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Streit um die "Unioni Civili"
Rom: Rechtsextremes Plakat vor Homo-Zentrum

Über Nacht war diese Verschönerung des Homo-Zentrums von Rom aufgetaucht und als Bedrohungsversuch wahrgenommen worden
- 22. Januar 2016, 13:28h 3 Min.
Einen Tag vor Massendemonstrationen für die Einführung einer Lebenspartnerschaft in Italien soll die Szene offenbar eingeschüchtert werden.
"'Gender', Adoptionen, Gay Pride – Mit diesen Albernheiten seid ihr es, die unsere Freiheit angreifen" – so lautet der Aufdruck eines Spruchbandes, das Unbekannte in der Nacht zum Freitag am "Gay Center" von Rom angebracht haben.
Auch das ein Hakenkreuz andeutende Logo der Bewegung "Azione Frontale" wurde an die Wand geklebt. Die rechtsextreme Organisation sei bekannt für solche Aktionen, speziell im Bereich des Antisemitismus, schreibt das Zentrum auf seiner Webseite.
"Das ist sehr ernst", meint Zentrums-Sprecher Fabrizio Marrazzo. Die Community solle so kurz vor den für Samstag geplanten Großdemonstrationen zur Einführung eines Instituts der Lebenspartnerschaft eingeschüchtert werden. Er forderte eine dringende Aufklärung durch die Sicherheitsbehörden.
Großmobilisierung für und gegen die Homo-Ehe

"Es ist Zeit" – Plakat für die Kundgebung in Berlin im einheitlichen Design aller Proteste
In über 80 Städten im In- und Ausland wollen LGBT am Samstag zeitgleich Kundgebungen abhalten, um ein Zeichen für die "Unioni Civili" zu setzen (queer.de berichtete). In Deutschland ist eine größere Kundgebung vor der italienischen Botschaft in Berlin (Hiroshimastraße 1 am Tiergarten) ab 15.30 Uhr geplant, die Organisation hat "Enough is Enough" übernommen. Auch für München wurde inzwischen eine Kundgebung angemeldet (16.30 Uhr Marienplatz am Fischbrunnen), eine weitere soll ab 15 Uhr vor dem Italienischen Konsulat in Frankfurt stattfinden (Kettenhofweg 1).
Anlass ist ein Gesetzentwurf zur Einführung von Lebenspartnerschaften für homosexuelle Paare, der nächste Woche erstmals im Parlament beraten wird. Er ist auch innerhalb der Regierung umstritten und sorgt seit Monaten für Debatten. Gegner einer Gleichstellung haben für den folgenden Samstag zu einer erneuten Großkundgebung nach Rom geladen; neben erzkonservativen Gruppen bewirbt auch die katholische Kirche den "Tag der Familie". Papst Franziskus betonte am Freitag, dass es keine Verwechslung geben dürfe zwischen der Familie, wie sie von Gott gewollt sei, und allen anderen Formen von Beziehung.
Fabrizio Marrazzo vom Gay Center meint, die nächtliche Aktion am Zentrum sei Ausdruck dieser wütend geführten Debatte, die zu einem Kulturkampf und einem Angriff auf die Rechte von LGBT eskaliert sei. Auch wer LGBT kriminalisieren wolle, müsse sich nun einige Fragen gefallen lassen, meinte er in Bezug auf einem am Donnerstag bekannt geworden Änderungsantrag zu dem Gesetzentwurf.
Änderungsantrag verknüpft Homo-Ehe mit Strafandrohung
Diesen Änderungsantrag, mit weiteren wird vor der ersten Lesung am nächsten Donnerstag gerechnet, wurde von katholischen Senatoren von Renzis Regierungspartei eingebracht.
In dem sich vor allem um die Frage der Stiefkindadoption für Homo-Paare entzündenden Streit über die Lebenspartnerschaft schlagen sie als "Kompromiss" vor, dass gleichgeschechtliche Paare nachweisen müssen, dass ihre Kinder nicht durch eine Leihmutter ausgetragen wurden. Ansonsten soll ihnen Haft drohen.
Die LGBT-Organisation Arcigay nannte die Pläne "unanständig": "Ein Gesetz mit dem Vorhaben, Rechte anzuerkennen, kann nicht in eines umgewandelt werden, dass Menschen kriminalisiert", meinte Gabriele Piazzoni. Ein solches Lebenspartnerschaftsgesetz sei "weltweit einmalig". (cw)















Einschüchterung war immer schon eine Taktik der Rechten.
Und zum Inhalt dieser anonymen Aussage:
Wie soll etwas die Freiheit von Menschen bedrohen, was für sie und ihr Leben keinerlei Änderung bringt?