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In der Hauptstadt-Uni leben Schwule und Lesben – wie im gesamten Senegal – gefährlich (Bild: flickr / David Evan Harris / by 2.0)

  • 22. März 2016, 13:20h 17 3 Min.

In der Hauptstadt des Senegals, laut der deutschen Bundesregierung immerhin ein "sicherer Herkunftsstaat", jagte ein randalierender Mob einen Mann aus Homo-Hass.

Eine große Gruppe Studenten hat nach einem Bericht von "France 24" vergangenen Dienstag in der Scheich-Anta-Diop-Universität von Dakar in mehreren Gebäuden Feuer gelegt und in einem Restaurant sowie einem nahegelegenen Bankgebäude randaliert, während die Nachwuchs-Akademiker auf der Suche nach einem mutmaßlichen homosexuellen Mitstudenten waren. Sie beschuldigten den Mann, im Duschraum der Universität einem anderen Studenten sexuelle Avancen gemacht zu haben.

In sozialen Netzwerken wurden Videos verbreitet, wie der Mann von dem Mob verhört und homophob beleidigt wird. Schließlich ist zu sehen, wie er mit Hilfe von Polizei und Sicherheitspersonal fliehen kann.

Ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes der Universität erklärte, er habe die "Horde junger Menschen" beobachtet: "Sie haben geschrien: 'Wir werden ihn töten!'". Der junge Mann, der gejagt wurde, habe sich in den Räumen des Sicherheitsdienstes versteckt. "Der Mob wollte, dass er raus kommt, und es gab eine hitzige Debatte zwischen ihm und den Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes", so der namentlich nicht genannte Mitarbeiter. Die Sicherheitsbeamten seien kritisiert und sogar angegriffen worden, weil sie dem Homosexuellen zu Hilfe gekommen seien. Schließlich sei die Polizei gekommen und habe Tränengas auf die Menschenmenge geschossen. Am Ende konnte der Mann evakuiert werden.

Homophobie ist an der Tagesordnung

Die Universität gab am Donnerstag eine Pressemitteilung heraus, in der sie die Vorkommnisse verurteilte. Insgesamt seien acht Studenten verletzt worden, davon zwei schwer. "Wir fragen uns immer noch, wo die Verbindung zwischen der Frage der 'Homosexualität' und der Zerstörung von Eigentum liegt", heißt es darin.

Die LGBT-Organisation "L'Association Prudence" erklärte, der Angriff auf den Mann sei kein Einzelfall. Seit 2012 sei dies bereits das zwölfte derartige Vorkommnis mit homophobem Hintergrund gewesen. Man wisse außerdem nicht, was aus dem Opfer geworden sei – Versuche, Kontakt mit ihm aufzunehmen, seien gescheitert.

Die Lage für Schwule und Lesben im Senegal ist kritisch: Gleichgeschlechtlicher Sex wird in dem westafrikanischen Land nach Paragraf 319 des Strafgesetzbuches mit bis zu fünf Jahren Haft geahndet. Zugleich glauben in dem muslimischen Land laut einer Umfrage des "Pew Research Center" aus dem Jahr 2013 ganze 96 Prozent der Bevölkerung, dass die Gesellschaft Homosexualität nicht akzeptieren dürfe.

Dennoch stuft die deutsche Bundesregierung den Senegal als sicheres Herkunftsland an, was Flüchtlingen den Antrag auf Asyl erschwert. Die Einstufung als "sicher" bedeutet, dass in diesem Land "keine Gefährdung von Leben und Freiheit aus Gründen der Rasse, der Religion, der Nationalität, der Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder der politischen Überzeugung" stattfinde. (dk)

-w-

#1 Julian SAnonym
  • 22.03.2016, 15:31h
  • Soso...

    Und sowas bezeichnen CDU/CSU und SPD also als "sichere Herkunftsstaaten"... Für Heteros vielleicht, aber nicht für GLBTI.

    Folglich sollten GLBTI aus solchen Staaten hier Asyl bekommen.

    Aber auf dem Auge sind CDU/CSU und SPD ja blind...
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#2 TheDad
  • 22.03.2016, 15:40hHannover
  • Antwort auf #1 von Julian S
  • ""Für Heteros vielleicht, aber nicht für GLBTI.""..

    Diese Länder sind für alle gefährlich, ach für Heteros, denn auch die können Opfer von Homophobie werden..
    Nicht umsonst heißt es im Artikel :

    ""Studenten jagen randalierend einen mutmaßlichen Schwulen""..

    ""mutmaßlich""..
    Wer sich nicht "konform" verhält, wird dann einfach zum Schwulen "erklärt", damit man ihn jagen kann..
    Institutionaliserter Hass auf Minderheiten richtet sich nicht nur gegen diese..
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#3 sicheres landAnonym
  • 22.03.2016, 15:49h
  • "...Die Unterstützung der Friedrich-Naumann-Stiftung, die bereits 1980 ein eigenes Büro in Dakar eröffnet hat und seitdem über gute Beziehungen zu den politischen Eliten Senegals verfügt, kommt nicht von ungefähr. Die Regierungspartei PDS ist eine Partnerorganisation der FDP und wie diese Mitglied in der Liberalen Internationalen. Die Naumann-Stiftung führt seit Jahren mit dem PDS und seinen Vorfeldorganisationen gemeinsame Unternehmungen durch, die von der Vermittlung von "Grundlagen der Parlamentsarbeit bis zu Pilotprojekten zur Dezentralisierung der Kommunalverwaltung" reichen.[4] So veranstaltete die Stiftung zum Beispiel im vergangenen Jahr einen Workshop, bei dem Mitglieder der Jugendorganisation des PDS eine "Führungskräfte"-Ausbildung erhielten.[5] Bei dem früheren Minister des PDS und jetzigen Sonderberater des Präsidenten für auswärtige Angelegenheiten Mamadou Lamine Ba handelt es sich um einen Altstipendiaten der Naumann-Stiftung.
    Ins Amt gebombt
    Naumann-Stipendiat Ba ist zudem Vorsitzender des African Liberal Network (ALN), eines politischen Netzwerks von über 20 liberalen Parteien aus 19 afrikanischen Ländern. Das ALN wiederum ist eng mit der Liberalen Internationalen und mit der Naumann-Stiftung assoziiert, die mit seiner Hilfe ihren wirtschaftsliberalen Vorstellungen auf dem afrikanischen Kontinent Geltung zu verschaffen sucht. Hochrangige Vertreter aller drei Organisationen wohnten im Mai 2011 der Amtseinführung des ivorischen Staatspräsidenten Alassane Ouattara in Abidjan bei, der erst einen Monat zuvor - unter Billigung Berlins - durch eine militärische Intervention Frankreichs in Côte d'Ivoire an die Macht gebombt worden war. Ouattaras Partei, der Rassemblement des Républicains, ist ebenfalls Mitglied des ALN. Die Naumann-Stiftung wertete seinerzeit seine gewaltsame Inthronisierung mit Hilfe der früheren Kolonialmacht als ein Zeichen dafür, "dass sich die Demokratien des Kontinents nicht mehr mit der Usurpation von Macht" abfänden.[6] Dass es bisweilen gewaltsamer Methoden bedarf, um Parteigänger wie Ouattara in Amt und Würden zu hieven [7] oder sie - wie Wade - dort zu halten, das nimmt die Stiftung offenkundig billigend in Kauf..."
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