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Platz für 100 bis 120 Menschen
Berlin plant LGBT-Flüchtlingsheim

Ab März sollen bis zu 120 LGBT-Flüchtlinge in einem gesonderten Heim untergebracht werden (Bild: flickr / Johnathan Nightingale / by 2.0)
- 19. Januar 2016, 12:23h 2 Min.
Die Hauptstadt bestätigt Pläne zur Eröffnung eines Heimes, das auf die besonderen Bedürfnisse von Schwulen, Lesben und Transgendern eingeht.
Als erstes Bundesland plant Berlin ein Heim für LGBT-Flüchtlinge. Ein Sprecher der Integrationsverwaltung erklärte laut "Tagesspiegel" am Montag: "Wir sind optimistisch, dass das im März klappt." Das Heim soll seinen Angaben zufolge 100 bis 120 Menschen Platz bieten. Eine derartige Einrichtung war bereits im April letzten Jahres von der Schwulenberatung gefordert worden (queer.de berichtete).
Bislang ist nicht bekannt, wo sich das Flüchtlingsheim befinden wird. Es sei noch kein Mietvertrag unterzeichnet worden, so die Verwaltung. Die Schwulenberatung, die bereits eine Anlaufstelle für die Flüchtlinge betreibt, sucht als künftiger Träger in einer Stellenausschreibung allerdings bereits Mitarbeiter, etwa in den Bereichen Heimleitung, Sozialarbeit und psychologische Betreuung.
3.500 LGBT-Flüchtlinge in Berlin
Das Heim ist dabei nur ein Tropfen auf den heißen Stein: Laut Marcel de Groot, dem Geschäftsführer der Schwulenberatung, befinden sich derzeit in Berlin 3.500 LGBT-Flüchtlinge. Viele von ihnen leben in Heimen oder Hostels für besonders schutzwürdige Asylbewerber, in denen beispielsweise auch allein erziehende Mütter untergebracht werden. In ganz Deutschland finden sich zudem Flüchtlinge in Heimen ohne spezielle Anlaufstellen in ihrer Nähe.
Experten warnen bereits seit längerem davor, dass LGBT-Flüchtlinge in Deutschland besondere Hürden zu überwinden hätten. So träfen sie bei Anhörungen auf unsensible Bearbeiter oder homophobe Dolmetscher (queer.de berichtete). Dies betreffe nicht nur Flüchtlinge aus dem Nahen Osten, sondern auch aus anderen homofeindlichen Ländern wie Russland. Sie alle müssen mit Diskriminierungen, Beleidigungen und Gewalt rechnen.
Vor wenigen Tagen erklärte der LSVD Berlin-Brandenburg, dass sich in der Hauptstadt zwischen August und Dezember 2015 insgesamt 95 homosexuelle und transgeschlechtliche Flüchtlinge wegen Gewaltvorfällen an den Verband gewendet hätten (queer.de berichtete). Die meisten dieser Gewalttaten ereigneten sich demnach in den Flüchtlingsunterkünften und wurden nicht der Polizei angezeigt.
Joana Hassoun, die das LSVD-Zentrum für Migranten, Lesben und Schwule (MILES) betreibt, beklagte wiederholt, dass es unter Sachbearbeitern viel Ignoranz und Unkenntnis über die Lage von LGBT gebe. Außerdem wird kritisiert, dass es keinen Ansprechpartner für diese Gruppe der Flüchtlinge gebe.
Die niederländische Hauptstadt Amsterdam hatte bereits im vergangenen Monat mitgeteilt, dass sie nach homophoben Übergriffen mehrere Flüchtlinge in einem eigenen LGBT-Asylbewerberheim untergebracht habe (queer.de berichtete). (dk)














www.queerpride.de/niederlande-trennt-homosexuelle-fluechtlin
ge-von-ihren-landsleuten-28979
RainbowRefugees hat ja eine Crowdfundingaktion gestartet, damit auch in Deutschland ein solches sicheres Heim für LGBTI-Flüchtlinge so schnell wie möglich errichtet wird.
Gut, daß Berlin auch auf diesem Zug aufspringt und schnell eine Unterkunft gefunden wird.