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Nervenkitzel-Trauung
Moskau: Standesbeamte verbarrikadieren sich bei Trans-Hochzeit

Reyda Linn (r.) hatte am Morgen noch auf Facebook befürchtet, dass die lange geplante und angekündigte Hochzeit mit Sophia in Gewalt und Festnahmen enden könnte (Bild: privat)
- 20. März 2016, 05:29h 2 Min.
Erst nach Verhandlungen mit der Polizei konnte die bekannte russische LGBT-Aktivistin Reyda Lynn ihrer Partnerin das Ja-Wort geben.
Die russische LGBT-Aktivistin Reyda Lynn hat am Samstag auf einem Moskauer Standesamt ihre Partnerin Sophia Grozowsky geheiratet. Der Medienandrang war groß: Die 25-jährige Lynn gilt als eine der bekanntesten Aktivistinnen des Landes, hatte an etlichen Protesten teilgenommen und war bei vielen festgenommen worden.
Rund 40 Freunde begleiteten das Frauenpaar auf das Standesamt, wo sich die Beamten zunächst barrikadierten und die Polizei riefen. Die rief zunächst auch noch einen Mannschaftsbus hinzu, mit dem häufig Festgenommene zu einer Wache gebracht werden, und wollte eine Anzeige wegen Hooliganismus aufnehmen. Auch ein Verstoß gegen das Gesetz gegen Homo-"Propaganda" stand kurzfristig zur Debatte.
Keine rechtliche Handhabe gegen die Hochzeit
Nach einigen Verhandlungen zwischen den Aktivisten, die Symbole wie Regenbogen ablegen mussten, der Polizei und unbekannten Offiziellen wurde die Ehe dann doch registriert. Letztlich gab es keine rechtliche Handhabe gegen die Hochzeit: Im Ausweis von Sophia, die sich als Frau und als transgender identifiziert, ist noch das Geschlecht "männlich" eingetragen.
Der Tag endete für das Paar glücklich: Die Polizei begleitete die Hochzeitsgesellschaft laut grani.ru sogar noch zur Metro, um sie vor Gewalttaten zu schützen.
Vorbild aus St. Petersburg
Bereits im November 2014 konnte in St. Petersburg ein Frauenpaar heiraten (queer.de berichtete), weil eine der Frauen, die sich im Prozess der Geschlechtsanpassung befand, noch einen "männlichen" Pass vorlegen konnte. Laut grani.ru ist die Änderung offizieller Dokumente in Russland ein langwieriger Prozess.
Im Juni 2013 hatten fünf schwule und lesbische Paare in St. Petersburg versucht, eine Ehe eintragen zu lassen (queer.de berichtete) – mit der schriftlichen Ablehnung wollten sie durch die Instanzen ziehen. Mit diesem Vorgehen war allerdings bereits ein lesbisches Paar gescheitert, das 2009 in Moskau heiraten wollte. Inzwischen kämpft es um die rechtliche Anerkennung einer in Kanada geschlossenen Ehe. (nb)















Ein Tipp für andere Transidente vielleicht, dafür, geschlechtsangleichende Vorhaben erst nach der Hochzeit zu durchlaufen, bzw. erst hinterher neue Pässe zu beantragen,und zu hoffen, dass sie dann nicht wieder geschieden werden.