswahlen. 2017 läuft auch die Amtszeit von François-Xavier Tillette aus, der als stellvertretender Botschafter des Landes derzeit die Geschäfte in der Villa Bonaparte in Rom führt.
"Liberation" lässt einen Regierungsmitarbeiter zu Wort kommen, der sich schärfere Proteste aus Paris gewünscht hätte. Zunächst habe man gewartet, ob der Papst zur UN-Klimakonferenz im Winter nach Paris komme, der von Stefanini mitorganisiert wird. Doch Franziskus kommt nicht, und nun wolle man den Konflikt offenbar still aussitzen. Stefanini bleibt demnach einfach in seinem bisherigen Job.
Mitte Oktober gibt es noch ein Treffen des französischen Innenministers Bernard Cazeneuve mit dem aus Frankreich stammenden Kurienkardinal Jean-Louis Tauran, einem der wichtigsten Diplomaten des Vatikans, der die Ernenung Stefaninis unterstützt hatte. Mit einem Durchbruch rechnet aber niemand. (nb)














