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Preis für Einsatz gegen Antisemitismus
Volker Beck spendet Preisgeld für Projekt gegen Homophobie

Volker Beck ist seit dem Wiedereinzug der Grünen 1994 Mitglied des Bundestages (Bild: Deutscher Bundestag/Achim Melde)
- 5. November 2015, 12:43h 3 Min.
Der frisch gebackene Träger des Leo-Baeck-Preises unterstützt mit seinem Preisgeld den Kampf gegen Homosexuellenfeindlichkeit.
Der Kölner Bundestagsabgeordnete Volker Beck ist am Mittwochabend in Berlin vom Zentralrat der Juden mit dem Leo-Baeck-Preis ausgezeichnet worden. Er erhält den mit 10.000 Euro dotierten Preis wegen seines "herausragenden Engagements" für die jüdische Gemeinschaft und gegen Antisemitismus.
Beck kündigte an, mit dem Preisgeld ein gemeinsames Projekt der Amadeu-Antonio-Stiftung, die sich für eine Stärkung der Zivilgesellschaft einsetzt, und dem Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) zu spenden. Die beiden Organisationen wollen damit ein Projekt gegen Homosexuellenfeindlichkeit aufbauen.
In seiner Dankesrede betonte Volker Beck, dass "die Benachteiligung des einen heute auch immer eine Gefahr für die morgige Freiheit des anderen sein" könne. "Solidarität unter Minderheiten kann daher eine wichtige Quelle für die demokratische Erneuerung einer Gesellschaft sein, da sie in eigener Sache das Allgemeine erkennt", sagte Beck.
Der 54-Jährige ging auch auf die aktuelle politische Lage ein: Wenn Menschen vor Krieg, Gewalt und Verfolgung in Deutschland Schutz suchten, könne es keine andere Haltung geben, als sie aufzunehmen, sagte Beck. Er zeigte gleichzeitig Verständnis für Sorgen eines neuen Antisemitismus und betonte: "Wer hier dazugehören will, muss Nein sagen zu Antisemitismus, Rassismus und Homophobie".
Warnung vor Pegida und AfD
Anetta Kahane, die Chefin der Amadeu Antonio Stiftung, bedankte sich für die Initiative Becks und warnte vor einer neuen Gefahr von Rechts in Deutschland: "Gemeinsam mit dem LSVD werden wir damit noch genauer hinschauen, wo sich Antisemitismus und Rassismus im Zusammenspiel mit Homo- und Transfeindlichkeit zeigen", sagte Kahane. "Rechtspopulisten und -extremisten wie Pegida und AfD richten ihren Hass nicht nur gegen Flüchtlinge. Sie lehnen auch moderne Lebensentwürfe wie gleichgeschlechtliche Lebensweisen ab und finden damit erheblichen Zuspruch."
Bei der Preisverleihung waren viele prominente Politiker anwesend: Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) würdigte in seiner Laudatio die enge Verbundenheit von Volker Beck mit "dem jüdischen Volk". An der Veranstaltung nahmen unter anderem auch die beiden Bundestagsvizepräsidentinnen Claudia Roth (Grüne) und Petra Pau (Linke), Grünen-Chefin Simone Peter und die beiden Vorsitzenden der grünen Bundestagsfraktion, Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter, teil. Außerdem war der israelische Botschafter Yakov Hadas-Handelsman anwesend. Auch frühere Leo-Baeck-Preisträger hatten sich eingefunden, darunter Verlegerin Friede Springer und der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider.
Der Zentralrat der Juden hatte den Preis an Beck verliehen, weil er sich schon seit den Neunzigerjahren vehement und "gegen viele Widerstände" für die Entschädigung der früheren NS-Zwangsarbeiter sowie für Rentenzahlungen an Juden in Osteuropa eingesetzt habe. In der Beschneidungsdebatte 2012 habe sich Beck zudem als erster Bundespolitiker an die Seite der jüdischen Gemeinschaft gestellt. Der Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Parlamentariergruppe engagiere sich zudem in herausragender Weise für Israel. (dk)















Alleine schon das Spenden des Preisgelds zeigt, wie sehr Volker Beck diese Auszeichnung verdient hat.