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Maurice Tomlinson
LGBT-Aktivist klagt gegen Homo-Verbot in Jamaika

Rechtsanwalt Maurice Tomlinson will sich gegen das Homo-Verbot in seinem Heimatland wehren
- 10. Dezember 2015, 08:10h 2 Min.
Die Welle der Gewalt gegen schwule Männer auf der Karibikinsel reißt nicht ab. Nun versucht ein schwuler Anwalt, juristisch gegen die staatliche Homophobie vorzugehen.
Der jamaikanische LGBT-Aktivist Maurice Tomlinson hat eine Klage gegen den Unzuchtsparagrafen eingereicht, der bis zu zehn Jahre Haft mit Zwangsarbeit für Sex zwischen Männern vorsieht. Das teilte die kanadische Organisation "HIV/Aids Legal Network" am Mittwoch mit, die Tomlinson in seiner Klage unterstützt. Der Oberste Gerichtshof soll nun entscheiden, ob das Gesetz gegen den in der Verfassung garantierten Gleichbehandlungsgrundsatz verstößt.
"Die Gesetze in Jamaika kriminalisieren einvernehmliche sexuelle Intimitäten zwischen Männern und machen mich im Prinzip zu einem nicht verhafteten Kriminellen", erklärte Tomlinson in seiner Klageschrift. Alle schwulen Männer seien von diesem Gesetz betroffen.
Zwar weist er darauf hin, dass es seit 2005 keine Verurteilung mehr unter diesem Paragrafen gab, der 1864 von den britischen Kolonialherren eingeführt worden war. Allerdings habe das Gesetz weitreichende Auswirkungen auf das Leben von Schwulen. So sei es verantwortlich für eine Welle der Hassgewalt gegen homosexuelle Männer, die von der Polizei kaum verfolgt werde. Stattdessen würden Schwule mit dem Gesetz von Polizisten erpresst, wenn sie einen Vorfall meldeten. Schwule auf der Insel hätten allen Grund, der Polizei zu misstrauen.
Brutale Lynch-Morde an Schwulen
Als Beispiel für die Gewalt nennt Tomlinson den Überfall auf den 16-jährigen Gordon Oshane im Jahr 2011. Eine Gruppe homophober Männer habe den jungen Schwulen in seinem Haus überfallen und geschlagen. Als Oshane durch das Fenster fliehen wollte, hätten die Männer seinen Fuß abgehackt, bevor sie ihn töteten.
Der Anwalt Tomlinson ist selbst als Kläger genannt. Bereits 2013 reichte er im Namen eines anderen schwulen Mannes eine Klage gegen das Homo-Verbot ein, musste sie aber zurückziehen, als sich der Mann aus Angst um sein Leben vom Prozess zurückzog. Auch Tomlinson erhält seit 2011 regelmäßig Morddrohungen, seitdem eine Lokalzeitung ein Foto von seiner Hochzeit in Kanada veröffentlicht hatte. Seither schaue er immer über seine Schulter, wenn er sich in Jamaika aufhalte. Einen großen Teil seines Lebens verbringe er mit seinem Partner in dessen Heimatstadt Toronto. "Es kann wohl kaum schlimmer werden, als es heute ist", kommentierte er die Lage in seinem Heimatland.
Auf Jamaika gibt es eine extrem homophobe Stimmung in der Bevölkerung: Laut einer Umfrage vom vergangenen Jahr befürworten 91 Prozent der Einwohner die staatliche Verfolgung von Homosexuellen (queer.de berichtete). Insbesondere in der Reggae-Musik gehört Homophobie zum guten Ton – so vergleicht der international erfolgreiche Interpret Sizzla Homosexualität seit Jahren mit Kindesmissbrauch und ruft in seinen Liedern zur Ermordung von Schwulen auf (queer.de berichtete). (dk)














