Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?24892

Der Papst beim Abschluss der Synode am Samstag (Bild: Radio Vatikan)

  • 24. Oktober 2015, 18:07h 80 6 Min.

Die Bischöfe betonen, es gebe keinerlei Analogien zwischen "homosexuellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie".

Von Norbert Blech

Im Vatikan ist am Samstag die dreiwöchige Synode zu Ehe und Familie zu Ende gegangen. Zum Abschluss hatten die 265 teilnehmenden und abstimmenden Bischöfe ein Dokument mit 94 Paragrafen vorgestellt, die alle mit einer Zweidrittelmehrheit beschlossen wurden und einen Kompromiss zwischen den einzelnen Strömungen der weltweiten Kirche darstellen.

Insgesamt konnte sich der Vatikan nicht zu größeren Reformen durchringen, auch wenn der einzelne Priester im Umgang mit Geschiedenen, die wieder geheiratet haben, einen größeren Ermessensspielraum für Einzelfälle bekommt. Für eine grundlegende Erneuerung oder selbst kleinere Modernisierungen war der Widerstand der konservativen Bischöfe aber zu groß.

Besonders homosexuelle Gläubige werden von dem Dokument enttäuscht sein, auf ihre Fragen geht nur ein einziger Paragraf ein. Dieser verweist darauf, dass Jesus jeden Menschen unabdingbar liebe. "An die Familien, die mit der Erfahrung leben, unter ihnen eine homosexuelle Person zu haben, bekräftigt die Kirche, dass jede Person unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung in ihrer Würde respektiert werden und mit Respekt willkommen geheißen werden muss".

Es gelte, bei diesen Personen "ungerechte Diskriminierungen" zu vermeiden, heißt es weiter – das Abschlussdokument verweist bei diesem Zitat auf einen Text der Glaubenskongregation aus dem Jahr 2003 zur Frage der staatlichen Anerkennung von Lebenspartnerschaften (diese rechtliche Anerkennung wird darin als "Billigung oder Legalisierung des Bösen" und "abwegigem Verhalten" beschrieben und ist folglich keine Frage der Diskriminierung).

Das Synoden-Abschlussdokument selbst zitiert noch eine weitere Passage aus dem zwölf Jahre alten Text: "Es gibt keinerlei Fundament dafür, zwischen den homosexuellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie Analogien herzustellen, auch nicht in einem weiteren Sinn."

Die Synode bezeichnet es zudem als "komplett inakzeptabel", dass lokale Kirchen in dieser Frage unter Druck gesetzt würden und "dass internationale Organisationen Finanzhilfen gegenüber armen Ländern davon abhängig machen, dass sie in ihrer Gesetzgebung eine 'Ehe' unter Personen des gleichen Geschlechts einführen."

Bereits in einem vorherigen Paragraf richtet sich das Abschlussdokument gegen eine Gender-"Ideologie", die Unterschiede zwischen Mann und Frau verwische und die Grundlage der Familie zerstöre. Diese wird in dem Text durchgehend als Verbindung aus Mann und Frau und Kind definiert; bezüglich Adoptionen heißt es, dass Kinder einen Vater und eine Mutter bräuchten. Ein Paragraf kritisiert in manchen Ländern vorhandene Polygamie, Zwangsverheiratungen sowie eine Gesetzgebung, die die Ehe "untergrabe"; ein anderer Paragrapf eine "gegen Geburten gerichtete Mentalität" und Richtlinien zur Fortpflanzungsgesundheit.

Am Morgen hatte der Wiener Kardinal Christoph Schönborn der Presse gesagt, das Thema Homosexualität sei "in vielen Kreisen und Weltgegenden zu delikat" gewesen und habe daher bei der Synode keine größere Rolle gespielt. Letztlich konnten sich die unterschiedlichen Bischöfe nicht auf gemeinsame Reformen einigen und es bleibt bei der Frage der Homosexualität alles so wie gehabt. Aus dem bereits zitierten Dokument der Glaubenskongregation gilt etwa weiter folgender Satz: "Nach der Lehre der Kirche kann die Achtung gegenüber homosexuellen Personen in keiner Weise zur Billigung des homosexuellen Verhaltens oder zur rechtlichen Anerkennung der homosexuellen Lebensgemeinschaften führen."

Es wird wohl zunächst so bleiben, dass die diversen Landeskirchen, Bischöfe und Priester den Kampf gegen LGBT-Rechte und die Wichtigkeit dieses Kampfes unterschiedlich interpretieren. Während Erzkonservative aber genügend Rückhalt in der kirchlichen Lehre finden, bleiben Reformer eingeschränkt.

Papst hat letztes Wort

Das Dokument hat nur eine Art Beratungscharakter für den Papst, der weiter die Richtlinien der Kirche bestimmt. Er hatte bereits am Freitag angekündigt, im Vatikan eine neue Kongregation zu den Themen "Laien, Familie und Lebensschutz" einrichten zu lassen.

Bei seiner Abschlussrede am Samstag sagte er allerdings, es sei bei der Synode darum gegangen, "die Wichtigkeit der Institution der Familie und der Ehe zwischen einem Mann und einer Frau, basierend auf Einheit und Unauflöslichkeit, anzuerkennen und sie als fundamentale Basis der Gesellschaft und des menschlichen Lebens anzuerkennen". Zugleich hatte er betont, "dass die wahren Verteidiger der kirchlichen Lehre nicht jene sind, die den Buchstaben, sondern jene, die den Geist hochhalten", und dass Gesetze und Gebote für den Menschen gemacht seien und nicht umgekehrt.

Die Synode war vom Kampf zwischen Hardlinern und (für kirchliche Verhältnisse) Modernisierern bestimmt, und das bereits im Vorfeld auch zu Homo-Themen: So gab es eine Deutungsschlacht um die Frage, ob der Papst sich bei seinem USA-Besuch auf die Seite der homophoben Standesbeamtin Kim Davis gestellt habe und welche Rolle eine Audienz für ein schwules Paar spielte (queer.de berichtete). In Medienberichten ging dafür unter, wie sich der Papst vor der UN auf die Seite afrikanischer Bischöfe gestellt und eine "ideologische Kolonialisierung" beklagt hatte, die "abnorme Lebensmodelle" durchsetzen wolle (queer.de berichtete).

Der aus Guinea stammende, einflussreiche Kurienkardinal Robert Sarah gab dann auch vor und während der Synode den Hardliner, nannte Homo-Paare ein "Problem für die Menschheit" (queer.de berichtete) und verglich sie später mit dem Islamischen Staat (queer.de berichtete).

Auf der Gegenseite wurde kein größerer Einsatz für Homosexuelle bekannt, auch wenn deutschsprachige Bischöfe u.a. Schwule und Lesben für "unbarmherzige Haltungen" um Verzeihung baten (s. weiter unten). Immerhin sorgte das Coming-out des Vatikan-Prälaten Krzysztof Charamsa samt der Vorstellung seines Partners in Rom für einen Ruck kurz vor Beginn der Synode (queer.de berichtete). Der Mann war allerdings binnen Stunden seine Ämter los, und sein Thesenpapier zu einem korrekten Umgang der Kirche mit LGBT verpuffte ohne erkennbare Wirkung.

Der deutsche Weg zur Synode: Fort- und Rückschritte

Bereits die Vorbereitungssynode im letzten Herbst hatte enttäuscht, mehrere Passagen zum Umgang mit homosexuellen Paaren hatten nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit für ein Zwischendokument gefunden (queer.de berichtete).

Dann hatten allerdings die Gläubigen das Wort – und die aus Deutschland gaben zu einem Fragebogen des Vatikans klare, moderne Haltungen an ihre Bischöfe zurück. In Essen war etwa eine Mehrheit für eine Segnung von Homo-Paaren (queer.de berichtete); auch aus anderen Bistümern wurde zurückgemeldet, dass es eine Mehrheit für eine staatliche Ehe für alle gebe und man Schwule und Lesben mit Respekt behandeln solle.

In einer Zusammenfassung der Deutschen Bischofskonferenz, die im April an den Vatikan verschickt wurde, fand sich von diesem Gedanken aber wenig: Dort war nur von der "Anerkennung von homosexuellen Lebenspartnerschaften" die Rede, die von der Mehrheit der Katholiken getragen werde; eine Segnung würde nur von einigen unterstützt (queer.de berichtete). Weiter hieß es im Dokument, es stelle sich die Frage, wie "ungerechte Diskriminierung" verhindert werden könne und Menschen mit "homosexuellen Tendenzen" pastoral begleitet werden könnten. Als das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken im Mai einen Beschluss zur Segnung von Homo-Paaren beschlossen hatte, wurde dies vom Konferenzvorsitzenden Kardinal Marx umgehend als "nicht akzeptabel" abgelehnt (queer.de berichtete).

Bei der Familiensynode selbst stellte die deutschsprachige Bischofsgruppe dann nur noch eine Erklärung vor, in der Segnungen von Homo-Paaren nicht erwähnt wurden und dem Staat das Recht der Definition einer Ehe abgesprochen wurde. Auch wandte sich das Papier gegen Gender-"Ideologien" (queer.de berichtete).

Immerhin erhielt der Text eine bemerkenswerte Passage: "Im falsch verstandenen Bemühen, die kirchliche Lehre hochzuhalten, kam es in der Pastoral immer wieder zu harten und unbarmherzigen Haltungen, die Leid über Menschen gebracht haben, insbesondere über ledige Mütter und außerehelich geborene Kinder, über Menschen in vorehelichen und nichtehelichen Lebensgemeinschaften, über homosexuelle orientierte Menschen und über Geschiedene und Wiederverheiratete. Als Bischöfe unserer Kirche bitten wir diese Menschen um Verzeihung."

Auch dieser Gedanke findet sich nicht im Abschlussdokument der Synode.

-w-

#1 Matthäus46Anonym
#2 sanscapote
  • 24.10.2015, 20:37h
  • Die Damen in den lila Roeckchen mit suessen Huetchen auf dem Kopf haben gefressen, gesoffen, geschissen und ein paar Silben herausgekotzt - ihre Schaeflein haben gespendet und das alles gezahlt.

    Und das Ergebnis:
    Das Alte wurde breitgetreten, aber oeffentlich gemacht, so dass es jedes Kirchenschaeflein auf dem Lande nachlesen kann.

    Was gut ist: Es wird eine erneute Austrittswelle folgen.

    Und an alle die Pfaffen und wie sie sich noch nennen: Ich bin nicht homosexuell orientiert, ich bin genauso schwul wie andere heterosexuell geboren sind. Aus Basta!
  • Direktlink »
#3 David77Anonym
  • 24.10.2015, 20:38h
  • Hmm, das muss wohl eine Falschmeldung sein...
    Wo ist denn nun der epochale Beschluss der die Wende des Jahrtausends einleiten soll und der letztes Jahr vorhergesagt wurde?
    Haben wir da was falsch verstanden oder hat die Redaktion die Tragweite nicht begriffen?

    "Der Queerautor versteift sich auf die Frage der EINSTUFUNG einer homosexuellen Partnerschaft und begreift nicht, das hier ein fundamentaler Epochenumbruch im Vatikan stattfindet, wonach nicht nur der einzelne homosexuelle Mensch sondern auch dessen partnerschaftliche Beziehung anerkannt wird und ethisch sowie theologisch akzeptiert wird."

    "Jeder römisch-katholische Gläubige hat zukünftig, wenn er/sie guter Katholik sein will und den Worten des Vatikans und des Papstes gehorchen will, homosexuelle Paare, die in die katholische Kirche kommen als Paar (!!!) willkommen zu heißen und ihnen als Paar (!!!) in der Kirchenbank Platz zu machen. Der gläubige Katholik hat freudestrahlend dem homosexuellen Paaren zu begegnen und das Paar bei kirchlichen Aktionen als Paar einzuladen und zum Mitwirken zu bewegen."

    "* erstens ein richtiges Abschlussdokument gibt es erst im kommendem Herbst 2015, dann erst soll ein endgültiges Dokument im Vatikan verabschiedet werden."

    www.queer.de/detail.php?article_id=22480&antwort_zeigen=
    ja#c12


    www.queer.de/detail.php?article_id=22512&antwort_zeigen=
    ja#c16
  • Direktlink »