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Homophobe Berichterstattung
Die Polizei, die "Bild" und der Mord im "Homosexuellen-Milieu"
- 9. November 2015, 15:17h 3 Min.

In Rom wurde ein schwuler Deutscher ermordet – und das Boulevardblatt weiß bereits, dass "die Homosexualität des Opfers mit der Tat zusammenhängt".
Wenn ein gemischtgeschlechtlich liebender Mensch Opfer eines Verbrechens wird, haben wir noch nie im Polizeibericht oder in der Zeitung lesen müssen, dass dessen "Heterosexualität mit der Tat zusammenhängt". Ganz anders ist es jedoch, wenn Schwule oder Lesben betroffen sind (queer.de berichtete).
Das jüngste Beispiel führt nach Rom. In der italienischen Hauptstadt wurde der deutsche Manager Oliver D. in seinem Apartment getötet. Vieles deutet auf einen Raubmord hin: Die Wohnung des 49-Jährigen wurde komplett durchwühlt, eine Sammlung mit teuren Uhren, Schmuck, ein Laptop und drei Handys fehlen, auch ein Feuer wurde gelegt, wohl um die Spuren zu verwischen.
Doch Oliver D. war schwul, und deshalb sei die Polizei "davon überzeugt, dass die Homosexualität des Opfers mit der Tat zusammenhängt". Das schreibt zumindest die "Bild"-Zeitung unter der Überschrift "Der Killer überraschte ihn im Pyjama". Es würde nicht überraschen, wenn sich das Boulevardblatt die "Erkenntnisse" der Polizei selbst ausgedacht hat – in italienischen Medienberichten wird zwar die Homosexualität des Opfers erwähnt, mehr jedoch nicht.
Weiter unten im "Bild"-Bericht taucht natürlich auch das unvermeidbare "Homosexuellen-Milieu" auf, das aus einer Zeit stammt, als die lustvolle Betätigung unter Männern noch unter Strafandrohung stand: "Die Polizei vermutet, dass es eine Bande gibt, die sich auf Überfälle im Homosexuellen-Milieu spezialisiert hat", schreibt das Boulevardblatt. Dabei berichtet es selbst, dass Oliver D. offen schwul lebte und sich das Apartment eine Zeitlang mit seinem ehemaligen Partner teilte.
Zum wiederholten Male zitieren wir deshalb aus dem Ratgeber "Schöner schreiben über Lesben und Schwule" (PDF) des Bundes Lesbischer und Schwuler JournalistInnen (BLSJ), der die Ablehnung des Begriffs "Homosexuellen-Milieu" sehr gut begründet:
"Dieser Terminus ist sprachlicher Unsinn. Was oder wo soll dieses Milieu denn sein: die Stadt Köln, der Eurovision Song Contest oder gar das Amtszimmer einer lesbischen Politikerin? Solche Phrasen verunglimpfen Homosexuelle kollektiv, ganz so, als wären Lesben und Schwule wie Kriminelle in einer Art Rotlichtviertel organisiert. Kaum jemand würde über eine 'Gewalttat im Lehrermilieu' oder einen 'Doppelmord im Hetero-Milieu' berichten.
Dass 'Milieu' auch ein soziologischer Begriff ist, wissen wir. Doch Autoren wollen mit reißerischen Schlagzeilen dieser Art wohl kaum eine soziologische Präzision zum Ausdruck bringen. Zudem ist es gerade ein Ergebnis dieser Studien, dass Homosexuelle in jedem Milieu vorkommen.
Vorschlag: Statt 'Mord im Homosexuellen-Milieu': 'Schwuler Mann ermordet' (falls das Schwulsein für die Geschichte überhaupt von Bedeutung ist). Statt 'Ein Mann aus dem Homosexuellen-Milieu' einfach: 'Ein Schwuler'."
Dem ist nichts hinzuzufügen. Wir hoffen, dass der Täter, dessen sexuelle Orientierung in diesem Fall vermutlich ebenfalls keine Rolle spielt, schnell gefasst wird! (mize)
(Foto oben: rainerwermelt.de)















man spekuliert wild drauf los. Wenn man falsch lag, ist es kein Problem und wenn man zufällig mal richtig lag, meinen die typischen Bild-Leser, die Bild hätte es als erster gewusst.