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Verfolgung von Homosexuellen in Deutschland
Das Verdrängen und Verdrehen der Wahrheit
- 27. Februar 2016, 09:22h - 2 Min.

Als der Filmemacher Klaus Stanjek erfährt, dass sein Lieblingsonkel Willi wegen seiner sexuellen Orientierung acht Jahre im KZ interniert war, bricht eine Familienfassade jäh in sich zusammen. Seine berührende Doku "Klänge des Verschweigens" ist jetzt auf DVD erschienen
Jetzt auf DVD: Die Doku "Klänge des Verschweigens" über den schwulen Musiker Willi Heckmann erzählt von einem streng gehüteten Familiengeheimnis.
Von Klaus Stanjek
Mein humorvoller Onkel lebte als Unterhaltungsmusiker in meiner Familie, wenn er nicht zu Gastspielen deutschlandweit unterwegs war. Erst mit 40 Jahren drang zu mir durch, dass er acht Jahre in Nazi-KZ's verbrachte (Dachau und Mauthausen) und dass er schwul bzw. bisexuell war, was er zeitlebens verheimlichen musste.
Im Zuge meiner langwierigen Recherchen entdeckte ich, dass meine Mutter als 19-Jährige zwar vom KZ-Aufenthalt ihres Bruders wusste, aber sich dennoch für ihre Karriere beim BDM entschied, dass auch in so brutalen Konzentrationslagern wie Mauthausen turbulente Feste möglich waren – unter Beteiligung meines Onkels – und dass meine Heimatstadt Wuppertal, die sich so liberal und engagiert gab, einmal eine NSDAP-Hochburg war.
Wegen der aufgeladenen Familientabus war die Geschichte dieses Mannes nie offen zugänglich. Entsprechend basiert das Material des Films vor allem auf sekundären Quellen wie Erzählungen von Verwandten und Augenzeugen, meinen eigenen Erinnerungen, aufgespürten Dokumenten und auf vielen Fotos. Die aufgesuchten Schauplätze liegen in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Berlin, Tschechien und Österreich.
Begegnungen zwischen Neffe und Onkel nachgestellt
Mit Mitteln der Bildbearbeitung haben wir einigen Fotos "Leben einhauchen" können – unter Betonung ihrer Subjektivität. Einige Animationssequenzen erzählen Begegnungen zwischen dem Onkel und seinem Neffen nach.
Meine Spurensuche, meine überraschenden Begegnungen, die Auswertung der Fundstücke und meine Schilderungen führen den Zuschauer in die belastete, widersprüchliche Vergangenheit der deutschen Sozialgeschichte. Und machen die Dynamiken des Verdrängens und Verdrehens der Wahrheit emotional nachvollziehbar. Wobei Musik fundamental beteiligt wird – zur seelischen Entlastung und imaginären Befreiung.
Klänge des Verschweigens. Dokumentation. D 2012. Regie: Klaus Stanjek. Darsteller: Raimund Scheibner, Klaus Stanjek, Dirk Schreier, Hannelore Hoger, Niels Bolbrinker. Laufzeit: ca. 90 Minuten. Sprache: Deutsch, Englisch. Untertitel: Deutsch, Englisch. FSK: 12. W-film Distribution
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Mehr zum Thema:
» Ausführliche Besprechung: "Der schwule Onkel saß im KZ" (25.09.2013)
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