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Lobby oder keine Lobby?
Krzysztof Charamsa: Keine Schwulenlobby in der katholischen Kirche

Krzysztof Charamsa während des am Sonntag ausgestrahlten Interviews
- 12. Oktober 2015, 12:03h 2 Min.
Die oft heraufbeschworene Schwulenlobby im Vatik existiere nicht, meint der hochrangige Priester, der sich vor einer Woche geoutet hat.
Krzysztof Charamsa hat in einem am Sonntag im italienischen Privatsender Canale 5 ausgestrahlten Interview dementiert, dass es eine "Lobby gay" innerhalb der katholischen Kirche gebe. "Es gibt keine Schwulenlobby. Ich habe viele homosexuelle Priester gekannt, die oft so isoliert waren wie ich, aber keine Schwulenlobby."
Weiter sagte der 43-Jährige, dass es innerhalb der Kirche viele "fantastische homosexuelle Priester" gebe, die von ihrem Arbeitgeber sehr schlecht behandelt werden würden. Das offizielle Homo-Verbot innerhalb des Klerus erinnere ihn an die "dunkle Vergangenheit".
Der Vatikan-Prälat hatte sich Anfang Oktober in mehreren Interviews in Polen und Italien als schwul geoutet (queer.de berichtete). Er lud auch er zu einer Pressekonferenz in Rom, auf der er seinen Partner vorstellte. Der Vatikan entband ihn daraufhin umgehend seiner Aufgaben. Sprecher Federico Lombardi warf ihm vor, das öffentliche Coming-out sei unverantwortlich, weil es die gerade beginnende Familienssynode "ungerechtfertigtem Mediendruck" aussetze.
Innerhalb der Kirche hatte es immer wieder Warnungen über eine "Schwulenlobby" gegeben. 2013 soll Papst Franziskus etwa bei einer Audienz angekündigt haben, gegen diese Bereiche innerhalb der Kirche vorgehen zu wollen (queer.de berichtete). Manche katholischen Kommentatoren sprechen sogar von einer "schwulen Mafia". Gleichzeitig werden Schwule von katholischen Offiziellen für den Skandal um sexuellen Missbrauch von Kindern verantwortlich gemacht, der die Kirche seit Jahren erschüttert (queer.de berichtete).
Charamsa: Habe immer im Zölibat gelebt
In dem aktuellen Interview forderte Charamsa ein Umdenken im Klerus: "Gott liebt uns so, wie wir sind. Gott hat uns mit Fehlern geschaffen, und die Kirche muss das akzeptieren." Er sagte auch, dass er sein Zölibatgelübde nie gebrochen habe: "Ich habe immer zölibatär gelebt, weil das bedeutet, dass man keine Frau haben darf. Ich habe nie eine Frau angerührt." (dk)














