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  • 8. Dezember 2015, 05:30h 57 2 Min.

Auch bei der Veröffentlichung von Leserbriefen sind die publizistischen Grundsätze zu beachten: Wegen dieser Zuschrift wurde das "Delmenhorster Kreisblatt" vom Presserat gerügt

Das "Delmenhorster Kreisblatt" ließ die Diffamierung von Lesben und Schwulen als "abartige Lebensform" zu – ein Verstoß gegen den Pressekodex.

Eine Beschwerde des Projekts "100% Mensch" hatte Erfolg: Der Deutsche Presserat hat eine öffentliche Rüge gegen das "Delmenhorster Kreisblatt" ausgesprochen. Diese härtestmögliche Sanktion beschloss der Beschwerdeausschuss in seiner Sitzung am 2. Dezember; die Rüge muss von der Redaktion in einer ihrer nächsten Ausgaben veröffentlicht werden.

Am 21. Juli hatte die Zeitung einen Leserbrief mit massiv homophobem Inhalt veröffentlicht. Darin wurden Lesben und Schwule u.a. als "abartige Lebensform" diffamiert und in die Nähe von Straftaten gerückt. Weiter hieß es in der abgedruckten Zuschrift: "Deutschland war gegenüber MInderheiten immer tolerant. Bedürfen sie aber auch besonderer Rechte? Vor allem dann, wenn sie gewollt nicht zu dieser Gesellschaft stehen?"

Verstoß gegen Ziffer 12 des Pressekodex

Der Beschwerdeausschuss des Deutschen Presserates sah in der Veröffentlichung einen klaren Verstoß gegen Ziffer 12 des Pressekodex. Darin heißt es: "Niemand darf wegen seines Geschlechts, einer Behinderung oder seiner Zugehörigkeit zu einer ethnischen, religiösen, sozialen oder nationalen Gruppe diskriminiert werden." In einer Pressemitteilung des Presserats heißt es weiter: "Verletzt wurde auch Richtlinie 2.6 Pressekodex, nach der bei der Veröffentlichung von Leserbriefen die publizistischen Grundsätze zu beachten sind."

Auf Beschwerden des Projekts "100% Mensch" und zahlreicher Leser hatte sich das "Delmenhorster Kreisblatt" im Sommer noch uneinsichtig gezeigt. In einer Stellungnahme vom 23. Juli hatte die Redaktion zwar erklärt, dass sie die Aussagen des Leserbriefschreibers nicht teile, "allerdings werden wir auch künftig Leserbriefe veröffentlichen, die Meinungen enthalten, die nicht nach jedermanns Geschmack sind – im Zweifel auch nicht nach unserem".

Holger Edmaier von "100% Mensch" begrüßte in einer Stellungnahme auf Facebook die Rüge des Presserats. "Wir hoffen, dass das 'Delmenhorster Kreisblatt' seine Veröffentlichungspraxis überdenkt und Leserbriefe mit menschenverachtendem Inhalt in Zukunft dorthin befördert, wo sie hingehören: in den Mülleimer oder in die Hände der Staatsanwaltschaft." (cw)

-w-

#1 PeerAnonym
  • 08.12.2015, 08:35h
  • Solche Provinzblättchen tun doch alles, um die Auflage zu steigern. Und da denen mangels Personal die redaktionellen Inhalte wegbrechen, sind die für jeden Leserbrief froh, mit dem sie ihre Seiten füllen können.

    Manchmal ist das, was da arbeitet auch schlicht zu dumm, um die Tragweite zu verstehen. Oder sie teilen selbst diese Meinung.
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#2 wuermchenEhemaliges Profil
  • 08.12.2015, 09:08h
  • "allerdings werden wir auch künftig Leserbriefe veröffentlichen, die Meinungen enthalten, die nicht nach jedermanns Geschmack sind im Zweifel auch nicht nach unserem"

    Grundsätzlich ist die Haltung der Zeitung zu akzeptieren eigentlich sogar zu honorieren, denn viele Medien sind ja gar nicht mehr um eine Auseinandersetzung von Ansichten bemüht.

    Zum konkreten Leserbrief. In einem Teil hat er recht. Wir werden aus Wolkenkuckucksheim regiert.
    Seine Wortwahl ist aber sehr wohl verletzend und gehört so nicht in ein Gespräch. Da ist dem Leserbriefschreiber sein eigener Anstand, den er bei anderen vermisst, abhanden gekommen.
    Ich persönlich mag aber lieber klare aussagen, auch wenn ich sie als grundverkehrt ansehe, als Weichgespühlte und Gefilterte. So lässt sich wenigstens darauf reagieren, denn durch das nicht veröffentlichen verschwindet ja seine Ansicht nicht.
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#3 SebiAnonym
  • 08.12.2015, 09:13h
  • Wenn solche Käseblättchen irgendwann verschwinden, wird niemand denen eine Träne hinterherweinen.

    Das hat mit Qualitätsjournalismus nichts zu tun. Es sollten (und werden) nur Zeitungen den Medienwandel überstehen, die Qualität bieten. Und das ist gut so!
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