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Jutta Ehrmann-Wolf kritisiert IHF
Homophobie bei der Handball-WM?

Jutta Ehrmann-Wolf erhebt schwere Vorwürfe gegen die Internationale Handball-Föderation (Bild: wiki commons / Armin Kübelbeck / by 3.0)
- 21. Dezember 2015, 13:20h 2 Min.
Nach der Frauen-WM in Dänemark werden Vorwürfe laut, dass Jutta Ehrmann-Wolf nicht als Delegierte teilnehmen durfte, weil der internationale Verband keine Lesbe dabei haben wollte.
Die Internationale Handball-Föderation (IHF) soll die Teilnahme der deutschen Ex-Schiedsrichterin Jutta Ehrmann-Wolf bei der Frauen-Weltmeisterschaft verhindert haben, weil die 52-Jährige homosexuell ist. Das erklärte Ehrmann-Wolf am Samstag gegenüber dem norwegischen Fernsehsender TV2. Die WM ist am Sonntag im dänischen Herning mit einem Sieg der Norwegerinnen über die Niederlande zu Ende gegangen.
Ehrmann-Wolf sagte im Interview, sie habe sich darüber gewundert, dass sie nicht nominiert worden war, und bei der IHF nach dem Grund gefragt. Ihr sei daraufhin mitgeteilt worden, dass es "viele traditionelle Leute" in der IHF-Führung gebe, die ein Problem mit "ihrem Lebensstil" hätten. Die Antwort habe sie schockiert, so Ehrmann-Wolf.
Derzeit wird die Handball-Föderation vom umstrittenen Ägypter Hassan Moustafa geführt, dem in den letzten Jahren Untreue und die Beteiligung an Spielmanipulationen vorgeworfen worden war.
Laut dem norwegischen Sender ist die Spanierin Carmen Manchado, die 2013 Delegierte bei der WM in Serbien war, ebenfalls von der IHF wegen ihrer Homosexualität abgelehnt worden.
IHF-Vize streitet Vorwürfe ab
IHF-Vizepräsident Miguel Roca Mas wies die Vorwürfe zurück: "Ich glaube nicht, dass dies der Wahrheit entspricht. Wenn sie Beweise haben, sollen sie sie zeigen. Aber ich bezweifle das stark", sagte der Spanier nach Angaben von TV2. Als Hauptkriterien für die Auswahl der Delegierten nannte er Nationalität, Alter und sportliche Verdienste.
Die angebliche Homophobie an der Spitze des Handballverbandes führte zu scharfer Kritik. So machte der schwedische Handball-Trainer Ljubomir Vranjes, der seit fünf Jahren die Männer des SG Flensburg-Handewitt coacht, auf Facebook seinem Ärger Luft: "Jutta Ehrmann-Wolf, durfte nicht wegen ihrer sexuellen Neigung bei der Frauen WM teilnehmen. IHF = Steinzeit #nichtinordnung".
Jutta Ehrmann-Wolf arbeitete zwischen 1983 und 2009 als Handball-Schiedsrichterin. Sie leitete über 500 Spiele des Deutschen Handballbundes, darunter über 100 Spiele der ersten Bundesliga der Männer. Seit 2008 ist sie mit der früheren Handball-Spielerin Renate Wolf verpartnert, die gegenwärtig als Cheftrainerin für Bayer Leverkusen arbeitet. (dk)














