https://queer.de/?24913
Täter schon wieder frei
Weißrussland: Schwuler Mann stirbt nach homophober Attacke

Freunde trauern um Michail Pischtschjewskij, der 17 Monate nach einer brutalen Attacke starb (Bild: FB)
- 27. Oktober 2015, 15:37h 2 Min.
Michail Pischtschjewskij war vor über einem Jahr von einem homophoben Schläger auf offener Straße verprügelt worden. Jetzt erlag er seinen Verletzungen, während der Täter wieder auf freiem Fuß ist.
Am Dienstag ist Michail Pischtschjewskij in einem Krankenhaus in der weißrussischen Hauptstadt Minsk gestorben. "Mischa weilt nicht mehr unter uns. Jemand hat ihn aus dem Leben gerissen", teilte LGBT-Aktivist Sergej Androsjenko auf sozialen Netzwerken mit.
Pischtschjewskij war im Mai 2014, als er gerade eine schwule Party in einem Nachtclub verlassen hatte, von Dmitrij L. in Minsk zunächst verbal wegen seiner Homosexualität angegriffen worden. Schließlich schlug der Täter zu und fügte seinem damals 33 Jahre alten Opfer schwere Kopfverletzungen zu. Die Ärzte mussten Pischtschjewskij mehrfach wegen Gehirnblutungen operieren und dabei rund 20 Prozent seines Gehirns entfernen. Schließlich wachte er nicht mehr aus dem Koma auf.
In zwei Verfahren – zuletzt im Januar – war der Täter wegen "unabsichtlich zugefügter schwerer Körperverletzung" zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und acht Monaten verurteilt worden. Außerdem wurde er verurteilt, dem Opfer ein Schmerzensgeld in Höhe von umgerechnet 7.500 Euro zu überweisen. Zusätzlich sollte er 3.000 Euro an die Mutter des Opfers bezahlen.
Laut Gericht kein Hassverbrechen
Unter LGBT-Aktivisten sorgte insbesondere die Weigerung der Staatsanwaltschaft, L. wegen eines Hassverbrechens anzuklagen, für Unverständnis. Denn eigentlich war die Motivation klar: Es hat mehrere Zeugen für die homophoben Tiraden des Täters gegeben, der gegenüber der Polizei selbst zugab, dass er aus Hass auf Schwule Pischtschjewskij angegriffen hatte.
Dmitrij L. musste nicht einmal die milde Gefängnisstrafe absitzen: Bereits im August kam er wegen einer Amnestie wieder auf freien Fuß, nachdem er nur rund ein Drittel seiner Haftzeit verbüßt hatte. Die Menschenrechtsaktivistin Tatsiana Rewiaka erklärte gegenüber Euroradio.fm, dass es nach dem Tod von Pischtschjewskij keine rechtliche Möglichkeit gebe, den Fall erneut aufzurollen.
Weißrussland ist eines der homophobsten Länder Europas. Zwar wurde Homosexualität 1994 legalisiert, allerdings geht die Regierung immer wieder gegen Homosexuelle vor (queer.de berichtete). Der autoritär regierende Staatschef Alexander Lukaschenko fiel wiederholt durch abfällige Äußerungen über Schwule auf. 2013 sagte er: "Den Frauen vergebe ich ihr Lesbentum, aber Männern nie im Leben ihr Schwulsein. Die Frauen werden lesbisch, wenn wir Männer erbärmlich sind." Von ihm stammt auch die Bemerkung: "Lieber Diktator sein als schwul" (queer.de berichtete). (dk)














