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Im Stück "Fear" von Falk Richter werden AfD-Politiker mit Zombies verglichen (Bild: Arno Declair)
- 9. November 2015, 14:39h 3 Min.
Ein Stück der Berliner Schaubühne, das Homophobie und Fremdenhass thematisiert, ist der AfD ein Dorn im Auge: Vergangene Woche sorgte Parteisprecher Christian Lüth für einen Eklat.
Aufregung in der Berliner Schaubühne: AfD-Sprecher Christian Lüth filmte am vergangenen Dienstag im Auftrag von Parteichefin Frauke Petry ohne Erlaubnis eine Aufführung des Theaterstücks "Fear". Das berichtete der "Spiegel". Erst nachdem Schauspieler ihn mehrfach aufforderten, die Kamera auszustellen und mit Rauswurf drohten, beendete der rechte Politiker die Aktion.
Später habe er, wie vom Theater verlangt, die Aufnahmen gelöscht. Lüth begründete die Aufnahmen unter anderem damit, dass das Stück "beleidigend und geschmacklos" sei. Es würden derzeit rechtliche Schritte gegen den schwulen "Fear"-Autoren Falk Richter geprüft.
Hassredner beklagen sich über Hass
Das Stück, das in den letzten Wochen durchwachsene Kritiken erhalten hatte, thematisiert insbesondere rechtspopulistische und rechtsradikale Bewegungen wie AfD und Pegida. So wird beklagt, dass sich Politiker aus diesem Dunstkreis menschenverachtende Stimmungen zunutze machen und diese weiter befördern. Auch auf die "Demo für alle" und homophobe Stimmungsmacher wird eingegangen.
Ironischerweise werfen die so kritisierten Gruppen inzwischen dem Autoren vor, selbst Hass zu schüren. So machten sie das Stück unter anderem für einen mutmaßlichen Brandanschlag auf den Wagen der "Demo für alle"-Organisatorin Hedwig von Beverfoerde am letzten Montag verantwortlich (queer.de berichtete). Der "Focus" griff das ernsthaft mit einigen Beverfoerde-Zitaten auf und sprach von einem "Hetzstück".
Das ist nur Teil einer regelrechten Empörungskampagne gegen das Stück, an der sich Portale, Medien und Organisationen wie "Politically Incorrect", "Junge Freiheit" und "Kirche in Not" beteiligten. Eine Online-Petition zur Absetzung von "Fear" auf dem christlich-rechten Portal Citizengo hat inzwischen über 11.000 Unterschriften gefunden – das Portal ist mit den Initiativen der AfD-Politikerin Beatrix von Storch verbunden, die selbst Thema des Stückes ist und ebenfalls Opfer eines Brandanschlags auf ihr Auto geworden war.
Hartmut Steeb von der Evangelischen Allianz kritisierte unter der Überschrift "Ein Angriff auf christliche Werte", dass in "Fear" unter anderem die katholischen Publizistinnen Gabriele Kuby und Birgit Kelle als Hassrednerinnen dargestellt werden. Kelle selbst sprach von einer "Hexenjagd".
Autor Falk Richter befürchtet Zunahme der Gewaltbereitschaft
"Fear"-Autor Falk Richter berichtete in einem Interview, dass er die sich verschärfende Stimmung zu spüren bekomme und bereits Drohbriefe erhalten habe. "Die [Briefe] werden immer aggressiver und die Zivilgesellschaft muss jetzt reagieren und dafür sorgen, dass wir weiterhin eine freie und offene Gesellschaft bleiben", sagte Richter. "Ich habe davor Angst, dass die rechtsnationalen Gruppierungen um Pegida und AfD immer gewaltbereiter werden und immer mehr Einfluss gewinnen auf unser Leben, auf unsere Gesellschaft."
Das Stück pausiert gerade, soll aber planmäßig wieder im Januar in der Schaubühne aufgeführt werden. Das Theater, das in der letzten Woche selbst mit Graffiti beschmiert worden war, hat sich am Montag in einer Pressemitteilung hinter den Autoren und "Fear" gestellt: "Es wird im Stück an keiner Stelle zu Gewalt gegen Sachen oder Personen aufgerufen. Einen Zusammenhang zwischen den Straftaten und der Inszenierung herzustellen, ist absurd. Er wird bewusst konstruiert, um die Schaubühne als Theater und Falk Richter als Autor und Regisseur zu verleumden". Das Stück stelle sich lediglich "mit den Mitteln der Kunst" gegen die "Wiederkehr des rechten Gedankenguts". (cw)
Links zum Thema:
» Mehr Infos zu "Fear" auf der Homepage der Berliner Schaubühne















Sehr lange kann das ja nicht mehr dauern.