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Nigel Owens wird am Samstag vor Millionen Menschen in aller Welt die letzte Partie der Rugby-WM pfeifen
- 27. Oktober 2015, 13:02h 2 Min.
Am Samstag wird mit Nigel Owens erstmals ein offen schwuler Referee das Finale einer Weltmeisterschaft leiten.
Der schwule Schiedsrichter Nigel Owens aus Wales ist vom Weltverband der "Rugby Union" dazu berufen worden, am Samstag das WM-Finale im Londoner Twickenham-Stadion zu pfeifen. Dort werden die Mannschaften von Australien und Neuseeland um den goldenen WM-Pokal kämpfen. Owens hatte bei dieser WM bereits vier Spiele geleitet, zuletzt die Viertelfinalbegegnung zwischen Neuseeland und Frankreich.
Der 44-Jährige hatte sich 2007 im Interview mit einer walisischen Zeitung als schwul geoutet – zwei Jahre, nachdem er seine Karriere als Schiedsrichter begonnen hatte. Damals hatte er erklärt, er habe als Teenager bemerkt, dass er anders als die anderen Jungs sei. Er habe dann eine "Lüge" gelebt und sei immer verzweifelter geworden. In der Öffentlichkeit sprach er auch offen über seinen Selbstmordversuch – er hatte 1995 einen Abschiedsbrief an seine Eltern geschrieben und am Fuß eines Berges eine Überdosis Schmerztabletten mit Whiskey eingenommen, wurde aber von Polizisten entdeckt und ins Krankenhaus gebracht.
99-prozentige Akzeptanz
Owens hat bereits wiederholt erklärt, dass er wegen Homophobie im Rugby-Sport überlegt habe, seinen Schiedsrichter-Job an den Nagel zu hängen. Dennoch lobte er die positiven Schritte, die die Rugby-Verbände gegen Homosexuellenfeindlichkeit eingeleitet hätten. So würden Beschimpfungen, beispielsweise über Twitter, inzwischen scharf geahndet und homophobe Fans müssten mit Stadionverboten rechnen.
Anfang des Jahres sagte er in der Zeitung "Independent": "99 Prozent der Menschen im Rugby akzeptieren, wer ich bin, aber es gibt immer dieses eine Prozent." In seinem Heimatland ist Owens sehr populär. Im walisischen Fernsehen moderiert er etwa eine Talkshow in der Landessprache.
Anders als im Fußball gab es im Rugby trotz des diesem Sport anhängenden Macho-Images bereits mehrere Coming-outs, sowohl in der "Rugby Union" als auch in der "Rugby League", die nach leicht abgeänderten Regeln spielt. 2009 hatte sich Gareth Thomas geoutet, einer der bekanntesten walisischen Spieler, der in beiden Rugby-Arten angetreten ist und sogar walisischer Rekord-Nationalspieler ist (queer.de berichtete). Für Schlagzeilen sorgte auch das Coming-out des australischen Schiedsrichters Matt Cecchin im Jahr 2012 (queer.de berichtete). Vor wenigen Wochen outeten sich mit Sam Stanley und Keegan Hurst zwei beliebte Rugby-Spieler aus England.
Das Finale der Rugby-WM wird in Deutschland am Samstagnachmittag ab 17 Uhr im Free-TV-Sender Eurosport übertragen. (dk)














