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Öffentliche Verhandlung nächste Woche

Gerichtliche Auseinandersetzung um "Fear"


Das Stück "Fear" könnte demnächst in Teilen zensiert werden – auf Klage von Leuten, die für ihre Hetze gegen LGBT immer wieder die Meinungsfreiheit betonen (Bild: Arno Declair / Schaubühne)

  • 11. Dezember 2015, 05:59h 151 4 Min.

Die AfD-Europaabgeordnete Beatrix von Storch und die Organsatorin der "Demo für alle", Hedwig von Beverfoerde, gehen gegen das Theaterstück vor.

Von Norbert Blech

Die Berliner Schaubühne am Lehniner Platz und zwei Vertreter der neu-homophoben Bewegung Deutschlands treffen sich in der nächsten Woche vor Gericht. Grund ist das Theaterstück "Fear" von Falk Richter, in denen Vertreter rechter Bewegungen als Zombies dargestellt werden.

Die AfD-Europaabgeordnete Beatrix von Storch und die Organsatorin der "Demo für alle", Hedwig von Beverfoerde, hatten gegen die Schaubühne eine Einstweilige Verfügung erwirkt, wonach das Theater keine Fotos und Bilder der Personen mehr in den Aufführungen verwenden darf. Eine von ihren Anwälten geforderte entsprechende Unterlassungserklärung hatte die Schaubühne nicht unterschrieben und stattdessen eine Schutzschrift bei Gericht eingereicht.

Das Landgericht erließ dennoch eine Einstweilige Verfügung, gegen die die Schaubühne Widerspruch einlegte. Die beiden Fälle werden daher hintereinander am Dienstag ab 9.30 Uhr öffentlich verhandelt (Altbau am Tegeler Weg 17-21). Dem Vernehmen nach spielt unter anderem die Frage eine Rolle, ob von Storch und von Beverfoerde "öffentliche Personen" sind.

Die homophoben Kläger spielen verfolgte Unschuld


Hedwig von Beverfoerde mit Megaphon auf einer "Demo für alle" 2014 in Hannover (Bild: Norbert Blech)

Die "Demo für alle" sprach am Donnerstag in einer Pressemitteilung von einem "Etappensieg" und kritisierte, dass Beverfoerde in der Schutzschrift erneut "diffamiert" werde. Beatrix von Storch behauptete auf ihrer Facebook-Seite, dass die Schaubühne ihr eine Klage androhe. Die AfD-Vizevorsitzende meinte, sie "werde die Klage gewinnen, weil dieses Theater kein Theater ist, sondern schlichte, dumpfe Hetze in bester brauner Manier".

Das Stück "Fear", das am zweiten Januar-Wochenende erneut aufgeführt werden soll, hatte Ende Oktober Premiere. "Die untoten Geister von Rassismus und Homophobie beschwören die Performer herauf und setzen sich mit Sprache und Körperlichkeit von Angst, Hass und Gewalt auseinander", heißt es in der Beschreibung der Schaubühne. Unter anderem sind auch Gabriele Kuby und Birgit Kelle zu sehen, neben Personen wie Marine Le Pen, Beate Zschäpe oder Geert Wilders.

Bereits kurz nach der Premiere nutzten die betroffenen Damen das Stück, um sich als Verfolgte darzustellen. Von Beverfoerde kritisierte, dass sie und die anderen Frauen "auf verleumderische Weise als rechtsextreme, Hassreden schwingende Zombies dargestellt und 'künstlerisch' zum Abschuss freigegeben" würden. Im Rahmen einer größeren Kampagne wurde gar versucht, dem Theater Brandanschläge auf die Autos von Storch und Beverfoerde in Berlin und Magdeburg in die Schuhe zu schieben (queer.de berichtete).

Der Verein "Zivile Koalition" des Ehepaars von Storch hatte öffentlich um Spenden gebeten, um gegen das Theaterstück vorzugehen ("Die weitere Aufführung des Stückes muss eingestellt werden"). AfD-Pressesprecher Christian Lüth war bereits im November aus dem Theater geflogen, als er offenbar zu einer Klagevorbereitung einen Mitschnitt des Stückes machen wollte (queer.de berichtete).

Morddohungen gegen den schwulen Regisseur


Falk Richter wurde vor wenigen Wochen mit der Saarbrücker Poetikdozentur für Dramatik ausgezeichnet (Bild: Esra Rotthoff)

Der schwule Regisseur und Dramatiker Falk Richter, der bereits mit dem Stück "Smalltown Boy" bekannt wurde, hatte in jenen Tagen Morddrohungen erhalten – und in Interviews die Kritik an dem Stück zurückgewiesen. Die Betroffenen meldeten "sich genau so zu Wort, wie ich es auf der Bühne zeige: mit Verleumdungsversuchen, mit Hass, mit Morddrohungen", sagte er in einem Interview mit der "Morgenpost".

Zur "Zivilen Koalition" gehört die "Initiative Familienschutz", aus der heraus Beverfoerde zunächst die "Demos für alle" organisierte – inzwischen macht sie dies angeblich eigenständig. Bei den homophoben Protesten vor allem in Stuttgart, die unter anderem auf dem Hetzportal "Politically Incorrect" beworben wurden, waren diverse Gegner von LGBT-Rechten aufgetreten, darunter Kuby und Kelle. Im Oktober präsentierte von Beverfoerde unter großem Applaus einen jungen Mann auf der Bühne, der seine Homosexualität nicht ausleben will (queer.de berichtete).

An den Demos hatten zudem Vertreter von AfD und evangelikalen Arbeitskreisen der CDU teilgenommen, im Publikum fanden sich Anhänger der rechtsextremen Identitären Bewegung und der NPD. Nachdem sich die "Demo für alle" ursprünglich gegen den Bildungsplan in Baden-Württemberg richtete, ging es zuletzt auch um den Widerstand gegen einen Aktionsplan des Landes "für Akzeptanz und gleiche Rechte" oder die Ehe für alle.

-w-

#1 myysteryAnonym
  • 11.12.2015, 07:58h
  • Peinlich.

    Diejenigen, die es sich zum Volkssport gemacht haben, andere zu diskreditieren und herabzusetzen, beschweren sich über eine künstlerische Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Art selbst.
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#2 goddamn liberalAnonym
  • 11.12.2015, 08:29h
  • Antwort auf #1 von myystery
  • Das ist spannend:

    Eine Person spricht von brauner Diffamierung, deren Großvater zwölf Jahre Finanzminsiter der braunen Diktatur war (verantwortlich für Raub und Reichsfluchtsteuer) und die Enkelin agitiert heute gegen dieselben Personengruppen, die von der Regierung des Opas ermordert wurden (Transmenschen wie Conchita Wurst).

    Wers fassen kann, der fasse es!
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#3 ZombieApokalypseAnonym
  • 11.12.2015, 08:54h
  • "rechtsextreme, Hassreden schwingende Zombies" trifft's doch aber an sich ganz gut...
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