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Polizeibericht
Homophober Überfall in Kreuzberg

Gewalt am "Kotti": Anders als in anderen Städten benennt die Berliner Polizei explizit Straftaten mit homophobem Hintergrund (Bild: flickr / Dieter Titz / by 2.0)
- 6. Februar 2016, 14:52h 3 Min.
In der vergangenen Nacht wurde ein schwules Paar im Berliner Stadtteil Kreuzberg angegriffen – ein weiterer Vorfall von Mitte Januar sorgt indes für Spekulationen.
In der Nacht zu Samstag wurde in Berlin erneut ein schwules Paar angegriffen. Den Vorfall im Stadtteil Kreuzberg vermeldet der Polizeibericht vom Samstag.
Nach Angaben der beiden betroffenen Männer im Alter von 20 und 23 Jahren liefen sie gegen zwei Uhr Hand in Hand auf dem Gehweg der Adalbertstraße, als sie aus einer vier- bis fünfköpfigen Personengruppe heraus von einem Unbekannten zunächst homophob beleidigt wurden. Im Anschluss schlug der Angreifer mehrfach dem 23-Jährigen mit der Faust gegen den Kopf.
Nach der Tat flüchteten die Täter unerkannt. Der Geschlagene klagte über Schmerzen am Kopf und wollte sich selbst in ärztliche Behandlung begeben.
Angeblich homophober Überfall vom Januar der Polizei nicht bekannt
Derweil sorgt seit zwei Tagen ein in sozialen Netzwerken verbreitetes Video für Verunsicherung in der Szene, das einen brutal wirkenden Übergriff angeblich auf zwei Schwule ebenfalls auf der Adalbertstraße zeigen soll. Queer.de konnte diesen angeblichen Hintergrund der Tat bislang nicht verifizieren. Das am Samstag vom Urheber gelöschte Video zeigte, wie mehrere junge Männer zwei weitere junge Männer offensichtlich verfolgten und mit Tritten und teilweise mit Gürtelschlägen attackierten.
Die Pressestelle der Berliner Polizei kannte auf Nachfrage von queer.de den Vorfall und das Video zunächst nicht. Eine Überprüfung am Freitag hat dann ergeben, dass bislang keine Anzeige zu der Tat vorliegt. Die Ansprechpartner für LSBTI des Berliner Landeskriminalamts wollen den Vorfall in Absprache mit der lokal zuständigen Polizeistelle näher prüfen.
In dem Video sprechen die aus einer Distanz Filmenden auf Türkisch von einem versuchten Raub, gegen den sich die zwei Männer gewehrt hätten. Von einer Homosexualität der Betroffenen oder als Motivgrund ist nicht die Rede, auch das Video gibt darauf keinen Hinweis. Es setzt erst spät ein und zeigt auch, wie einer der angeblich Angegriffenen, möglicherweise zur Verteidigung, ebenfalls einen Gürtel als Waffe nutzt.
Bevor das Video vor allem von Bloggern verbreitet wurde, hatte ein Autor des "Tagesspiegels" den Vorfall in einem Nebensatz eines Artikels zur Situation am Kottbusser Tor als homophobe Hatz dargestellt, dabei aber nur auf das Video verwiesen. Er ist erst am Montag wieder im "Tagesspiegel"-Büro erreichbar.
In dem belebten Bereich um das Kottbusser Tor liegt die auch bei Touristen beliebte Szenebar Möbel Olfe, der Südblock und das SO 36, in denen viele LGBT-Parties stattfinden. Auch der "Transgeniale CSD" ist hier beheimatet. (nb/mize)
Update 16.40h: Neuer Tagesspiegel-Bericht
Zeitgleich zur Fertigstellung dieses Artikels hat ein anderer Mitarbeiter des "Tagesspiegels" weitere Hintergründe zu der Tat veröffentlicht. Das Video wurde demnach vom "Café Kotti" aus gefilmt. Dessen Betreiber beklagte gegenüber der Zeitung eine Zunahme von Taten durch kriminelle Banden. Im vorliegenden Fall habe er sich um die Opfer gekümmert, die starke Schmerzen gehabt hätten und von ihm ins Krankenhaus geschickt worden seien. Die Polizei sei erst nach 17 Minuten erschienen.
Ausgangspunkt der Schlägerei seien den Informationen des Café-Betreibers zufolge ein Diebstahl von Wertsachen wie Geld und Handy gewesen, den die Männer bemerkt hätten. Als alles vorbei gewesen sei, habe ihn allerdings einer der Angegriffenen gefragt: "Werden hier Schwule geschlagen?"
um 18.40h erneut aktualisiert um eine nähere Videobeschreibung, nachdem der Film gelöscht wurde














