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Hassverbrechen
Studie: Jeder 20. LGBTI wird aus Hass verprügelt

Homophobe Gewalt trifft auch Heteros: Ryan Langenegger wurde 2013 in Omaha verprügelt, weil er schwulen Freunden zu Hilfe eilte (Bild: Omaha PD)
- 18. Oktober 2015, 06:26h 4 Min.
Eine Befragung aus Österreich untersuchte Gewalterfahrungen von Lesben, Schwulen, Intersexuellen und Transpersonen – mit erschreckenden Ergebnissen.
In Österreich werden fünf Prozent der Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen,Transgendern und Intersexuellen Opfer von Körperverletzungen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der IG Soziologie Forschung. Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ist das Risiko für queere Menschen damit rund zehnmal so hoch.
Im Auftrag der Gay Cops Austria wurden Gewalterfahrungen von LGBTI im Nachbarland erstmals detailliert untersucht. Die Gesamtzahl der Körperverletzungen schätzt die Studie auf rund 17.000 pro Jahr – bei insgesamt 37.000 angezeigten derartigen Straftaten. Die Daten basieren auf der Auswertung eines Onlinefragebogens mit 660 Rückläufern.
Die IG Soziologie Forschung beklagt eine hohe Dunkelziffer: So würden 80 Prozent der LGBTI, die Opfer von Körperverletzungen wurden, die Taten aufgrund mangelnden Vertrauens in die Polizei nicht zur Anzeige bringen. Als eine Reaktion auf die Studie schlagen die Gay Cops Austria vor, LGBTI-Ansprechpartner in den Polizeidienststellen nach deutschem Vorbild zu installieren.
Österreichs Grüne forderten Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) zum Handeln auf. "Hassverbrechen gegen LGBTI-Personen dürfen kein weißer Fleck in der Kriminalstatistik bleiben", erklärte Marco Schreuder, Bundesrat und Bundessprecher der Grünen Andersrum. "Österreich braucht dringend einen nationalen Aktionsplan, um die Menschenrechte von Lesben, Schwulen, Transgender und Intersexuellen Personen zu schützen." (cw)
1. Rund 5% aller LGBTI in Österreich werden im Jahr Opfer einer Körperverletzung. Im Vergleich zur restlichen Bevölkerung ist das Risiko damit rund 10-mal so hoch. Wie Vergleiche mit anderen Studien zeigen, ist dieser Wert eher als konservatives Minimum zu sehen.
2. Basierend auf vergleichende Schätzungen aus anderen EU-Ländern sowie den USA. gehen wir davon aus, dass die LGBTI-Community in Österreich mindestens ca. 3,5 Prozent beträgt. Diese 3,5% werden jedes Jahr Opfer von ca. 17.000 Körperverletzungen. Das sind ca. 50% der ca. 37.000 angezeigten Körperverletzungen in Österreich.
3. Die absolute Mehrzahl dieser Fälle wird niemals zur Anzeige gebracht. Der wichtigste Grund dafür liegt im mangelnden Vertrauen in die Polizei, dass diese das Anliegen ernst nehmen würde. Dabei haben die meisten LGBTI keine schlechte Meinung von der Polizei, eher eine leicht positive. Sie scheinen ihr nur nicht zuzutrauen, ihre eigenen Fälle adäquat zu behandeln.
4. Das "typische" Opfer eines Hate Crimes in Österreich ist ein junger Mann zwischen 18-35, der in einem städtischen Umfeld lebt. Dabei darf jedoch nicht vernachlässigt werden, dass auch Frauen in hohem Ausmaß Opfer von Hasskriminalität werden. Je jünger die LGBTI in Österreich sind, desto wahrscheinlicher werden sie Opfer eines Hassverbrechens.
5. Die meisten Taten passieren am Wochenende, zwischen 21 Uhr und 3 Uhr. Der häufigste Tatort ist eine offene Straße oder die öffentlichen Verkehrsmittel.
6. Die meisten Täter sind den Opfern nicht bekannt. Beschreibungen der Opfer zufolge sind die Täter jedoch in den meisten Fällen junge Männer zwischen 18 und 24 Jahren und verüben die Taten meist in Gruppen. Junge Frauen scheinen sich vornehmlich nur dann an Hassverbrechen zu beteiligen, wenn sie in einer Gruppe mit jungen Männern unterwegs sind.
7. Die psychischen Auswirkungen auf die Opfer sind immens. Die meisten Opfer geben an, durch die Tat stark oder sehr stark psychisch belastet worden zu sein. Ein Test auf post-traumatische- Belastungsstörungen (PTBS), der mit den Opfern durchgeführt wurde, hat ergeben, dass nach einem Jahr rund 33% der Opfer einer Körperverletzung eine PTBS erleiden im Vergleich zu den klinisch beobachteten 25% unter der Allgemeinbevölkerung. Dramatischerweise zeigen auch 20% der Opfer einer Beleidung nach einem Jahr Zeichen einer PTBS.
8. Die meisten Opfer suchen nach den Taten keine psychotherapeutische Hilfe, auch wenn sie angeben, durch die Tat sehr stark psychisch belastet worden zu sein. Der wichtigste Grund hierfür ist, dass sich viele Opfer nicht trauen, Hilfe zu suchen.
9. Eine beste Maßnahme zur Erhöhung der Anzeigebereitschaft gibt es nicht. Mehrere Maßnahmen zur gleichen Zeit einzusetzen, scheint den meisten Erfolg zu bringen. Wenn alle unsere vorgestellten Maßnahmen auf breiter Ebene eingeführt werden, gehen wir davon aus, dass zwischen 25% bis 45% aller Hassverbrechen gegen LGBTI zur Anzeige gebracht werden können.
Links zum Thema:
» Homepage der Gay Cops Austria
» Homepage der IG Soziologie Forschung














