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Hedwig von Beverfoerde, Regine Schwarzhoff und Michaela Freifrau Heereman mussten sich in Düsseldorf für ihre Homophobie rechtfertigen (Bild: nb)

Statt einen Vortrag zu halten musste sich die Organisatorin der "Demo für alle" allerlei Vorwürfe anhören.

Von Norbert Blech

Ein in letzter Minute organisierter Protest der Düsseldorfer Szene hat am Montag einen Vortrag von Hedwig von Beverfoerde verhindert. Die Organisatorin der homophoben Bewegung "Demo für alle" hätte eigentlich vor dem Elternverein NRW über den Widerstand gegen Schulaufklärung über sexuelle Vielfalt referieren sollen.

Bereits zuvor schrillten die Alarmglocken in der Community: So hatte die "Rheinische Post" einen Vorabbericht mit der Schlagzeile "Eltern wehren sich gegen Sexualunterricht" betitelt. Bei einer Veranstaltung der Düsseldorfer CDU hatten zudem erst wenige Wochen zuvor bis zu 200 Menschen die homophobe Autorin Birgit Kelle beklatscht (queer.de berichtete) und die letzte "Demo für alle" in Stuttgart hatte rund 5.000 Menschen mobilisiert (queer.de berichtete). Von Beverfoerde hatte beim Kongress "Freude am Glauben" des Forums Deutscher Katholiken in einem Vortrag ausführlich darüber gesprochen, wie man Menschen für den Kampf gegen Schulaufklärung oder die Ehe für alle gewinnen und entsprechende Kampagnen durchführen kann (queer.de berichtete).

Doch aus einem Kampf wie in Baden-Württemberg scheint in NRW nichts zu werden: Der Elternverein NRW, der nicht mit größeren Elternverbänden zu verwechseln ist, blieb bei der Veranstaltung weitgehend unter sich; zusätzliche Eltern hatten sich kaum eingefunden. Und so konnten schwule und lesbische Besucher die Veranstaltung sprengen.

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Kirche auf Seiten der Beverfoerde-Gegner

Buchstäblich in letzter Sekunde hatten mehrere LGBT-Organisationen der NRW-Landeshauptstadt zu dem Protest aufgerufen, u.a. das sie verbindende Forum der örtlichen Gruppen, das Schulaufklärungsprojekt SchLAu, die LAG Lesben und das Jugendzentrum PULS, das sich an Schwule, Lesben, Bisexuelle, Trans* und ihre Freunde richtet. 70 bis 80 Personen fanden sich so zu einem Protest zusammen, auch Vertreter der Jugendorganisationen der Grünen und Linken waren erschienen.



Während der Elternverein im "Haus der Kirche" in einem Nebenraum zunächst eine Mitgliederversammlung durchführte, hieß der Hausherr, die Evangelische Kirche, die Demonstranten ausdrücklich willkommen – man habe die Räume nur vermietet und nicht gewusst, was stattfinden solle, hieß es. Die Mitarbeiter ließen die Gegendemonstranten in den Saal der öffentlichen Veranstaltung.

Das führte dazu, dass der Elternverein die Polizei rief mit dem Wunsch, die Leute wieder entfernen zu lassen. Nachdem sich das als rechtlich unmöglich darstellte, wollte der Elternverein, dass die Beamten bleiben, um zumindest Störer sofort entfernen zu können. Vertreter der Kirche forderten hingegen von der Polizei, die Veranstaltung abzubrechen, sollte es zu Rauswurf-Versuchen kommen.



Während direkt daneben Hedwig von Beverfoerde Demonstranten erklärte, warum es keine Regenbogenfamilien gebe und queer.de ein lügendes Hetzportal sei (es sei "schockierend", als "Homo-Hasser" tituliert zu werden), erklärten sich die Beamten auch mangels eines vorgezeigten Mietvertrages letztlich für zunächst nicht zuständig und baten beide Seiten, sich zusammenzureißen. Und so kam es mit 30-minütiger Verspätung doch noch zu einer Diskussion, die ganz anders ablief als von den Veranstaltern geplant.

Nur "leichte Diskriminierung" erwünscht

Zunächst versuchte die Theologin Michaela Freifrau Heereman, die sich schon in Talkshows gegen eine "Infizierung" von Kindern durch Bildungspläne aussprach (queer.de berichtete) und auf Veranstaltungen der "Initiative Familienschutz" auftrat (queer.de berichtete), zu erklären, dass man doch gar nicht homophob sei und leider von der Presse immer verzerrte Feindbilder verbreitet würden.



Das Mitglied des Elternvereins sprach dann aber schnell davon, man wolle sich dagegen wehren, "dass Kinder in ihrer sexuellen Orientierung verwirrt und verstört werden könnten". Und ab dem Zeitpunkt gab es kein Halten mehr: Junge Lesben und Schwule im Publikum empörten sich über die Äußerung, erzählten von ihren Erfahrungen. Heeremans Konter, sie könne verstehen, "wenn Sie sich leicht diskriminiert fühlen könnten", sorgte für weiteres Unverständnis. Mit Gelächter wurde dann ihre Aussage quittiert, es sei falsch, bereits Kinder über LGBT aufzuklären, man überfordere sie ja auch nicht mit Quantenphysik.

Während sich von den maximal 30 Vereinsmitgliedern und -gästen im Saal niemand zu Wort meldete, eilte von Beverfoerde zwischenzeitlich Heereman zu Hilfe, beklagte eine "aggressive Stimmung", um sich dann gegen ein Adoptionsrecht für schwule und lesbische Paare auszusprechen: Kinder bräuchten Mutter und Vater, das stehe so "in ihren Herzen". Ob sie gar nicht merke, wie sie damit Kinder aus Regenbogenfamilien, Kinder von Alleinerziehenden abwerte, wurde aus dem Publikum gefragt. Es prallte an ihr ab, wie vieles.

Unbelehrbar zeigte sich auch Heereman, die dem Saal erklärte, dass Hetero- und Homosexualität nicht gleichwertig seien. Als sie von einer "homosexuellen Phase" in der Jugend sprach, empörte sich ein schwuler Pädagoge im Publikum über diese Ideologie aus der Nazi-Zeit. Die Vorsitzende des Elternverbands, Regine Schwarzhoff, war daraufhin außer sich über die "Nazi-Keule" und brach später die Veranstaltung ganz ab, nach rund 30 Minuten.



Von Beverfoerde und Heereman zeigten sich danach noch in Einzelgesprächen uneinsichtig, etwa mit Vertretern des von ihnen bekämpften Aufklärungsprojekts SchLAu. Aber es war ein Abend, an dem sich die Homo-"Hasser" rechtfertigen mussten und nicht umgekehrt, und sie sahen schlecht dabei aus.

Man fragt sich, warum es den großen Medien nicht gelingt, diese Bewegung zu entzaubern; es ist wahrlich nicht schwer. Man fragt sich auch, wie die Bewegung in Baden-Württemberg überhaupt so "groß" werden konnte. Und man stellt fest: Mit etwas beherztem Einsatz ist viel zu erreichen, und das nicht nur in Düsseldorf.

-w-

#1 HonestAbe
  • 27.10.2015, 12:29hBonn
  • Allerherzlichsten Dank an die Helden von Düsseldorf!
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#2 KMBonn
  • 27.10.2015, 12:41hBonn
  • Schule ist wichtig. Ich habe heute meinem alten Französischlehrer einen Brief geschrieben, den ich hier ohne Namen und Orte auszugsweise einfüge.
    Jeder schwule Schüler sollte das Glück haben, einen verständnisvollen Lehrer zu finden. Ich hatte dieses Glück und setze mich dafür ein, dass auch andere SchülerInnen dieses Glück haben.

    Lieber H. B,
    ich weiß nicht, ob du dich meiner noch entsinnst. Es ist nun auch schon lange her, dass ich 1988 Abitur machte und als Leistungskurs Französisch bei Dir hatte. Und danach noch den Nachfolge-LK als Begleitperson mit Dir auf eine Fahrt nach Paris und an die Loire begleitete.
    In der Oberstufe hätte ich Dich gern als Tutor gewählt, aber damals wolltest Du das nicht, vermutlich um Gerede zu vermeiden. Unser lieber Direktor war nicht als einer der tolerantesten Lehrer bekannt. Aber als Schüler im Coming Out, mit vielen Unsicherheiten, Fragen an die Zukunft es wäre schön gewesen. Im Nachhinein ärgere ich mich, dass es so kam.
    Unsere Stufenfahrt nach Paris ist mir sehr im Gedächtnis hängen geblieben. Ich habe es nie vergessen, wie wir uns in einem Pariser Club begegneten. Das riesige Paris und dann begegnen Lehrer und Schüler sich in einem schwulen Club. Es war ein kleiner verlegener Moment Du erinnerst Dich vielleicht.
    Danach haben wir ein schönes, vertrauensvolles Gespräch geführt. Du hast mir das Du angeboten. Vielleicht weißt Du es nicht, aber Du hast mir mit diesem Gespräch seinerzeit viele Ängste genommen. Ich kannte nur die Geschichten von Schwulen, vor denen man als Junge Angst haben mußte. Und wer will schon so werden? Aber die Zuversicht und das Beispiel, dass Du mir damals zeigtest, war sehr wichtig für mich. Dafür möchte ich mich von ganzem Herzen bedanken. Auch wenn es fast dreißig Jahre her ist - gut, auch zu Schulzeiten hatte ich eine Neigung, zu spät zum Unterricht zu kommen habe ich schon lange daran gedacht, Dir diesen Brief zu schreiben.
    Ich lebe mit meinem Mann, mit dem ich jetzt seit siebzehn Jahren zusammen bin, in Bonn. Zuletzt haben wir geheiratet und gerade zwei Häuser gekauft, da unsere bisherige Vermieterin plötzlich verstarb. Nach einem Politik-, Romanistik- und Orientalistikstudium mutierte ich zum Berufsimker und bin nebenher noch als Fantasyautor tätig. In meinen Büchern gibt es immer zwei Personen, bei denen ich zwei Menschen aus meiner Schulzeit vor Augen habe. Die eine ist G. B.-H. und das andere bist Du. Ich bin dafür dankbar, euch als Lehrer gehabt zu haben. Ihr beide habt mir die Liebe zur französischen Kultur und Sprache gegeben. Frau Blanke mochte ich allein schon wegen ihrer manchmal etwas seltsamen, etwas naiv anmutenden Art.
    Gelegentlich bin ich in C., um meinen Vater zu besuchen. Ich schaue dann immer an meiner alten Schule vorbei. Bis vor einiger Zeit war Frau G. dort ja auch noch tätig. Ich hoffe, sie hat die Grüße ausgerichtet, die ich Dir bestellen ließ.
    Es würde mich freuen, wenn ich Dich bei meinem nächsten Besuch vielleicht zum Essen einladen dürfte. Als kleines verspätetes Dankeschön an meinen Lieblingslehrer.

    Liebe Grüße

    K. M.
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#3 daseinsvorsorgeAnonym
  • 27.10.2015, 12:42h
  • " Und man stellt fest: Mit etwas beherztem Einsatz ist viel zu erreichen, und das nicht nur in Düsseldorf."

    Schönes zu erzählen, hat man dann im Alter auch.
    Am besten den Jüngeren.
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