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Dieses Handyfoto wurde von einem Zeugen aufgenommen
- 5. Januar 2016, 10:55h 3 Min.
In der Silvesternacht ist ein schwules Paar vor einem Club zusammengeschlagen worden. Außerdem wurde in den frühen Morgenstunden eine Dragqueen angegriffen.
Im badischen Freiburg gab es zum Jahreswechsel offenbar zwei schwulenfeindliche Übergriffe. Vor dem Club Bartasia ist um zwei Uhr morgens ein schwules Paar von Unbekannten attackiert worden. Die Hintergründe sind unklar und teilweise umstritten. Offenbar hatte es bereits in der Garderobe des Clubs ohne Anlass Streit gegeben; dort war einer der beiden Männer nach Angaben eines mit dem Paar befreundeten Zeugen als "Schwuchtel" bezeichnet worden. Es kam zu einer Schlägerei vor dem Club, an der sich mehrere Personen beteiligten. Eines der beiden Opfer musste mit einem gebrochenen Augenhöhlenknochen ins Krankenhaus eingeliefert werden und wird am Dienstag operiert.
Es hätten auch Mitglieder des Sicherheitspersonals auf das Paar eingeschlagen, berichtet eines der Opfer. Die Bartasia weist das aber zurück – und stellt den Sachverhalt auf Facebook anders dar: Demnach soll sich eines der beiden späteren Opfer in der Schlange an der Garderobe vorgedrängelt haben und außerdem stark alkoholisiert gewesen sein, als der Streit ausbrach. Der "extrem aggressive" Schwule habe dann einen Security-Mitarbeiter tätlich angegriffen, woraufhin er mit Gewalt aus dem Club befördert worden sei. "Von schwul oder nicht schwul haben wir von unserer Seite zu diesem Zeitpunkt gar nichts mitbekommen", behauptet die Bartasia in der Stellungnahme.
Demo für Freitag geplant

Dieser Demoaufruf wird derzeit in sozialen Netzwerken verbreitet
Vor dem Club wurden die beiden Schwulen dann von mehreren Männern zusammengeschlagen. Auf Fotos, die der Zeuge mit seinem Smartphone aufgenommen hat, ist zu sehen, wie sich die beiden gegen mehrere Angreifer verteidigen. Das Paar hat nach dem Vorfall Anzeige erstattet.
Für Freitagabend planen Freunde des schwulen Paares eine Demonstration. Die Aktion soll um 18 Uhr vor dem Stadttheater starten und später mit einer Kundgebung und einem Kiss-in am Augustinerplatz enden. " "Wir wollen in einer offenen und toleranten Stadt wohnen", heißt es in dem Demo-Aufruf.
Weiter Übergriff auf Dragqueen
Nur einen Steinwurf von der Bar entfernt soll sich um 7.30 Uhr ein weiterer homophober Übergriff ereignet haben: Die Freiburger Dragqueen Betty BBQ erklärte, sie sei auf dem Heimweg von einem unbekannten Mann mit den Worten "Scheiß schwule Transe, ich box' dich weg" attackiert worden. Anschließend habe der Mann einem ihrer Begleiter ins Gesicht geschlagen. "Nur dem Eingreifen von Freunden ist zu verdanken, dass mir nichts Schlimmes geschehen ist", erklärte sie gegenüber queer.de. Auch sie hat den Vorfall der Polizei gemeldet.
Die Freiburger Polizei meldete, dass dieses Jahr so viele Übergriffe wie noch nie an Silvester angezeigt wurden. Am Silvesterabend seien in der Polizeidirektion über 500 Notrufe eingegangen. "Neben Einsätzen wegen Ruhestörungen, Sachbeschädigungen und Streitigkeiten kam es im gesamten Zuständigkeitsbereich zu zahlreichen Körperverletzungsdelikten", so die Polizei in einer Pressemitteilung.
Wer Zeuge einer der Gewalttaten in Freiburg geworden ist, wird gebeten, sich beim Polizeipräsidium unter (0761) 882-0 zu melden. (cw)













