https://queer.de/?2571
- 18. März 2005 4 Min.
Die schwul-lesbische Organisation GLAAD schlägt Alarm: Transgender werden im Fernsehen immer mehr zu Witzfiguren degradiert.
Von Damon Romine (GLAAD)
Sogar innerhalb der schwul-lesbischen Community werden Transgender wie Dreck behandelt. Wir müssen dieser Gruppe aber genauso viel Respekt zollen, wie wir ihn für Schwule und Lesben einfordern. Als neuer Verantwortlicher für Unterhaltungsmedien bei der GLAAD ist mir gleich ein neuer, Besorgnis erregender Trend ins Auge gestochen: Innerhalb von zwei Wochen haben die beiden populären Cartoon-Serien "Die Simpsons" und "South Park" sehr fragwürdige Darstellungen von Transgendern gezeigt. Wir sollten alle darüber empört sein.
Wenn ich mir aber die Blogs und Message Boards ansehe, ist der Gay-Community dieser Trend egal. Warum ist das so? Als schwuler Mann denke ich, dass wir uns an solche Attacken gewöhnt haben – im Fernsehen und Film waren wir oft die Opfer von Stereotypen. Vielleicht haben wir gedacht, das alles sei nur Satire. Sogar ich musste mir die Sendungen noch einmal ansehen, um zu verstehen, warum Transgender darüber erzürnt sind. Jetzt verstehe ich die Kritik – und ich hoffe, Sie werden das auch verstehen, nachdem Sie meinen Artikel zu Ende gelesen haben.
Die wirklich lustige "Simpson"-Folge über die Homo-Ehe wurde am 20. Februar in den USA ausgestrahlt. Hier hat Marges Schwester Patty ihr Coming-out. Sie kündigt an, Veronica – eine professionelle Golferin – zu heiraten. In der harsch geführten Debatte um die Homo-Ehe war es erfrischend, dass die "Simpsons" positiv eingestellt waren gegenüber schwul-lesbischer Gleichstellung.
Am Ende der Sendung entdeckt Marge jedoch, dass Veronica in Wirklichkeit ein Mann ist, der sich als Lesbe verkleidet hat, um Frauen-Golf spielen zu können. Die Transgender-Community war über zwei Aspekte dieses "Outings" bestürzt: Die transsexuelle australische Golferin Mianne Bagger durfte in den USA nicht bei Turnieren teilnehmen, weil sie die Sportverbände verlangen, dass die Spielerinnen seit der Geburt Frauen sein müssen. Zweitens, die Sendung hat ein Vorurteil wieder zum Leben erweckt, dass Transgender uns betrügen wollen. Als Marge in einer dramatischen Szene Veronicas Kragen wegriss, um ihren Adamsapfel zu zeigen, schien das lustig zu sein. Im wirklichen Leben aber führen solche Enthüllungen oft zu fürchterlicher Gewalt – das ist kein Witz!
Die Trans-Community hat auch die erste Folge der neuen "South Park"-Staffel am 9. März besorgt verfolgt. Hier will sich Mr. Garrison – der lange als "Klemmschwester" dargestellt wurde – zu einer Frau umwandeln lassen. Die neue Mrs. Garrison hat nach wie vor ihr gewohntes Aussehen – inklusive Glatze und Brille – ist jetzt aber noch extrovertierter und wartet auf ihre erste Periodenblutung.
Nach Mr. Garrison lässt sich der Grundschüler Kyle in einen großen Schwarzen umwandeln, damit er Basketball spielen kann und Kyles Vater erfüllt sich seinen großen Wunsch und wird ein Delfin (im Ernst!). Am Ende der Folge sehen alle albern aus wegen ihrer Entscheidungen. Mrs. Garrison geht sogar zu ihrem Chirurg und sagt: "Sie haben mich zu einem Freak verwandelt. Machen Sie das rückgängig". Der Doktor sagt später: "Ich hätte Ihnen gleich sagen sollen, dass der Eingriff nur kosmetischer Natur war."
Hier wird das Geschlecht mit anderen Attributen wie Rasse gleichgesetzt. Außerdem wird dem Irrglauben Vorschub gegeben, dass eine Geschlechtsanpassung nicht wirklich das Geschlecht verändert. Des weiteren herrscht wieder mal das Vorurteil vor, dass schwule Männer in Wirklichkeit Frauen sein wollen. So sagt Mr. Garrison am Ende: "Auch wenn ich keine richtige Frau bin, wäre ich lieber eine Frau, die keine Periode haben kann, als eine Schwuchtel." Das ist einfach nicht mehr lustig.
Es gibt sicher Leute, die sagen, der GLAAD sei humorlos. Sie sagen, ich hätte den Witz einfach nicht verstanden. In Wirklichkeit bin ich aber ein großer Fan beider Serien (ich habe sogar viele DVD-Kollektionen). Manchmal wird aber selbst in diesen Sendungen übers Ziel hinausgeschossen.
Manche werden sagen, das ist einfach Satire. Aber Satire klappt nur, wenn David Goliath attackiert. Wenn Goliath David zusammenschlägt – oder wie hier eine besonders diskriminierte Randgruppe – ist das schlicht fies. Das ist wie der Rüpel auf dem Schulhof, der das schwächste Kind verprügelt.
Natürlich ist Comedy ein Minenfeld. Die schwul-lesbische Community darf aber nicht Transgender zum Abschuss freigeben unter dem Motto: "Zumindest hackt man nicht auf uns herum". Die Macher von "Die Simpsons" und "South Park" sympathisieren mit den Zielen der Gay-Community – schlagen aber gerne auf die Trans-Community ein. Wir müssen ihnen klarmachen, dass Humor auf Kosten einer kleinen Gruppe in unserer Community letztendlich allen schadet.
Die Gay & Lesbian Alliance Against Defamation (GLAAD) ist eine der größten Lobby-Gruppen für Schwule, Lesben und Transgender in den USA.
(Übersetzung: Dennis Klein)
19. März 2005
Links zum Thema:
» GLAAD















Ich habe die Folge gesehen und es es geht schlichtweg darum, dass jmd. bewusst getäuscht werden soll. Und in solchen Fällen ist eine Entlarvung - auch in Cartoons - angebracht. Der transsexuelle Hintergrund ist hier eher hineininterpretiert, das ganze ist mehr ein Seitenhieb auf die "kein sex vor der ehe"-bewegungen, da sich eben auch zwei Lesben (ok, nur eine, aber das weiss ja da noch niemand) daran halten...