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24 zu 71 Stimmen
Indien: Homosexualität bleibt verboten

Nach dem Urteil des obersten Gerichts zur Wiedereinführung des Homo-Verbots hatten Menschen in vielen Städten wie hier in Sangli für eine Abschaffung des Paragrafen 377 demonstriert
- 18. Dezember 2015, 15:29h 2 Min.
Eine Gesetzesvorlage, den Anti-Homo-Paragrafen 377 abzuschaffen, fand im Parlament keine Mehrheit.
Zwei Jahre nach der umstrittenen Entscheidung des obersten Gerichts Indiens, den Anti-Homo-Paragrafen 377 wieder in Kraft zu setzen, ist im Parlament ein Versuch gescheitert, das aus der britischen Kolonialzeit stammende Verbot abzuschaffen.
Eine entsprechende Vorlage des Oppositionspolitikers Shashi Tharoor wurde am Freitag mit 24 zu 71 Stimmen abgelehnt. "Eine solche Ablehnung überrascht", kommentierte Tharoor, ein Schriftsteller, früherer UN-Diplomat und Politiker der Partei National Congress, die Entscheidung im sozialen Netzwerk Twitter. Er versprach, die Vorlage bald erneut einzubringen. Vertreter der führenden Regierungspartei BJP hatten Anfang des Jahres angedeutet, sich ebenfalls für eine Abschaffung des Verbots stark machen zu wollen (queer.de berichtete); die hindu-nationalistische Partei blieb bislang aber eine Umsetzung dieses Versprechens schuldig.
Der Paragraf 377 sieht bis zu zehn Jahre Haft für homosexuelle Handlungen vor. 2009 erklärte ein Gericht in Neu-Delhi das Gesetz aus dem Jahr 1860 zwar für verfassungswidrig (queer.de berichtete), allerdings revidierte der oberste Gerichtshof Indiens im Dezember 2013 diese Entscheidung und führte damit das Homo-Verbot erneut ein (queer.de berichtete). Das Gericht, das die Frage in Kürze wieder aufnehmen könnte, hatte argumentiert, das in über 100 Jahren nicht einmal 200 Menschen nach dem Paragrafen verurteilt worden seien.
Die Zeitung "Deccan Herald" berichtete danach allerdings von Polizeiwillkür und einem Anstieg von zeitweiligen Festnahmen (queer.de berichtete). Nach neuesten Zahlen des Innenministeriums wurden 2014 ganze 1.279 Personen aufgrund des Paragrafen 377 vorübergehend festgenommen, darunter 14 Frauen. 179 Personen waren unter 18, 639 zwischen 18 und 30 Jahre alt. (nb)














