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Einzelkommentar zu:
Saudi-Arabien: "Verheiratete Schwule" verhaftet


#24 Cygnus2015Profil
  • 30.01.2016, 14:04hNähe Stuttgart
  • Insgesamt darf nicht vergessen werden, dass sowohl im Christentum als auch im Islam Homosexualität ein deutlich rotes Tuch ist. Und es ist nicht zu verharmlosen, dass die Römisch-Katholische Kirche, die Orthodoxen Kirchen und Teile der Evangelischen Kirchen bis heute mobil machen. Generell bin ich als Christ aber froh, dass zumindest hier im Westen sich auch schon Teile der Kirchenvertreter und ein nicht unerheblicher Anteil der Kirchenmitglieder eine viel, viel liberalere Haltung einnehmen als bestimmte kirchliche Eliten. Im von langer christlicher Tradition geprägten Westen ist also auch bei vielen religiösen Menschen die Toleranz und Akzeptanz für uns angekommen. Und davon ist die islamisch geprägte Welt noch weit entfernt, weil quasi kein islamisch geprägtes Land nur ansatzweise das Mindestmaß an LGBT-Freundlichkeit hat, wie es ein erheblicher Anteil der westlichen Länder hat.

    Generell darf weder gegenüber Homophobie in erzkonservativen Gesellschaften des Westens noch gegenüber Homophobie unter Zuwanderern ein Auge zugedrückt werden. Die großen Kirchen und bestimmte konservative Kreise überschreiten auch hier bei uns noch vielfach ihre Grenzen durch Ausbremsung von LGBT-Rechten im WELTLICHEN Recht. Und da muss den Kirchen (überhaupt den Religionsgemeinschaften) klar Kante gezeigt werden: Sie dürfen für ihre Mitglieder, die freiwillig ihnen angehören, so viele Verbote und Gebote erteilen wie sie wollen - und sie bei Nichteinhaltung vor die Wahl stellen, aus der Religionsgemeinschaft auszutreten. Aber in einem säkularen Staat mit Religionsfreiheit darf keine Religionsgemeinschaft für sich beanspruchen, dass ihre Verhaltensregeln gesamtgesellschaftliche Verbindlichkeiten haben.

    Wir sind in Deutschland zum Glück auf einem vergleichsweise guten Stand - wenn wir uns mit Osteuropa und noch mehr der islamischen Welt vergleichen. Aber es gibt bei uns noch in eigenen Reihen genügend Anlass, gegen Homophobie aufzuräumen. Das übrige Westeuropa (von Italien, Österreich oder der Schweiz abgesehen) zeigt auch, dass noch mehr geht, was LGBT-Rechte angeht (Stichwort: Ehe-Öffnung). Besonders dringlich wäre, dass wir endlich auch den gleichen Schutzstatus bekommen, den andere Minderheiten schon haben. Artikel 3 des Grundgesetzes gegen Diskriminierung müsste hier endlich um die Kriterien der sexuellen Orientierung und Identität erweitert werden. ALLE Strafgesetze, die in irgendeiner Weise gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit gerichtet sind (z. B. Volksverhetzung), müssten endlich auch explizit LGBT-Gruppen einbeziehen, so wie andere Gruppen längst explizit genannt sind. Dann würde zum Beispiel auch endlich für die Hetzschriften einer Gabriele K. ein Straftatbestand wegen Volksverhetzung bestehen. Der Straftatbestand würde sehr wohl bestehen, wenn sie dieselbe Hetze über Menschen wegen ihrer Hautfarbe betreiben würde.

    Und das soll jetzt nicht von der Homophobie in islamisch geprägten Ländern ablenken. Gerade im Hinblick darauf, dass wir als Einwanderungsland aufpassen müssen wegen importierter Intoleranz, ist ein Aufräumen in unseren eigenen Reihen umso wichtiger. Wenn nämlich durch Teile unserer eigenen Leute vorgelebt wird, dass Homophobie legitim ist, dann kann das beispielgebend sein, wie sich Zuwanderer aus homophob geprägten Ländern verhalten dürfen. Dabei müssen wir ihnen vermitteln, dass, wer in Deutschland leben will, LGBT-Rechte akzeptieren muss. Und die Gefahr importierter Homophobie durch Teile der Zuwanderer ist - mit Blick auf diesen Artikel - nicht zu unterschätzen. Man vergleiche einmal, welche Länder vergleichsweise LGBT-freundlich sind und aus welchen Ländern viele Menschen nach Deutschland einwandern. Die liberalen westeuropäischen Länder sind weitgehend zu wohlhabend, als dass man aus ihnen massenweise nach Deutschland einwandert. Dafür haben wir viel Zuwanderung aus islamischen Ländern und aus Osteuropa. Ohne die Menschen aus diesen Ländern über einen Kamm zu scheren - Homophobie ist in diesen Ländern Mainstream. Umso wichtiger ist es, Einwanderern aus diesen Ländern zu signalisieren, dass in Deutschland LGBT-Rechte (und auch die Rechte von Frauen, Andersgläubigen etc.) zu akzeptieren sind. Das ist aber nur vermittelbar, wenn wir es auch vorleben, dass in Deutschland in unseren eigenen Reihen Homophobie nicht geduldet wird.
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