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"Ein beschissener Tag für alle Angehörigen von Minderheiten"

Von Häme bis Unterstützung: Die Reaktionen auf den Fall Beck


Schafft Volker Beck noch einmal die Wende? (Bild: flickr / Grüne NRW / by 2.0)

  • 3. März 2016, 11:42h 49 4 Min.

Dass Volker Beck nach einem Drogenfund zurücktreten musste, schlägt hohe Wellen. Die eigene Partei ist verunsichert, die Presse spekuliert und die Gegner feiern.

Am Mittwochnachmittag schlug die Meldung der "Bild"-Zeitung wie eine Bombe ein: "0,6 Gramm einer betäubungsmittelsuspekten Substanz" seien bei Volker Beck gefunden worden – und der Grünenpolitiker zog mit seinem Rückzug aus seinen Fraktionsämtern sofort Konsequenzen (queer.de berichtete). Der Fund erschütterte das politische Berlin.

Für Panik sorgte die Nachricht bei Becks Parteifreunden, die sich in drei Ländern im Wahlkampf befinden. So bescheinigte der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann, der sich in neun Tagen den Wählern stellen muss, Beck im ZDF-Morgenmagazin "ein schweres Fehlverhalten". "Ich kann nur hoffen, dass jetzt solch ein einzelnes Fehlverhalten nicht auf alle übertragen wird. Davon gehe ich mal aus", so Kretschmann.

Ansonsten geben sich die Grünen schmallippig: "Wir nehmen die persönliche Entscheidung von Volker Beck mit Respekt zur Kenntnis und werden das Gespräch mit ihm suchen", erklärte Fraktionsgeschäftsführerin Britta Haßelmann kurz. Zum Sachverhalt selbst werde man sich nicht äußern.

Klaus Lederer beklagt Doppelmoral

Unterstützung erhält Beck aus der Linkspartei. Klaus Lederer, Chef der Haupstadt-Linken, finden den Rückzug des Kölner Politikers überzogen: "Die herrschende Drogen- und Kriminalpolitik ist durchzogen von Bigotterie. Es ist absurd und schade, wenn Volker Beck seine Ämter zur Disposition stellt, weil er mit Minisubstanzen erwischt wurde." Dabei klagte er die Doppelmoral an, weil "CSU-Kader mit ein paar Promille" in Bayern kein Problem seien.


Die "Bild" brachte am Donnerstag in ihrer Titelgeschichte auch noch Hitler ins Spiel, weil Crystal Meth während des Zweiten Weltkriegs deutschen Soldaten verabreicht worden war

Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) zeugte Beck auf Twitter Respekt dafür, dass er schnell Konsequenzen gezogen habe: "In der Drogenpolitik bin ich anderer Meinung als die meisten Grünen. Aber Respekt für @Volker_Beck für die schnelle und klare Reaktion." Aber die Reaktionen aus seiner Partei waren auch von Häme begleitet. So twitterte der Bundesverband der Jungen Union: "Kampf d. @Die_Gruenen f. die Legalisierung von Drogen erscheint im neuen Licht. Bleibt sauber, Leute!"

"Ja, Beck ist ein Moralist"

In der Tagespresse wird darüber debattiert, wie man auf diesen Vorfall reagieren soll: "Eine Menge Häme wird über ihm ausgekippt werden. Er hat sie nicht verdient", so die "Süddeutsche Zeitung" in einem Kommentar. "Er hat sich aufgerieben, wenn es um den Schutz von Minderheiten ging. Dieser politische Hochbetrieb geht nicht spurlos an einem Menschen vorbei." Der Berliner "Tagesspiegel" schrieb: "Ja, Beck ist ein Moralist – und er kann kräftig austeilen. Doch ihm das nun spöttisch vorzuhalten, verbietet sich ebenso, wie das Aufkommen von Schadenfreude im Fall von Margot Käßmann falsch war."

Es wird auch Sorge um Becks Lebenswerk laut: "Seine Rolle als parteiübergreifend respektierter Elder Statesman seiner Partei, in die er durch seinen Einsatz für die Gleichberechtigung Homosexueller und für die deutsch-jüdische Aussöhnung gerade hineinwuchs, dürfte nun perdu sein", so der "Kölner Stadtanzeiger". Schriftstellerin und Spiegel-Online-Kolumnistin Sybille Berg befürchtete auf Twitter schlimme Auswirkungen für Bürgerrechte: "Ein beschissener Tag für alle Angehörigen von Minderheiten in D! In Zukunft wieder ohne Unterstützung."


Die Kalauer spritzen nur so aus Twitter heraus…

Hat Beck noch eine politische Zukunft? Darüber sind sich Journalisten uneinig. Tina Hassel, die Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios, vermutete am Mittwochabend in den "Tagesthemen", dass die Grünen Beck nach über 20 Jahren im Bundestag sogar zur Aufgabe des Mandats bewegen könnten, sollte bestätigt werden, dass er Crystal Meth gekauft hatte. Dagegen meinte Jan Feddersen in der "taz: "Sofern er kein Dealer war – und nichts spricht für dafür -, wird das Delikt allenfalls milde geahndet. Einer nächsten Bundestagskandidatur Becks sollte sich seine Parteibasis in Nordrhein-Westfalen nicht verschließen."

Bushido, Pirinçci und Pegida jubeln

Die Gegner von Beck feiern den Fall hingegen wie einen WM-Sieg, die sozialen Netzwerke und Kommentarspalten rechter Portale sind voll von Häme. Dabei werden auch alte Rechnungen beglichen – etwa von Rapper Bushido, der für seine homophoben Attacken von Beck kritisiert worden war: "Ein Crystal Meth Junky will, dass ich den Bambi zurückgebe. Dafür bekommt er von mir die goldene Crack Pfeife!!!" Autor Akif Pirinçci ("Die große Verschwulung") merkte an: "Das wußte ich ja nicht, Volker Beck, als du mich andauernd angezeigt und über mich gehetzt hast, voll auf Crystal Meth warst. Gute Besserung."

Mirko Welsch, der Chef der "Homosexuellen in der AfD" reihte Beck auf seiner Facebook-Seite unter anderem mit Sebastian Edathy als Mitglieder einer "Reihe von verkommenen Gestalten" ein. Die homophobe Autorin Birgit Kelle schrieb auf Facebook: "Zur Feier des Tages erstmal die alte Breaking Bad DVD nochmal eingelegt." Und ein baden-württembergischer Pegida-Ableger versuchte es in sozialen Netzwerken mit einem altgebackenen Schwulenwitz: "Ich wundere mich, dass ein Volker Beck mit seinem Dreck am Stecken überhaupt so lange Politik machen konnte." (dk)

Umfrage zum Artikel

» Ist Volker Becks Rücktritt von allen Fraktionsämtern richtig?
    Ergebnis der Umfrage vom 03.03.2016 bis 02.05.2016
-w-

#1 RWTHAnonym
  • 03.03.2016, 12:54h
  • "die Gegner feiern"

    Klar feiern die Gegner.

    Ein größeres Geschenk konnte Volker Beck den Homohassern gar nicht machen...
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#2 wiking77
  • 03.03.2016, 13:25h
  • Schlechter Stil und geschmacklos, aber von BLÖD dennoch nicht anders zu erwarten.

    Als ob Volker Beck jetzt nicht andere Probleme hätte... nun wird ihm quasi hämisch unterstellt eine "Hitler-Droge" gehabt zu haben, fehlt nur noch, dass man ihm dadurch eine entsprechende Gesinnung unterstellt. Sei's drum.

    Das bestätigt mich um so mehr, wenn ich Mitmenschen sehe, die sich die BLÖD-Zeitung kaufen, dass ich denen Minuspunkte vergebe und diese in meinen Augen an Wert als Mitmenschen verlieren. Wer sowas unterstützt und noch mit dem Kaufpreis finanziert, der gehört bei mir in die unterste Schublade.
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#3 johannes90Anonym
  • 03.03.2016, 13:32h
  • Antwort auf #1 von RWTH
  • Also wenn man sich hier die Reaktionen der Linkspartei (verständnisvoll, keine Notwendigkeit sehend, von seinen Ämtern zurückzutreten) und der CDU/CSU ausgenommen Altmaier (Eindreschen, Hetzen) ansieht, sollte man sich bei den Grünen ernsthaft überlegen, ob man eher schwarz-grüne (und damit rechter Mehrheitsbeschaffer) oder rot-rot-grüne Koalitionen (und damit eigenen Inhalte wie Homo-Gleichstellung, Drogen-Liberalisierung statt -kriminalisierung umsetzen etc.) präferiert.
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