Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?25294

"Früher wäre ich nackt durch den Regen gelaufen"

Verbotene Liebe zwischen schwulen Zwillingen


Dietrich Rauch, Jahrgang 1945, lebt er als freier Autor und Schauspieldozent in Berlin (Bild: privat)

  • 25. Dezember 2015, 08:23h 53 3 Min.

In seinem – leider unzureichend lektorierten – Debütroman "Früher wäre ich nackt durch den Regen gelaufen" erzählt Dietrich Rauch vom Scheitern eines Lektors.

Von Markus Kowalski

Johannes liebt Felix, bis sich die Beziehung auseinanderlebt und durch einen mysteriösen Schriftsteller und sein Manuskript zusätzlich durcheinander gebracht wird. So knapp lässt sich beschreiben, wovon Dietrich Rauch in seinem Debütroman auf rund 400 Seiten zu erzählen versucht.

"Früher wäre ich nackt durch den Regen gelaufen" ist die Geschichte von einem Dozenten an einer Kunsthochschule, Johannes, der in einer glücklichen Beziehung mit Felix lebt. Felix wiederum ist Lektor bei einem renommierten Verlag und hat seinen ersten Autoren entdeckt. Dessen Manuskript verspricht ein spannender Roman zu werden, eine Entdeckung für die nächste Saison.

Doch dann zerbricht nicht nur die Beziehung zwischen Johannes und Felix. Auch die literarische Sensation entpuppt sich als großer Schwindel, der französische Schriftsteller als einsamer Hochstapler. Doch der Roman ergießt sich in Beschreibungen von kleinen Alltäglichkeiten, von ständigen Reflexionen und verzweigten Gedankengebäude. Diese unendlich vielen Nichtigkeiten blähen ihn auf.

Das spannende Manuskript über die schwule Geschwisterliebe


Dietrich Rauchs Roman ist im Frankfurter Größenwahn-Verlag erschienen

Einzig spannend ist die Geschichte, die im Manuskript erzählt wird, das Felix als Roman herausbringen will. Der französische Schriftsteller Pierre de Boulet gibt vor, die außergewöhnliche Lebensgeschichte zwischen ihm und seinem eineiigen Zwillingsbruder verarbeitet zu haben: "Zwei Männer treffen sich mit fünfundfünfzig Jahren wieder. Sie wurden getrennt, als sie fünf waren. Fünfzig Jahre gab es keinerlei Kontakt. Sie treffen sich in einer Schwulenkneipe, zufällig. François beginnt mit Pierre zu flirten. Die erste Szene des Buches ist die gemeinsame Nacht der Zwillinge. Sie entdecken, während sie sich ausziehen, seltsame Ähnlichkeiten."

Diese Binnengeschichte über die verbotene, schwule Geschwisterliebe wird in Rauchs Roman dann nebenbei mit erzählt. Sie ist der einzige Teil, der wirklich aufregend ist.

Kurz vor Veröffentlichung des Romans stellt sich heraus, dass der französische Schriftsteller gar nicht der Autor des Manuskripts ist. Felix hat als unerfahrener Lektor bei seinem ersten Buch einen riesigen Fehler gemacht. Er scheitert.

Ohne jedes Lesevergnügen

Schon die Geschichte des Romans bleibt blass. Doch dann raubt der besserwisserische, auktoriale Erzähler dem Leser noch jedes Lesevergnügen. "Er sollte mehr auf sich achten", ruft er da einer Hauptfigur beispielsweise ins Gewissen. Besonders langatmig wird die nervenaufreibende Aneinanderreihung von kurzen Sätzen, die auf der ersten Seite beginnt und nicht enden zu wollen scheint: "Das Haus liegt verloren. Sein Bewohner ist eingeschlafen. Die Sonne ist heiß. Die Wolken ziehen vorüber."

Gleichzeitig verstrickt sich dieser Erzähler oft in Widersprüche: "Sie begehren sich ohne Worte", schreibt er zu Beginn noch über die Anziehung zwischen Felix und Johannes, und eine Seite weiter heißt es dann: "Es gefällt ihnen, mit Worten über sich herzufallen."

Welch Ironie bleibt es am Ende, dass der Roman über das Scheitern eines Verlagslektors vom Frankfurter Größenwahn-Verlag selbst so schlecht lektoriert wurde. Besonders peinlich: Auch unzählige Rechtschreib- und Kommafehler säumen den Text. Schade!

Infos zum Buch

Dietrich Rauch: Früher wäre ich nackt durch den Regen gelaufen. Roman. 411 Seiten. Größenwahn Verlag. Frankfurt 2015. 24,90 €. ISBN 978-3-95771-071-0

Informationen zu Amazon-Affiliate-Links:
Dieser Artikel enthält Links zu amazon. Mit diesen sogenannten Affiliate-Links kannst du queer.de unterstützen: Kommt über einen Klick auf den Link ein Einkauf zustande, erhalten wir eine Provision. Der Kaufpreis erhöht sich dadurch nicht.

-w-

#1 Homonklin44
  • 25.12.2015, 15:32hTauroa Point
  • Wenn ein Buch beim Rezensor so schlecht ankommt, macht es eigentlich schon fast eine seltsame Art von Neugier wach, das mal selbst zu lesen.

    Ist es der Fall, oder kann es sein, dass manche Lektoren heute durch Software ersetzt wurden? Ich sehe oft Fehler in Büchern, die ein zufälliges Übersehen oder ein vergessener Patzer nicht erklären kann, wie wohl aber eine zu ungenau angewandte Korrektursoftware sie hervorbringen kann.
    Auch in Zeitungsartikeln sieht man das häufig.

    Einige drucken auch Fehler wieder neu, die man selbst schon korrigiert hat.
  • Direktlink »
#2 WürgAnonym
  • 25.12.2015, 15:43h
  • Auch wenn ich dafür bin, dass Verwandte sogar mit vollen Rechten heiraten können, finde ich (für mich ganz persönlich) die Vorstellung, dass Verwandte miteinander Sex haben extrem abstoßend und möchte daher lieber nichts darüber lesen, selbst wenn nicht mal ein einziger Rechtschreibfehler in diesem Buch wäre.
  • Direktlink »
#3 BruderloserAnonym
  • 25.12.2015, 17:16h
  • Antwort auf #2 von Würg
  • Geht mir auch so. Ausser bei einem Bruder, noch besser einem Zwilling. Den hab ich mir als Kind immer sehr gewünscht.

    Kann mir nicht vorstellen dass etwa gleichaltrige Brüder sowie Zwillinge nicht zumindest miteinander wichsen, gerade falls die sich noch ein Zimmer teilen müssen. Aus Wichssessions kann dann vielleicht mehr werden. Vielleicht weiss einer hier mehr darüber?
  • Direktlink »