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Der Streit zwischen der afrikanischen und amerikanischen Kirche hatte sich 2003 entzündet, als mit Gene Robinson ein offen schwuler Mann zum Bischof von New Hampshire gewählt wurde (Bild: flickr / Marc Nozell / by 2.0)
- 15. Januar 2016, 14:43h 3 Min.
Die US-Anglikaner hatten afrikanische Glaubensbrüder mit der Gleichbehandlung von Homosexuellen verärgert. Deshalb gibt es nun Sanktionen gegen die Amerikaner.
Bei einem Treffen der Anführer der 38 anglikanischen Kirchenprovinzen im englischen Canterbury ist am Donnerstag beschlossen worden, die Episkopalkirche, also die nationale anglikanische Kirche der Vereinigten Staaten, für die nächsten drei Jahre von allen gemeinschaftlichen Entscheidungen auszuschließen. Die Amerikaner werden damit nicht mehr in ökumenischen oder interreligiösen Gremien vertreten sein und ihr Stimmrecht verlieren.
Als Grund für den Ausschluss gab die Mehrheit der Kirchenprovinzen die "grundsätzliche Abkehr vom Glauben und der Lehre" der US-Kirche an, weil sie nicht "die Ehe als Verbindung von Mann und Frau" aufrecht erhalte. Insbesondere Kirchen in Afrika und Asien kritisieren die Amerikaner, weil dort Homosexuelle gleichbehandelt werden und in Kirchen heiraten dürfen. Im Gegensatz dazu werben manche Kirchen in Afrika offen für die staatliche Verfolgung von Schwulen und Lesben.
Wird so Kirchentrennung vermieden?
Das anglikanische Spitzentreffen, das bis Samstag andauert, war anberaumt worden, weil mehrere Kirchenprovinzen offen mit der Abspaltung von der Anglikanischen Gemeinschaft gedroht hatten (queer.de berichtete). Der Streit hatte sich 2003 entzündet, als der offen schwule und nicht-zölibatär lebende Theologe Gene Robinson zum Bischof von New Hampshire gewählt wurde (queer.de berichtete).
Es ist unklar, ob mit diesem Schritt die afrikanischen Kirche in der Anglikanischen Gemeinschaft gehalten werden können oder ob jetzt die US-Kirche auf Distanz zur Gemeinschaft gehen wird. Die Führung der Episkopalkirche hat sich bislang nicht zu der Abstimmung geäußert. Davor hatte der US-Bischof Michael Curry aber die anderen Würdenträger vor der Sanktionierung gewarnt: "Für Anhänger von Jesus in unserer Kirche, die schwul und lesbisch sind, wäre das schmerzhaft."
Die Episkopal-Pfarrerin Susan Russell aus Kalifornien, die sich seit Jahrzehnten für LGBT-Rechte einsetzt, erklärte nach der Entscheidung in ihrem Blog, sie sei stolz auf die Standfestigkeit ihrer US-Kirche: "Heute bin ich stolz und dankbar, dass wir dazu bereit sind, als zweitklassige Anglikaner angesehen zu werden, weil wir Gottes geliebte LGBT-Menschen wie erstklassige Christen behandeln." (dk)
Update 19.40h: Anglikaner-Chef entschuldigt sich für Homosexuellen-Verfolgung
Justin Welby, der als Erzbischof von Canterbury die anglikanische Kirche anführt, hat sich am Freitag Nachmittag öffentlich für die "Verletzungen und Schmerzen" entschuldigt, die die Kirche LGBT zugefügt habe.
"Für mich ist das eine konstante Quelle tiefer Traurigkeit, die Anzahl der Personen, die wegen ihrer Sexualität verfolgt wird", so Welby. Er habe nicht das Recht, für jeden in der Kirche zu sprechen, aber er wolle sagen, wie sehr er die Verletzungen bedauere, "in der Verangenheit und jetzt", die die Kirche ausgelöst habe.
Zugleich verteidigte er den Stimmentzug für Nordamerika: Kirchenanführer sollten die Kirche nicht spalten und eine Gemeinschaft könne neben Freude auch Schmerzen bringen.
Die BBC veröffentlichte zu einem Artikel zu den Äußerungen wie zu dem Stimmentzug eine interessante Grafik, wonach die anglikanische Kirche in Afrika auf 57,2 Millionen Gläubige komme, in Europa auf 25,8 Millionen und in Nordamerika auf 2,3. Während die Gläubigenzahlen in den USA und Europa sinken, wuchs die afrikanische Kirche seit 1970 um 640 Prozent.















Jede Beziehung kann scheitern. Wer aber Bischof ist, sollte Vorbild für seine Gemeinde sein, sonst sagen sich die Menschen "Wenn der Bischof sich scheiden lässt, dann darf ich das auch." Und die Leidtragenden sind dann wie immer die Kinder.