https://queer.de/?25376
Akif Pirinçcis Kampfbegriff
"Verschwulung" ist eines der Unwörter des Jahres

Akif Pirinçci kreierte mit "Verschwulung" ein Unwort des Jahres
- 12. Januar 2016, 10:00h 2 Min.
Der von Akif Pirinçci geprägte Begriff ist eines von drei Wörtern, die von der Jury gerügt worden sind. Das schlimmste Wort von 2015 ist nach Ansicht der Sprachexperten "Gutmensch".
Der im rechten politischen Lager verwendete Begriff "Gutmensch" ist das Unwort des Jahres. Das hat die Jury unter Führung von Professorin Nina Janich von der TU Darmstadt am Dienstagvormittag bekannt gegeben. Bei der 25. Prämierung wurden außerdem zwei weitere Worte gerügt: Zum einen "Hausaufgaben" im Zusammenhang mit Griechenland sowie das Wort "Verschwulung".
Dieser homophobe "Kampfbegriff", wie die Jury das Wort bezeichnet, wurde im vergangenen Jahr durch das Buch "Die große Verschwulung" von Akif Pirinçci geprägt (queer.de berichtete). Nach Ansicht der Jury stellt die von Pirinçci gemeinte "Verweichlichung der Männer" und "trotzige und marktschreierische Vergottung der Sexualität" eine "explizite Diffamierung Homosexueller" dar. "Auch durch die Analogie zu faschistischen Ausdrücken wie "Verjudung" ist die Bezeichnung kritikwürdig", erklärte die Jury.
"Gutmensch" findet Eingang in Leitmedien
Das Wort "Gutmensch" findet sich bereits zum zweiten Mal auf der Liste wieder: Es war 2011 als ein zweites Unwort des Jahres gewählt worden. Im vergangenen Jahr sei es aber durch die Flüchtlingsdebatte "besonders prominent" geworden. Die Jury kritisierte, dass dadurch Toleranz und Hilfsbereitschaft "pauschal als naiv, dumm und weltfremd, als Helfersyndrom oder moralischer Imperialismus diffamiert" werden würden und dass zunehmend auch Journalisten in Leitmedien das Wort als Pauschalkritik an einem "Konformismus des Guten" benutzten. Als Beispiel nannte sie einen Artikel im "Handelsblatt" unter dem Titel "Schluss mit dem Gutmenschen-Gegurke".
Das dritte gerügte Wort "Hausaufgaben" degradiere nach Ansicht der Jury den souveränen griechischen Staat zu "unmündigen Schulkindern". "Ein Europa, in dem 'Lehrer' 'Hausaufgaben' verteilen und die 'Schüler' zurechtweisen, die diese nicht 'erledigen', entspringt einer Schule der Arroganz und nicht der Gemeinschaft", argumentierten die Sprachexperten.
Das "Unwort des Jahres" wird bereits seit 1991 verliehen. Im letzten Jahr hatte die Jury das Wort "Lügenpresse" gekürt. Davor zählten etwa "Opfer-Abo", "alternativlos" oder "notleidende Banken" zu den "Gewinnern". (dk)
Links zum Thema:
» Unwort des Jahres
Mehr zum Thema:
» Die 16 dümmsten und widerlichsten Zitate aus "Die große Verschwulung" (21.10.2015)















Wörter die erst rechte Kampfbegriffe waren, gehören längst zum Mainstream.