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Einzelkommentar zu:
Sachsen: "Besorgte Eltern" schicken homophobe Propaganda an Abgeordnete


#12 NicoAnonym
  • 18.03.2016, 09:20h
  • Antwort auf #11 von wuermchen
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    Dieser Satz ist doch bezeichnend. Allein die Ansicht, dass man ohne einen Bildungsplan dumm sei, lässt schon tief blicken.
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    Wissen über sexuelle Vielfalt ist genauso Weltwissen, wie Wissen über die Klimazonen dieser Erde, die unterschiedlichen politischen Systeme, geschichtliche Zusammenhänge, die Funktionsweise des menschlichen Körpers, etc.

    Jeder, der irgendeines dieser Themen ausklammern will, will Schüler dumm halten. Dass die nicht komplett dumm sind, sondern durchaus in anderen Themenbereichen Wissen haben können, ist klar.

    Aber das besondere an der Aufklärung über sexuelle Vielfalt ist, dass es halt auch die persönliche Identität (auch von Heterosexuellen) betrifft.

    Wenn jemand z.B. nicht den Unterschied zwischen Taiga und Tundra kennt (jetzt nur mal als Beispiel), dann fehlt ihm halt dieser eine Ausschnitt des Weltwissens. Das kann man aber leicht in einem Lexikon nachlesen. Wenn aber jemand nie gelernt hat, welche sexuellen Orientierungen es gibt und dass diese Vielfalt keine Bedrohung, sondern ein Gewinn ist, dann wird er sein Leben lang Homo-, Bi- und Transsexuelle für minderwertig halten (und mit seiner Gesinnung auch Probleme im Job, in der Nachbarschaft, im Freundeskreis, etc. bekommen). Oder er wird sogar seine eigene Sexualität unterdrücken und damit ein zutiefst unzufriedener Mensch oder sogar eine Gefahr für andere (wie die Priester, die sich aufgrund ihrer eigenen unterdrückten Sexualität an Kindern vergreifen). Und Toleranz lernt man eben nicht aus dem Lexikon. Da gilt "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr."

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    Da fragt man sich unweigerlich, wie die Generationen vor den Bildungsplänen aufgewachsen sind
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    Das kann ich ihnen sagen, wie bisherige Generationen aufgewachsen sind:
    als manche Mitschüler nur schon den Verdacht hegten, ich könne schwul sein, wurde ich zuerst nur beleidigt, gehänselt und gemobbt. Irgendwann kamen dann das Spucken, das Schlagen und das Treten hinzu. Auf einer Klassenfahrt wurde ich von zwei Schülern festgehalten, während 5 andere mit mit den Worten "Darauf stehst Du doch" anpissten.

    Hätte ich nicht so ein stabiles Elternhaus gehabt, hätte ich sicher manches mal Selbstmordgedanken gehabt.

    Und wir reden hier nicht über eine Schulzeit in den muffigen 50ern, sondern in den 90ern.

    Und auch heute noch sind "Schwuchtel", "schwule Sau" etc. die häufigsten Schimpfwörter auf deutschen Schulhöfen. Und noch heute ist die Selbstmordrate unter LGBTI-Jugendlichen 5 mal höher als bei anderen Jugendlichen.

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    wie vorher schon eine nahezu vollkommene Gleichstellung erreicht werden könnte.
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    1. Es gibt keine "nahezu vollkommene Gleichstellung". Wir dürfen weiterhin nicht heiraten. Unsere Kinder werden weiterhin diskriminiert, weil die Volladoption verwehrt wird. Wir können weiterhin aufgrund unserer Liebe unseren Job verlieren. Etc. etc. etc. Und das sind nur Aspekte rechtlicher Gleichstellung. Von gesellschaftlicher Gleichstellung oder einer medialen Präsenz, die dem Anteil in der Bevölkerung entspricht mal ganz zu schweigen.

    2. Das bisschen was erreicht wurde, wurde ganz sicher nicht von denen erkämpft, die jetzt gegen den Bildungsplan sind. Sondern eher von denselben, die sich jetzt auch für den Bildungsplan einsetzen.

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    Und ich frage mich was passiert, wenn Bildungspläne eingeführt und dann verändert werden? Ist das dann noch schlimmer, weil vom Optimalzustand abgerückt wurde?
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    Wer hat denn gesagt, dass die jetzigen Bildungspläne irgendein "Optimalzustand" mit Ewigkeits-Garantier wäre?

    Schulische Inhalte müssen immer auf dem Prüfstand stehen. Man muss immer gucken, ob die Bildungsziele erreicht werden. Selbst in einem Fach wie Mathematik wird ja mit PISA, IGLU, etc. immer wieder kontrolliert, ob die Lernziele erreicht wurden oder ob man vielleicht methodische Änderungen vornehmen sollte.

    Selbstverständlich muss auch Aufklärung über sexuelle Vielfalt ständig hinterfragt werden und überprüft werden, was funktioniert und was nicht. Und gegebenenfalls muss justiert werden. Die jetzigen Bildungspläne sind ja überhaupt erst eine Konsequenz dessen, dass man guckt, wo in den Schulen Dinge im Argen liegen und wo vielleicht etwas geändert werden muss.

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    Dabei wäre es ein leichtes mit nahezu allen Beteiligten einen Kompromiss aufzusetzen
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    1. Wenn ich mir so die hier in dieser Diskussion wieder betroffenen "Besorgten Eltern" ansehe, glaube ich nicht, dass mit denen irgendein Kompromiss möglich wäre. Die wollen GAR keine Aufklärung. Wer Homosexualität als "Teufelszeug" bezeichnet und wer gemeinsam mit der NPD Kundgebungen hält, will keine Kompromisse.

    2. Lehrpläne sollten von Fachleuten gemacht werden. Wie können Eltern entscheiden, was in Lehrpläne gehört oder nicht. Ich weiß noch, dass bei uns an der Schule ein Mädchen wegen Mathe sitzen bleiben sollte und die Eltern dann gefragt haben, wieso das Mädchen überhaupt Trigonometrie lernen müsse, da sie das garantiert nie mehr im Leben bräuchte. Soll man jetzt sagen "Lasst uns Trigonimetrie aus dem Matheunterricht streichen, weil manche das nie im Beruf brauchen werden."? Aber andere brauchen es sehr wohl und es geht ja auch nicht nur um das Thema an sich, sondern auch um das logische, abstrakte Denken, das damit geschult wird.

    Oder wieviele radikal-religiöse Eltern gibt es nicht, die sich daran stören, dass Evolution statt biblischer Schöpfungslehre gelehrt wird.

    Fazit: Wenn Eltern entscheiden müssten, wie Schulunterricht auszusehen hat, wäre das katastrophal. In allen Fächern, auch Mathematik & Co.

    Die Lehrpläne sollten von Experten erarbeitet werden, die nicht nur im jeweiligen Fach Experten sind, sondern sich auch mit Entwicklungspsychologie, Pädagogik, Didaktik, etc. auskennen.

    3. Entweder lernen die Schüler, was Homo-, Bi- und Transsexualität ist und dass das genauso natürlich und normal wie Heterosexualität ist, oder sie lernen es nicht. Wie soll da ein Kompromiss aussehen? Wissen über Homosexualität ja, aber über Transsexualität nein?

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    Mit dir wird aber keine Lösung erreicht werden können, denn du bist der extreme Rand.
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    Da ich nicht in der Erarbeitung der Bildungspläne involviert bin, wird "mit mir" gar nichts erarbeitet. Das will ich auch gar nicht, da ich wie gesagt der Meinung bin, dass die dafür vorgesehenen Experten das tun sollten.

    Aber das heißt nicht, dass ich dazu keine Meinung haben darf und dass ich nicht fordern darf, dass endlich die Bildungspläne umgesetzt werden. U.a. damit kommende Schüler nicht mehr das durchmachen müssen, was ich und viele andere in der Schule durchgemacht haben.

    Schule sollte ein geschützter Ort sein und nichts, wo man jeden Tag mit Angst hingeht.

    Wenn mich diese Forderung in Ihren Augen extrem macht, kann ich damit gut leben. Aber jeder normale Mensch, der das beste für Schüler will, wird mir zustimmen.
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