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Wenn es um Homophobie geht, wollen die russischen Kommunisten Putin noch überholen
- 23. Oktober 2015, 15:03h 3 Min.
Das Gesetz gegen Homo-"Propaganda" geht der Partei am linken Rand nicht weit genug: Zum Schutz der heterosexuellen Jugend sollen Repressionen gegen Schwule verschärft werden.
Kommunistische Duma-Abgeordnete haben in Moskau einen Gesetzentwurf vorgestellt, mit dem die Verfolgung Homosexueller verstärkt werden soll. Die Abgeordneten Iwan Nikitschuk und Nikolaj Arjefyjew wollen künftig jegliches öffentliche Bekenntnis zur männlichen Homosexualität unter Strafe stellen.
Wer gegen das Anti-Coming-out-Gesetz verstößt, soll eine Geldstrafe von bis zu 5.000 Rubel (75 Euro) zahlen müssen – oder bis zu 15 Tage Arrest erhalten, wenn das Coming-out in einer Erziehungseinrichtung, in Kulturinstitutionen oder in Behörden geschehe.
Gegenüber der Zeitung "Iswestija" erklärte Nikitschuk, dass er mit dem Gesetz gegen eine "soziale Krankheit in unserer Gesellschaft" vorgehen wolle, weil das Gesetz gegen Homo-"Propaganda" nicht effektiv genug sei. Homosexualität sei "eine schwerwiegende Gefahr für jede normale Person und für die Gesellschaft als Ganzes". Würde Homosexualität akzeptiert werden, würden sich Menschen nicht mehr fortpflanzen, erklärte der Abgeordnete.
Kommunisten drücken bei Lesben ein Auge zu
Die Kommunisten, die nach Putins "Einiges Russland" die zweitgrößte Fraktion in der Duma stellen, haben dabei offenbar kein Problem mit lesbischen Beziehungen. Laut Nikitschuk seien Frauen in dieser Frage "vernüftiger". Außerdem würde männliche Homosexualität bei Russen – speziell bei orthodoxen Gläubigen – eher "Ekel" auslösen als weibliche Homosexualität. Er selbst habe bärtige Männer aus Berlin gesehen, die sich umarmt und geküsst hätten. "Das sieht ekelhaft aus", so sein Urteil.
In der Begründung des Gesetzentwurfs erklärten die Kommunisten, dass das Homo-Verbot in der Sowjetunion einen positiven Effekt auf die Gesellschaft gehabt habe. Seit der Stalinzeit war Homosexualität in der UdSSR mit langjährigen Haftstrafen und Zwangsarbeit geahndet worden. Doch die Autoren des Gesetzes gingen in einer offizilellen Anmerkung zu ihrem Entwurf noch weiter zurück in die Geschichte: Auch Homo-Verbote in Griechenland vor über 2.000 Jahren – beispielsweise in Sparta – seien laut dem Entwurf ein gutes Beispiel gewesen, wie Gesellschaften sich vor Schwulen geschützt hätten.
Paradoxerweise geht der Gesetzentwurf sogar dem homophoben Haudegen Witali Milonow zu weit, der Schwule und Lesben regelmäßig als "pervers" oder "krank" bezeichnet. Auf Initiative des St. Petersburger Stadtrats war das Gesetz gegen Homo-"Propaganda" erlassen worden. Am Freitag erklärte er aber gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, dass der Staat Menschen nicht ins Gefängnis stecken könne, wenn sie ihre sexuelle Orientierung "zugeben" würden. Gleichzeitig schränkte er ein: "Wenn es Propaganda ist, ist das eine andere Sache". Russische LGBT-Aktivisten sagten am Freitag gegenüber Medien, sie rechneten nicht mit einer Verabschiedung des Gesetzes. (dk)
nachträglich aktualisiert: Strafen näher aufgeschlüsselt















Ihre eigenen orthodoxen Landsleute verstehen die finsteren Gestalten anscheinend auch besser als Klassiker der Arbeiterbewegung wie Lassalle.
Schon Marx und Engels nannten Russland gerne eine 'orientalische Despotie'. Sie hatten und haben recht - bis heute.