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Nordrhein-Westfalen
Schwusos: FDP-Politikerin macht AfD salonfähig

Die FDP-Politikerin Susanne Schneider schadet nach Ansicht der Schwusos mit populistischen Äußerungen Lesben und Schwulen (Bild: Bernd Schälte/Bildarchiv des Landtags Nordrhein-Westfalen)
- 17. Dezember 2015, 09:23h 3 Min.
Die Äußerungen der FDP-Landtagsabgeordneten Susanne Schneider zum "Gender-Wahnsinn" sorgen für scharfe Reaktionen von den Schwusos. Schneider sieht sich dagegen als Opfer einer "links-grünen" Kampagne und erhält Unterstützung von Birgit Kelle.
Die Arbeitsgemeinschaft der Lesben und Schwule in der NRW-SPD (Schwusos) wirft der liberalen Landtagsabgeordneten Susanne Schneider vor, mit ihren Äußerungen am rechten Rand zu fischen. Mit diesem "Populismus" schade sie Lesben, Schwulen, Bi-, Trans- und Intersexuellen.
Die Schwusos reagieren damit auf den Vorwurf der FDP-Politikerin, dass die rot-grüne Landesregierung wegen ihrer Förderung der MädchenMusikAkademie "Gender-Wahnsinn" betreibe (queer.de berichtete). Erst wenige Wochen zuvor hatte Schneider zudem mit einem Fraktionskollegen eine Kleine Anfrage gestellt, in der sie die private Facebook-Äußerung eines jungen HIV-Positiven skandalisierte. Dafür erhielt sie von queer.de die Homo-Gurke und erntete Kritik von Aids-Hilfen.
Schwusos: Schneider entfernt sich vom bürgerlich-liberalen Ideal
Sascha Roncevic, medienpolitischer Sprecher der Schwusos, erklärte am Mittwoch: "Durch ihren Sprachgebrauch und ihre wahnwitzigen Szenarien entfernt sich Frau Schneider wohl nicht unbeabsichtigt vom bürgerlich-liberalen Ideal, das die FDP einst vertrat. Als Sprecherin ihrer Partei im Ausschuss für Frauen, Gleichstellung und Emanzipation müsste sie besser wissen, welche Geister sie da ruft. Die rechte, homophobe und frauenfeindliche Rollback-Bewegung missbraucht das Wort 'Gender', um hier alles hinein zu projizieren, was ihr zutiefst zuwider ist: Gleichstellung und eine vielfältige und liberale Gesellschaft."
Natürlich gehöre es zu einer Demokratie zu diskutieren, welche Projekte gefördert werden sollen. Schneider disqualifiziere sich aber, wenn sie Wissenschaft und Gleichstellung als "Wahnsinn" abkanzle. "Die Politik von Frau Schneider schadet dadurch nicht nur auch Lesben, Schwulen, Bi-, Trans- und Intersexuellen. Ihr Gebaren macht auch Gruppierungen wie die sogenannten 'besorgte Eltern', 'Demo für alle' oder die AfD salonfähig", befürchtet Roncevic.
NRW-Schwusos-Chef Fabian Spies erklärte, Schneider diffamiere "mit ihren Entgleisungen nicht nur die Werte einer freiheitlichen Partei, sondern schießt gegen Gruppen, die Diskriminierung erfahren. Wer sich eines potenziellen Stimmengewinn wegen Gruppen wie AfD oder den sogenannten 'Besorgten Eltern' annähert, verliert als liberale Partei, die sich für Gleichstellung einsetzt, an Glaubwürdigkeit."
Schneider hält an #Genderwahnsinn fest

Schneider und die Autorin Birgit Kelle hatten sich mehrfach getroffen
Die Abgeordnete sieht sich dagegen als Opfer einer "links-grünen" Kampagne und hält demonstrativ an dem Ausdruck "Gender-Wahnsinn" fest. So erklärte sie am Mittwoch auf Facebook als Antwort auf einen queer.de-Bericht: "Großartig: Wenn man die links-grünen Thesen nicht vertritt und artig nachplappert, es wagt, Steuergeldverschwendung zu kritisieren, wird in diesem Land sofort versucht, einen in die rechte Ecke zu schieben. #Genderwahnsinn".
Die Publizistin Birgit Kelle, die die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben als Diskriminierung Heterosexueller ansieht, empfahl darauf im Kommentarbereich: "Das Schema kommt mir bekannt vor…. da hilft nur eines: Weitermachen!". Schneider hat die Äußerung mit "Gefällt mir" markiert.
Die beiden Frauen kennen sich bereits: Schneider hatte Kelle zu einer Landtagsdiskussion geladen und auch in ihrem Büro empfangen, ein Bild davon postete sie auf Facebook. Die Politikerin war auch in einer Radiosendung Kelles zu Gast. (dk)














