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Staatshomophobie
21 Studenten wegen Homosexualität in Nigeria verhaftet
- 23. November 2015, 14:37h 3 Min.

In Nigeria hat sich in den letzten Jahren die Lage von Schwulen und Lesben verschlechtert (Bild: jbdodane / flickr / by 2.0)
Im bevölkerungsreichsten Land Afrikas wird weiterhin gnadenlos gegen mutmaßliche Homosexuelle vorgegangen.
Im Süden Nigerias sind lokalen Medienberichten zufolge 21 männliche Studenten verhaftet worden, weil sie gleichgeschlechtlichen Sex gehabt haben sollen. Laut einem Bericht der Zeitung "Punch" vom Montag habe die Polizei an zwei staatlichen Fachhochschulen in Asaba genügend Beweise gesammelt, dass die Studenten "für einen finanziellen Gewinn" Sex mit Männern gehabt hätten.
Polizeisprecherin Celestina Kalu erklärte: "Aus guter Quelle wissen wir, dass die männlichen Studenten wohl Anal-Sex gehabt haben. Wir haben die Verdächtigen verhört und sie haben nützliche Angaben gemacht. Es wird weiter ermittelt."
Die Ermittlungen hätten ergeben, dass Homosexualität an den Hochschulen "anwachsen" würde. Dafür machte die Polizei "mehrere Kulte" verantwortlich, die laut "Punch" die Bürger in dieser Gegend "terrorisieren" würden.
Es gab bereits wiederholt Berichte über Massenverhaftungen von angeblichen Homosexuellen in Nigeria. So sollen im Mai in der westnigerianischen Großstadt Ibadan ebenfalls 21 junge Männer festgenommen worden sein, die einem "schwulen Kult" angehörten (queer.de berichtete). Zu den "Beweismitteln" der Polizei gehörten unter anderem Kondome. Zudem sollen vor wenigen Tagen auch ein 14-Jähriger und ein 19-Jähriger nahe der Hauptstadt Lagos verhaftet worden sein, weil sie zusammen in einem Bett gelegen hätten.
Gesetzeslage in Nigeria verschärft
In Nigeria wird derzeit vermehrt gegen Homosexuelle vorgegangen. Erst im vergangenen Jahr hat die Regierung Gesetze gegen Schwule und Lesben verschärft (queer.de berichtete). Seither sind sogar Treffen von Homosexuellen verboten. Für gleichgeschlechtlichen Sex ist eine Haftstrafe von bis zu 14 Jahren vorgesehen, in islamischen Regionen steht für Muslime auf Homosexualität sogar die Todesstrafe.
Eine besonders zwielichtige Rolle spielt dabei die katholische Kirche, die im Land offen die Verfolgung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung unterstützt. Die Verschärfung der Anti-Homo-Gesetze sei ein "richtiger Schritt in die richtige Richtung, um die Würde des Menschen zu schützen", erklärte die Bischofskonferenz vor einem Jahr (queer.de berichtete).
Studie: Verfolgung erschwert HIV-Prävention
Das Homo-Verbot in Nigeria geht noch auf die britischen Kolonialherren zurück, die das Land bis 1960 besetzt hielten. In einer am Wochenende von der britischen Regierung vorgestellten Studie heißt es, dass insbesondere die homophoben Gesetze aus London noch heute negative Auswirkungen auf diese Ex-Kolonien hätten. So machten Commonwealth-Länder 60 Prozent der HIV-Fälle aus, obwohl sie nur 30 Prozent der Weltbevölkerung stellten. Grund sei auch, dass HIV-Prävention unter schwulen Männern in Ländern, in denen Homosexualität illegal ist, "wegen der doppelten Stigmatisierung" praktisch unmöglich sei.
Nigeria ist mit rund 160 Millionen Einwohnern der bevölkerungsreichste Staat in Afrika und die Nummer acht in der Welt. Das Volk unterstützt dabei mehrheitlich die homophobe Politik der Regierung: Bei einer Mitte 2013 durchgeführten Umfrage sprachen sich 92 Prozent der Nigerianer für eine Gesetzesverschärfung gegen Schwule und Lesben aus. (dk)














