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Die Oberbaumbrücke verbindet die Stadtteile Friedrichshain (Ost) und Kreuzberg (West) des seit 2001 gemeinsamen Berliner Bezirks (Bild: Wiki Commons / Sarah Jane / CC BY 2.0)

  • 22. Oktober 2015, 10:53h 10 3 Min.

In den Ausschussberatungen sprachen sich alle Fraktionen außer der CDU für die "Ehrung einer weiblichen LSBTI-Person" aus.

Von Micha Schulze

"Dieser Beschluss ist so absurd, dass er nur aus Kreuzberg kommen kann", schimpft Gunnar Schupelius im Berliner Boulevardblatt "B.Z.". Und auch die CDU versteht die Welt nicht mehr: "Mit einem Straßennamen ehren wir eine Persönlichkeit, die Herausragendes geleistet hat", meint der Bezirksverordnete Timur Husein. "Wir würdigen sie nicht für ihre sexuelle Orientierung."

Worum geht's? Auf Antrag der SPD haben sich Anfang Oktober sowohl der Ausschuss für Kultur und Bildung als auch der Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Queer der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg (BVV) dafür ausgesprochen, eine neue Straße "nach einer LSBTI-Persönlichkeit zu benennen".

Da allerdings nach einem früheren Beschluss des Kommunalparlaments Frauen bei der Neubenennung von Straßen und Plätzen "besondere Berücksichtigung" finden sollen, komme nur die "Ehrung einer weiblichen LSBTI-Person" in Frage, wie es in der Antragsbegründung heißt.

Protest gegen "Verschärfung" der Quoten-Regelung


In der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg bildet die CDU mit vier Sitzen nur eine Mini-Fraktion (Bild: Wiki Commons / Jwnabd / CC BY 2.0)

In der "B.Z." nennt Schupelius, der als Berlins nervigster Kolumnist bekannt ist, dies nun eine "Verschärfung" der bestehenden Quoten-Regelung: "Die sexuelle Orientierung ist Privatsache, genauso wie der Glaube oder die Lebensart. Wir vergeben Straßennamen ja auch nicht nur deshalb, weil der Namensgeber Christ, Jude oder Muslim war oder Radfahrer oder Veganer."

Doch die eine neue Straße soll gar nicht nach der lesbischen Kassenfrau vom "Kaiser's" am Kottbusser Tor benannt werden. Im SPD-Antrag werden sechs durchaus bekannte Frauen vorgeschlagen, die nach einem Gutachten des Schwulen* Museums für eine Ehrung in Frage kämen: die Antifaschistin Freia Eisner, die Herausgeberin von Lesbenzeitschriften Selli (Selma) Engler, die lesbische Aktivistin Charlotte Hahm, die u.a. auch eine "Transvestitenvereinigung" mitgründete, die Aktivistin, Literatur-Professorin und Schriftstellerin Audre(y) (Geraldine) Lorde, die Autorin und Bildhauerin Christa (Kate) Winsloe sowie die Aktivistin Erna Hiller, die u.a. Vorstandsmitglied im "Bund für Menschenrecht" war.

Alle sechs Frauen werden auch in der vom Berliner Senat herausgegebenen Broschüre "Persönlichkeiten in Berlin 1825-2006 – Erinnerungen an Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- und inter­geschlechtliche Menschen" (PDF) ausführlich mit ihren Verdiensten gewürdigt.

Für Gunnar Schupelius steht dennoch fest: "Fünf dieser sechs Frauen spielten keine bedeutende Rolle für Berlin, eine von ihnen spielte eine seltsame Rolle in der Nazi-Zeit."

Zumindest im letzten Punkt hat der "B.Z."-Kolumnist leider Recht: Selma Engler, die 1933 ein Theaterstück mit dem Titel "Heil Hitler" verfasste und 1938 auf eigenen Antrag in die "Reichsschrifttumskammer" aufgenommen wurde, kommt für eine Ehrung trotz ihrer Tätigkeit als Herausgeberin der "Blätter Idealer Frauenfreundschaft" nicht in Frage.

Doch nach dem von SPD, Grünen, Linken und Piraten unterstützten Antrag läge die Namens-Entscheidung sowieso beim Bezirksamt, das bis April 2016 berichten soll. Für eine Benennung würde sich nach einer Aufstellung des Tiefbauamts entweder eine Straße im Anschutz-Areal in Friedrichshain oder ein Gehweg an der Kirche zum Heiligen Kreuz in Kreuzberg anbieten.

Am 28. Oktober wird die Bezirksverordnetenversammlung über die SPD-Initiative abstimmen. Bei knapp 10.000 Straßen und Plätzen in Berlin dürfte es selbst Gunnar Schupelius verkraften, wenn zum ersten Mal eine Straße gezielt nach einer "weiblichen LSBTI-Person" benannt werden soll…

#1 PatroklosEhemaliges Profil
  • 22.10.2015, 11:07h
  • Ich habe mir die Biografien der infrage kommenden Frauen durchgelesen und Charlotte Hahm ist mein persönlicher Favorit für den Straßennamen in dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Jedoch hat mich auch die Biografie Freia Eisners berührt und darum hätte sie es auch verdient.

    Allerdings hat sich bei den Lebensdaten von Frau Christa (Kate) Winsloe ein Fehler eingeschlichen: 23.12.1888 10.06.1844 (statt 10.06.1944). Im Biografietext ist dann das richtige Todesdatum angegeben.
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#2 uwekrefeld
  • 22.10.2015, 11:22hKrefeld
  • Gunnar Schupelius,
    jetzt auf einmal...
    ***
    "Die sexuelle Orientierung ist Privatsache, genauso wie der Glaube oder die Lebensart...."
    ***
    . . aber wenn es um die gleichgeschlechtliche Ehe geht ist es nicht mehr "Privatsache"??
    Nun, langsam sollte man mal im richtigen Zeitalter ankommen und sich nicht die Sachen so auslegen, wie man es gerade mal für sich von Vorteil ist!
    WAS macht es der Strasse aus, welchen Namen sie erhält? Ist die Strasse dann nicht mehr befahrbar wenn sie den Namen eines andersfühlenden bekommt? Lasst doch endlich mal das sexuelle Gedankengut aus Euren "nur-an-Schmutz-denkenden" Hohl-Köpfen, wenn Ihr keine Ahnung von Sex habt!
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#3 PeerAnonym
  • 22.10.2015, 11:36h
  • Tja, Boulevard-Blättchen müssen sich halt dem homophoben Mob anbiedern. Denn intelligente Menschen lesen solche Käseblättchen nicht, also muss man der Haupt-Zielgruppe nach dem Mund sprechen.

    Mit journalistischem Berufs-Ethos hat das nicht viel zu tun. Aber das haben solche Boulevard-Blättchen ja eh nicht...
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