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Unterhaltsame Diskussionsrunde am Freitagabend über "Das Kreuz mit dem Sex" (v.l.n.r.): Ex-Priester Krzysztof Charamsa, Moderator Michael Steinbrecher, Weihbischof Hans-Jochen Jaschke (Bild: SWR)
- 30. Januar 2016, 16:48h 2 Min.
Im SWR-"Nachtcafé" beklagte Ex-Priester Krzysztof Charamsa eine "Schwulen-Paranoia im Vatikan" – und entlockte Hamburgs Weihbischof Hans-Jochen Jaschke einige schöne Zitate.
Als sich der polnische Priester Krzysztof Charamsa vor wenigen Monaten als schwul outete, erschütterte er damit die katholische Kirchenwelt (queer.de berichtete). Im "Nachtcafé" des SWR sprach der ehemalige ranghohe Vatikanmitarbeiter am Freitagabend erstmals im deutschen Fernsehen ausführlich über seine Beweggründe und klagte die Katholische Kirche für ihre Homophobie und Doppelmoral an.
"Für die Kirche ist Homosexualität eine Sünde, eine Krankheit", berichtete Charamsa in der vorab aufgezeichneten Talkshow. Er sprach von einer wahren "Schwulen-Paranoia" im Vatikan, insbesondere der Glaubenskongregation, deren Mitglied er zwölf Jahre lang war. "Ich habe mich manchmal gefragt: Arbeiten wir eigentlich für Gott oder nur gegen die Homosexualität?" Einen Grund für die Homophobie in der Kirche sieht er darin, dass viele ehemalige Kollegen im Vatikan ebenfalls heimlich schwul lebten.
"Die katholische Kirche braucht ein riesengroßes Coming-out!"

Hamburgs Weihbischof Hans-Jochen Jaschke vermutete in der Sendung, dass es auch schon schwule Päpste gab (Bild: SWR)
Charamsa stellte im Oktober, einen Tag vor der Familiensynode in Rom, medienwirksam seinen Lebenspartner vor. Für ihn ein Befreiungsschlag und ein Signal zugleich: "Nicht nur die homosexuellen, alle Priester, die ein Liebesleben führen, sollten sich dazu bekennen. Die katholische Kirche braucht ein riesengroßes Coming-out!", forderte Charamsa im Gespräch mit Moderator Michael Steinbrecher.
Der Diskussion um Homophobie und Zölibat stellte sich im "Nachtcafé" der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke, Mitglied der Deutschen Bischofskonferenz. Er bestätigte: "Natürlich gibt es Homosexuelle unter Priestern. Wahrscheinlich unter Bischöfen, unter Päpsten – unter Männern generell. Aber wir sind keine homosexuelle Bande, die in Frauenkleidern herumläuft!"
"Wir müssen rauskommen aus der Heuchelei", forderte der Kirchenvertreter in der Sendung. Für ihn sei Homosexualität keine Krankheit. Er akzeptiere homosexuelle Menschen – "die sind auch Kinder Gottes", so Jaschke. "Ob die nun Priester werden sollen, darüber kann man streiten", ruderte erf dann aber zurück: Er befürchtete eine schwule Färbung im Klerus. Homophobie und Doppelmoral wurden von ihm damit einfach nur netter verpackt.
Neben Charamsa und Jaschke diskutierten im "Nachtcafé" der Journalist und Vatikan-Experte Andreas Englisch, die Sexualforscherin Prof. Dr. Rotraud Perner sowie Stefan Hartmann, ein ehemaliger katholischer Pfarrer, der eine uneheliche Tochter zeugte. Er wurde begleitet von seiner Lebensgefährtin Sandra Dorn – wegen seiner Liebe zu ihr ist Hartmann inzwischen suspendiert. Welche dramatischen Konsequenzen der Zölibat für die heimlichen Kinder hat, berichtete Marco Palmiro Stoop, der im Alter von neun Jahren erfuhr, dass sein leiblicher Vater ein katholischer Priester ist. (cw/pm)
Die Sendung online anschauen:















Bischof Jascke ist einer der wenigen Bischöfe, die in dieser Frage immer glaubhaft geblieben sind.
Die Aussage von Krzystof , die katholische Kirche brauche ein riesengroßes Coming Out, ist natürlich Quatsch. Für viele schwule Katholiken ist die Kirche ein Ort der Geborgenheit, die sie nicht mit einem schrillen schwulen Leben tauschen möchten.