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Ausnahmeregelung
Kanada will Schwule, aber keine Hetero-Männer aus Syrien aufnehmen

Premierminister Justin Trudeau hat sich für Ausnahmeregelungen für alleinstehende schwule Männer eingesetzt (Bild: flickr / Alex Guibord / by 2.0)
- 25. November 2015, 07:48h 2 Min.
Der neu gewählte Premierminister lässt tausende Flüchtlinge aus Syrien ins Land – aber nur Familien, Frauen, Kinder und Schwule, keine heterosexuellen Single-Männer.
Das Kabinett des neuen kanadischen Regierungschefs Justin Trudeau hat am Montag in einer Sitzung Einzelheiten zu der geplanten Aufnahme von syrischen Flüchtlingen beraten. Nach den Plänen will die liberale Regierung bis März 2016 insgesamt 25.000 bedrohte Menschen aus der Region aufnehmen.
Laut dem Fernsehsender CBC gibt es aber Einschränkungen: Um sich vor potenziellen Terroristen zu schützen, sollen allein reisende Männer ausgeschlossen werden. Einzige Ausnahmen sind nach Regierungsplänen alleinstehende Männer, die der LGBT-Community angehören, sowie ein männliches Elternteil, das als Teil einer Familie einreist. Auch allein einreisende Frauen und Kinder sollen aufgenommen werden.
In vom IS kontrollierten Gebieten Syriens gab es immer wieder Hinrichtungen von angeblichen Homosexuellen. So sollen etwa im September neun Männer und ein Junge von der Terrormiliz getötet worden sein (queer.de berichtete).
Linke Opposition kritisiert Einschränkungen
Kritik an diesen Einschränkungen kommt von der sozialdemokratischen Oppositionspartei NDP: "Auch wenn Sicherheitsbedenken ernst zu nehmen sind, soll jetzt etwa ein junger Mann, der beide Eltern verloren hat, aus dem Programm ausgeschlossen werden?", fragte NDP-Parteichef Tom Mulair. "Wird ein Witwer, der vor Daesh flieht und dessen Familie ermordet wurde, auch ausgeschlossen? Das ist nicht der kanadische Weg." Andere Politiker äußerten Bedenken, dass eine Familie beispielsweise ihren 18-jährigen Sohn im Kriegsgebiet zurücklassen müsse.
Die kanadische Regierung plant, in der Türkei oder beim UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR registrierte Flüchtlinge so schnell wie möglich mit Privatflugzeugen nach Toronto und Montreal einzufliegen. Sie sollen dann auf 36 Städte im ganzen Land verteilt werden.
Justin Trudeau und seine liberale Partei hatten Mitte Oktober bei den kanadischen Unterhauswahlen ihren Stimmenanteil verdoppelt und die absolute Mehrheit der Sitze geholt. Im Wahlkampf hatte Trudeau unter anderem versprochen, bis Ende des Jahres 25.000 syrische Flüchtlinge aufzunehmen. Die Regierung erklärte aber am Dienstag, dass sie bis Ende des Jahres nur die Aufnahme von 10.000 Flüchtlingen schaffen werde.
Die liberale Regierung gilt als sehr viel LGBT-freundlicher als die konservative Vorgängerregierung unter Premierminister Stephen Harper, der 2006 das Amt übernommen hatte. Trudeau ist zudem der erste kanadische Premierminister, der bereits an CSDs teilgenommen hat. Nach seiner Wahl sorgte ein Foto für Aufmerksamkeit in sozialen Netzwerken, das ihn mit einem schwulen Paar und deren zwei Kindern zeigte (queer.de berichtete). (dk)















Nun werden deutsche Juristen daherkommen und das Problem aufwerfen, wie man einen syrischen (leicht, Sprachprüfung) und gleichzeitig schwulen Mann erkennt.
Aber dennoch, mir gefällt es, wie Mr. Trudeau handelt.