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Kardinal Barbarin musste sich am Dienstag gegenüber der Presse verteidigen, streitet aber jede Schuld ab
- 15. März 2016, 16:32h 2 Min.
Einer der schärfsten Gegner der Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben soll den Missbrauch von Jugendlichen durch Priester vertuscht haben.
In Frankreich bahnt sich einer neuer Pädophilie-Skandal der katholischen Kirche an – und im Zentrum steht der führende Bischof des Landes, der sich besonders damit einen Namen gemacht hat, gegen die Gleichbehandlung von Homosexuellen Stimmung zu machen. Dem Lyoner Kardinal Philippe Barbarin wird vorgeworfen, Fälle von Kindesmissbrauch durch Priester nicht gemeldet zu haben.
Ausgangspunkt ist der Fall eines Priesters, der zwischen 1986 und 1991 mehrere Pfadfinder missbraucht haben soll, aber erst im vergangenen Jahr seines Amtes enthoben wurde. Im Januar wurde ein Ermittlungsverfahren gegen den geständigen Mann eingeleitet. Am Montagabend meldeten französische Medien, dass sich ein weiterer Priester aus Lyon Anfang der Neunzigerjahre an einem Minderjährigen vergangen haben soll. Auch von diesem Fall soll Barbarin gewusst haben, aber untätig geblieben sein, wie das Opfer in einem Interview mit "Le Figaro" behauptete.
Politiker zeigten sich entsetzt über den neuen Skandal: "Ich erwarte nicht nur Worte, sondern auch Taten", sagte Premierminister Manuel Valls am Dienstag gegenüber dem Radiosender RMC. Er forderte den Kardinal auf, Verantwortung zu übernehmen. In einer ersten Reaktion hat Barbarin allerdings alle Vorwürfe zurückgewiesen und einen Rücktritt ausgeschlossen.
Kommentatoren sprechen bereits von einem "französischen 'Spotlight'" – und beziehen sich dabei auf den oscarprämierten Film, der zeigt, wie das katholische Erzbistum in Boston jahrelang sexuellen Kindesmissbrauch durch Dutzende ihre Priester vertuscht hatte.
Barbarin wehrte sich gegen homosexuelle "Sonderwünsche"
Barbarin war in der Debatte um die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare insbesondere durch homofeindliche Aussagen aufgefallen. So beschuldigte er vor vier Jahren Schwule und Lesben, mit ihren "Sonderwünschen" dem Gemeinwohl zu schaden. Für heftige Kritik sorgte seine Aussage, dass die Gleichbehandlung im Eherecht zur Anerkennung von Inzest und Vielweiberei und zu einem "Zusammenbruch der Gesellschaft" führen könne (queer.de berichtete). Er führte in Lyon auch eine Demonstration gegen die Ehe für alle an (queer.de berichtete).
Damals behauptete er auch, die Regierung könne Homosexuelle nicht gleichstellen, weil dies in der Bibel nicht vorgesehen sei: "Die erste Seite der Bibel, die besagt, dass in der Ehe ein Mann und eine Frau vereinigt sind, hat mehr Gewicht als zufällige und vergängliche Entscheidungen des Parlamentes". (dk)















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Alice Miller nannte es die "Produktion des Bösen".