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Papst Franziskus hat den politischen Kampf gegen die Ehe für alle aufgenommen (Bild: Presidência da Republica/Roberto Stuckert Filho)
- 17. Dezember 2015, 13:31h 3 Min.
Vor dem Referendum zur Ehe für alle in Slowenien erklärt der Papst vor Pilgern, dass sich Katholiken für den Schutz der Hetero-Familie einsetzen müssten.
Am Sonntag werden die Slowenen in einem Volksentscheid darüber abstimmen, ob Schwulen und Lesben das Ehe-Recht weiter vorenthalten wird. In den Wahlkampf hat nun auch Papst Franziskus indirekt eingegriffen: Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP forderte der Pontifex am Mittwoch im Vatikanstaat slowenische Pilger auf, sich für traditionelle Werte einzusetzen.
Franziskus erklärte, dass katholische Slowenen für "Familenwerte" kämpfen müssten. Ohne direkt auf den Volksentscheid einzugehen, meinte der 79-Jährige, dass "jede Person, insbesondere wenn sie öffentliche Aufgaben übernimmt, die Familie unterstützen soll". Die heterosexuelle Familie sei ein "struktureller Bezugspunkt für das Leben in der Gesellschaft".
Slowenisches Parlament hatte Ehe-Öffnung zugestimmt
Beide Kammern des slowenischen Parlaments hatten zwar im Frühjahr mit deutlicher Mehrheit die Ehe für alle beschlossen (queer.de berichtete). Allerdings sammelten die von konservativen und katholischen Gruppen dominierte Organisation "Koalition für Kinder" genügend Stimmen, um gegen das Gesetz einen Volksentscheid zu erzwingen. Dieser soll nun am Sonntag stattfinden. Im zwei Millionen Einwohner zählenden Slowenien kann gegen Gesetze ein Referendum abgehalten werden, wenn mindestens 40.000 Unterschriften vorgelegt werden.
Das Parlament hatte den Volksentscheid zunächst verboten. Es begründete diese Entscheidung damit, dass seit 2013 in der Verfassung festgelegt ist, dass es keine Volksentscheide über Grundrechte geben dürfe. Allerdings erlaubte der Oberste Gerichtshof mit fünf gegen vier Richterstimmen im Oktober das Referendum (queer.de berichtete).
Der Papst ist ein Wiederholungstäter
Die Kirche spielt – trotz der vordergründig freundlichen Rhetorik von Papst Franziskus – in vielen katholischen Ländern bei der Einschränkung von LGBT-Rechten eine entscheidende Rolle. Bereits im Februar hatte Papst Franziskus bei einer Generalaudienz den Kampf der slowakischen Kirche gegen die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben gelobt – nur wenige Tage, bevor dort ein Referendum zum Ehe-Verbot für Schwule und Lesben abgehalten wurde (queer.de berichtete). in der Slowakei warb die Kirche auch auf Plakatwänden mit Bildern des Papstes für ein Verbot der Ehe für alle in der Verfassung. Das Referendum scheiterte jedoch wegen zu geringer Beteiligung (queer.de berichtete).
Auch in anderen Ländern mit Volksentscheiden versuchte die Kirche wiederholt, LGBT-Rechte zu verhindern. So gab die irische Bischofskonferenz vor dem Volksentscheid zur Ehe-Öffnung eine Werbebroschüre heraus, in der gegen die Gleichbehandlung Stimmung gemacht wurde (queer.de berichtete). In Kroatien konnte die Glaubensgemeinschaft vergangenes Jahr via Volksentscheid ein Ehe-Verbot für Schwule und Lesben in der Verfassung durchsetzen (queer.de berichtete). In den USA hatten die Bischöfe sogar eine Sonderkollekte gegen die Öffnung der Ehe durchgeführt, um in TV-Werbespots für ein "Nein" zu werben (queer.de berichtete).
Die Deutsche Bischofskonferenz hat ebenfalls vor kurzem erklärt, dass sie das Recht auf Zivil-Ehe für Schwule und Lesben ablehne (queer.de berichtete).
In Afrika geht die katholische Kirche sogar noch einen Schritt weiter: So hat es die nigerianische Bischofskonferenz ausdrücklich gelobt, dass Schwule und Lesben wegen ihrer sexuellen Orientierung staatlich verfolgt werden (queer.de berichtete). (dk)















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