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Homophober Wahlkampf
CDU lud Homo-Hasser zum Frühstück in den Bundestag ein

Der Abgeordnete Josef Rief (ganz rechts) stellte dieses Bild des Treffens Portalen wie kath.net zur Verfügung. Neben ihm v.r.n.l.: Sylvia Pantel, Manfred Spieker, Birgit Kelle und mehrere Unionsabgeordnete.
- 20. Februar 2016, 12:49h 4 Min.
Birgit Kelle und Manfred Spieker referierten vor einigen Abgeordneten über "Gender Mainstreaming – Wissenschaft oder Ideologie?"
Von Norbert Blech
Homosexualität ist "generationenblind und lebensfeindlich", eine "Unsittlichkeit" und leistet "keinen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft". Das sagte Manfred Spieker, Professor für Christliche Sozialwissenschaften im Ruhestand, vor vier Wochen bei einem Kongress der "Demo für alle" in Stuttgart bei einem hetzend-wirren Vortrag zum Thema "Gender Mainstreaming" (queer.de berichtete).
Zum gleichen Thema haben ihn nun diese Woche Abgeordnete der CDU allen Ernstes in den Bundestag eingeladen.
Zusammen mit der umstrittenen homophoben Hetzautorin Birgit Kelle ("Gender Gaga") referierte und diskutierte er mit einigen Abgeordneten der Unionsfrakion, darunter Sylvia Pantel, die Kelle im letzten Jahr in ihrem Wahlkreis in Düsseldorf einen Vortrag abhalten ließ (queer.de berichtete). Eingeladen hatte die beiden Referenten der baden-württembergische Abgeordnete Josef Rief aus Biberach, der die Veranstaltung in seinem Newsletter "Berlin aktuell" (PDF) bereits pünktlich zum Wahlkampf in der Heimat zusammenfasste.
Und das recht chaotisch: Zum allumfassenden Thema "Gender Mainstreaming" fiel dem Landwirt und Mitglied des Familienausschusses ein, dass nicht nur Deutschland "ein Problem" habe, "wie internationale Beispiele zeigen: Tierbordelle in Dänemark, die Frage in den USA, ab wann Transgender-Männer die Damen-Duschen benutzen dürfen etc. Ebenso auf dem Vormarsch sind Eizellenkauf und Leihmutterschaft."
Union von Regenbogenfamilie überfordert
Laut der Zusammenfassung von Rief ging es bei der Veranstaltung vor allem um "Grün-rote Lehrpläne", um die "nachvollziehbaren vehementen Proteste" gegen den Bildungsplan in Baden-Württemberg, um "falsch verstandene Toleranz" und die Frage: "Darf die Politik dem Treiben tatenlos zusehen?"
Rief zitiert ein für ihn offenbar besonders schlimmes Beispiel. "Was es bedeutet, dass Gender Mainstreaming sogar fachübergreifend unterrichtet werden soll, wurde anschaulich am Verlesen eines Diktats für Grundschulkinder durch Birgit Kelle, in dem es um eine Familie mit zwei lesbischen Müttern ging", schreibt er. "Die Zuhörer schwankten hier zwischen ungläubigem Staunen und Protest" – offenbar alleine wegen der Thematisierung einer Regenbogenfamilie, denn als einzigen weiteren Punkt zu dem Thema fällt Rief ein: "Über 75 % der minderjährigen Kinder leben bei ihren Müttern und Vätern, die miteinander verheiratet sind."

Weiter fasst er zusammen: "Auch Manfred Spieker stellte die Absurdität heraus, wenn die 'Zwangsheterosexualität bekämpft werden soll', und warnte zugleich vor der 'Sexualpädagogik der Vielfalt'. Bei den zahlreichen 'Geschlechtern', die zum Beispiel bei Facebook ausgewählt werden können, ginge es im Kern um die sexuellen Neigungen der User, wobei dort nur die 'netten' wie Homosexualität oder Bisexualität auftauchen, so Kelle, aber im Grunde auch Pädophilie und Zoophilie dazu gehörten."
Bildungsplan schädigt Kinder
Rief stellt in seinem Newsletter noch die These auf, dass geschlechtsneutrale Sprache "gerade Lernschwache oder behinderte Menschen" überfordern könnte, und verbreitet den üblichen Unsinn über "Auswüchse" der "zahlreichen Gender-Lehrstühle", die "großzügig finanziert" und dabei nie parlamentarisch abgesegnet seien.
"Die CDU fordert Gender Mainstreaming mit Augenmaß", schließt er in Fettdruck sein wahlkampfkompatibles Fazit. "Toleranz gegenüber verschiedenen Familienmodellen, JA, aber Aufgabe unseres Familienbildes, das in Deutschland mit großer Mehrheit gelebt wird, NEIN."
Kinder sollten Zeit bekommen, sich selbst zu entwickeln, fordert Rief noch, "ohne dass Bildungspläne sie vom Kleinkindalter an mit den unterschiedlichsten sexuellen Neigungen konfrontieren und sofort fragen, bist du sicher, dass du ein Junge bist oder nicht vielleicht doch ein Mädchen oder nichts von beiden?" Die Befürchtung des Politikers: "Dies führt wahrscheinlich bei über 99% unserer Kinder zu viel größeren Schäden als dies jemals Nutzen bringen kann."
Gratulation von Beverfoerde
Zu den CDU-Abgeordneten, die den Ausführungen von Kelle und Spieker lauschten, gehörte u.a. Veronika Bellmann. Sie hatte im letzten Jahr das Ja der Iren zur Ehe-Öffnung für schwule und lesbische Paare anhand der Beteiligung am Referendum kleingerechnet (und damit zugleich ihr eigenes Mandat, queer.de berichtete). Auch meinte sie, die ganze Diskussion gehe an "der Gott gegebenen Natur" vorbei und sei eine "Diskriminierung" der heterosexuellen Partnerschaften, die die "Zukunft unseres Volkes" sicherten.
Nachdem der CDU-Abgeordnete Hubert Hüppe einige Bilder der Veranstaltung bei Facebook postete (darunter das in der Mitte und am Ende dieses Artikels), gratulierte dort bereits die Organisatorin der "Demo für alle", CDU-Mitglied Hedwig von Beverfoerde: "Das sieht nach einer sehr gelungenen Veranstaltung aus. Klasse!"















