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- 15. Januar 2016, 08:01h 2 Min.

Tobias Karlsson stellte in der vergangenen Woche eine Kapitänsbinde in Regenbogenfarben vor
Bei der Handball-Europameisterschaft in Polen dürfen die Kapitäne von Schweden, Norwegen und Island kein Zeichen gegen Homophobie setzen.
Peinliche Kehrtwende bei der Europäischen Handballföderation (EHF): Am Donnerstag zog sie ihre Zusage zurück, dass bei der Handball-Europameisterschaft vom 15. bis 31. Januar in Polen Kapitänsbinden in Regenbogenfarben getragen werden dürfen.
Die Spielführerbinde sei "als Teil des Trikotsatzes anzusehen" und müsse deswegen "eine Farbe oder mehrere Farben der jeweiligen Nation" enthalten, erklärte der Verband nur einen Tag vor Turnierbeginn. Gleiches gelte auch für Socken, Leggings und Longsleeves.
In der vergangenen Woche hatte Tobias Karlsson, der Kapitän der schwedischen Handball-Nationalmannschaft, als erster angekündigt, mit einer Regenbogenbinde zu spielen, um damit ein "stilles Statement für Toleranz und die Gleichwertigkeit aller Menschen" setzen (queer.de berichtete). Die Mannschaftskapitäne von Norwegen und Island, Bjarte Myrhol und Gudjón Valur Sigurdsson, hatten daraufhin spontan eigene Armbinden in Regenbogenfarben bei Karlsson bestellt. Der deutsche Kapitän Steffen Weinhold drückte zumindest seinen Respekt für die Geste aus.
Karlsson "traurig" über Entscheidung der EHF
"Meiner Meinung nach ist es traurig, dass die EHF uns daran hindert, zu zeigen, wofür wir stehen – Toleranz, Mitmenschlichkeit und die Gleichwertigkeit aller Menschen", kommentierte Karlsson die Entscheidung der EHF.
Unterstützung erhielt er vom schwedischen Handballverband: "Für uns war es selbstverständlich, Tobias in seinem Vorhaben die Binde zu tragen, zu unterstützen", erklärte Delegationsleiter Lasse Tjernberg. "Der schwedische Handballverband ist der Auffassung, dass alle Personen den gleichen Wert haben, ohne Ansehen von Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, Sexualität oder Religionszugehörigkeit. Wir sind bestrebt, offen für alle zu sein und sie willkommen zu heißen."
Vor allem aus dem Gastgeberland Polen war heftiger Widerstand gegen die bunten Kapitänsbinden gekommen. "Für mich war das Ganze wie ein Weckruf", meinte Karlsson zum Protest der Homophoben. "Ich kann mir nun ungefähr vorstellen, wie sich einige Menschen in ihrem Alltag in Schweden, aber auch in anderen Ländern fühlen." Der schwedische Kapitän stellte zudem klar: "Meine Bühne ist nicht Polen, sondern die schwedische Nationalmannschaft. Ich hätte sie auch in Norwegen oder Frankreich getragen."
Tobias Karlsson, der auch Spielführer der SG Flensburg-Handewitt ist, engagiert sich seit mehreren Jahren für LGBT-Rechte. So war er im vergangenen Jahr mit anderen prominenten Sportlern wie Thomas Hitzslperger offizieller Botschafter der EuroGames in Stockholm (queer.de berichtete). (cw)














