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Eklat in Kiel
CDU-Ratsherr vergleicht Homosexuelle mit Alkoholikern
- 19. März 2016, 11:49h 2 Min.

Cetin Yildirim von Pickardt ist Sprecher für Personal, Migration und Gleichstellung der CDU-Fraktion in der Kieler Ratsversammlung. Im kommenden Jahr will der Politiker mit türkischen Wurzeln für den Landtag kandidieren (Bild: CDU Kiel)
Der Kieler CDU-Politiker Cetin Yildirim von Pickardt lehnt Regenbogenfahnen am Rathaus ab, weil man ja auch nicht für Dickleibige oder Alkoholkranke flaggen würde.
Eklat in der Kieler Ratsversammlung: In der Aussprache zu einem Antrag der Linken (PDF), zum Internationalen Tag gegen Homophobie (IDAHOT) am 17. Mai am Rathaus die Regenbogenbogenfahne zu hissen, vergriff sich der CDU-Ratsherr Cetin Yildirim von Pickardt am Donnerstagabend schwer im Ton. Laut "Kieler Nachrichten" begründete der 46-jährige Fraktionssprecher für Personal, Migration und Gleichstellung seine Ablehnung mit dem Hinweis, dass man ja auch keine Fahnen für Dickleibige oder Alkoholiker hissen würde.
Der LSVD Schleswig-Holstein zeigte sich gegenüber queer.de entsetzt über die Äußerung. Natürlich könne Yildirim von Pickardt eine Flaggenhissung ablehnen, mit seiner Wortwahl habe er jedoch eine "Linie überschritten", sagte Landesvorstand Danny Clausen-Holm. "Es ist völlig inakzeptabel, schäbig und schändlich, wenn Volksparteien beziehungsweise deren Vertreter sich auf Kosten von Minoritäten wie Nicht-Heterosexuellen zu profilieren versuchen."
Landtagsabgeordneter kritisiert "eklige Homophobie"
Scharfe Kritik kam auch vom grünen Landtagsabgeordneten Rasmus Andresen. In einem Facebook-Post nannte er die Rede des CDU-Ratsherrn "eklige Homophobie" und forderte Konsquenzen: "Ich erwarte, dass sich der CDU-Kreisvorsitzende Thomas Stritzl und der Landesvorsitzende Ingbert Liebing von dieser unfassbaren Entgleisung distanzieren."
Gegenüber den "Kieler Nachrichten" wies der Kieler CDU-Fraktionschef Stefan Kruber die Vorwürfe mit zwei nichtssagenden Sätzen zurück: "Unsere Fraktion hat mit diesem Thema kein Problem. Für uns ist die gleichberechigte Teilnahme aller Menschen am gesellschaftlichen Leben selbsverständlich und ein anstrebenswertes Ziel unserer Politik."
Für Beobachter kam die Entgleisung von Cetin Yildirim von Pickardt überraschend, die Ratsversammlung galt bislang als ausgesprochen LGBT-freundlich. Bereits 2003 hatte sie auf Antrag der Grünen beschlossen, jährlich zum Christopher Street Day die Regenbogenflagge zu hissen. Seit 2013 gibt es sogar einen offiziellen CSD-Empfang im Rathaus. Im Mai 2015 stimmten die Kieler Ratsmitglieder zudem für den Beitritt der Stadt zum landesweiten Bündnis gegen Homophobie. (mize)
Links zum Thema:
» Der Flaggen-Antrag der Linksfraktion als PDF















Jede öffentliche Person, vor allem Politiker, die sich so äußern, aus bosheit, dummheit und was weiß ich noch, müßen aus dem öffentlichen leben ausscheiden, ohne wenn und aber.