Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?25297

Reaktion nach Presserat-Beschwerde

"Delmenhorster Kreisblatt" trotz Rüge uneinsichtig


Deutschlands peinlichste Lokalzeitung: Das "Delmenhorster Kreisblatt" verkauft laut IVW rund 15.000 Exemplare

  • 26. Dezember 2015, 03:15h 25 2 Min.

Lesben und Schwule als "abartige Lebensform" zu bezeichnen, ist für die Lokalzeitung Ausdruck einer "pluralistischen Gesellschaft".

Trotz einer Rüge des Deutschen Presserats sieht das "Delmenhorster Kreisblatt" in der Veröffentlichung eines zutiefst homophoben Leserbriefs keine Diskriminierung, sondern eine freie Meinungsäußerung. In ihrer gedruckten Ausgabe veröffentlichte die Lokalzeitung jetzt die bereits am 2. Dezember ausgesprochene Sanktion mit einem kommentierenden Zusatz.

Die Rüge ging auf eine Beschwerde des Projekts "100% Mensch" zurück. Am 21. Juli hatte das "Delmenhorster Kreisblatt" eine Leserzuschrift veröffentlicht, in der Lesben und Schwule u.a. als "abartige Lebensform" diffamiert und in die Nähe von Straftaten gerückt worden waren – der Beschwerdeausschuss des Presserates sah darin einen klaren Verstoß gegen die Diskriminierungs-Klausel des Pressekodex (queer.de berichtete)

Das wird man doch noch mal sagen dürfen...


Die neue Veröffentlichung des "Delmenhorster Kreisblatts"

Doch das Lokalblatt bleibt uneinsichtig: "Die dk-Redaktion wertet die Zuschrift nach wie vor als eine zulässige, entsprechend gekennzeichnete individuelle Äußerung, die in einer pluralistischen Gesellschaft ausgesprochen werden darf", heißt es in dem jetzt veröffentlichten Artikel "in eigener Sache".

Für Holger Edmaier von "100% Mensch" ein typischer Fall aus der Kategorie "Das wird man doch noch mal sagen dürfen". Das "Delmenhorster Kreisblatt" verkenne die "Menschenverachtung und Diskriminierung durch den Leserbrief", kommentierte er auf der Facebook-Seite des Projekts. "Schlimmer noch, die Uneinsichtigkeit lässt befürchten, dass mit weiteren Veröffentlichungen in dieser Richtung zu rechnen ist."

Menschenfeindlichkeit sei keine Meinung, sondern ein "Akt der Gewalt", und wer sich an der Verbreitung solch diffamierender Thesen beteilige, ohne sie kritisch zu kommentieren, trage "dazu bei, Menschen aufzuhetzen, sie zu verletzen und die Gesellschaft zu spalten", so Edmaier. Die Redaktion müsse sich fragen lassen, "ob sie den Leserbrief auch veröffentlicht hätte, wenn dieser sich statt auf 'Homo­sexuelle' beispielsweise auf 'Juden', 'Flüchtlinge', 'Frauen' oder 'Ausländer' bezöge."

Über das Projekt "100% Mensch" schreibt das "Delmenhorster Kreisblatt" in der neuen Veröffentlichung, dass dieses "nach eigenen Angaben" für die komplette Gleichstellung von LGBT arbeite – eine Formulierung, die dort für Schmunzeln sorgte: "Diese wenig subtile Infragestellung unserer Tätigkeit spiegelt wunderbar die Bockigkeit eines gescholtenen Kindes", meinte Edmaier. "Selbst die oberflächlichste Recherche hätte ergeben, dass wir dies tatsächlich tun."

Er hoffe dennoch, dass die Lokalzeitung, die "nach eigenen Angaben 'journalistisch arbeitet'", künftig mehr Sorgfalt bei ihrer Arbeit erkennen lasse. (cw)

-w-

#1 schwarzerkaterEhemaliges Profil
  • 26.12.2015, 07:35h
  • wurde der Leserbrief mit Namen abgedruckt, oder durfte sich der homophobe Verfasser verstecken?
  • Direktlink »
#2 hugo1970Ehemaliges Profil
  • 26.12.2015, 08:45h
  • Dann muß das blatt verboten werden!!!!
  • Direktlink »
#3 Thorben KAnonym
  • 26.12.2015, 09:45h
  • >> Lesben und Schwule als "abartige Lebensform" zu bezeichnen, ist für die Lokalzeitung Ausdruck einer "pluralistischen Gesellschaft".

    Wäre es für die denn auch "Ausdruck einer pluralistischen Gesellschaft", wenn man Schwarze als schmutzig, Juden als geldgeil, Muslime als Terroristen, Asiaten als Schlitzaugen, Frauen als Schlampen, etc. bezeichnen würde?

    Mit anderen Worten:
    Ist das Delmenhorster Kreisblatt "nur" homophob oder generell faschistisch?
  • Direktlink »