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Junior ist neun Jahre alt und hat krauses Haar, oder, wie er findet, doofe Haare. Für das Jahrbuch-Foto in der Schule möchte er sein Haar glätten, um auszusehen wie sein Lieblings-Popstar (Bild: imFilm)
- 1. April 2016, 08:43h 3 Min.
Jetzt im Kino: Das gleichermaßen harte und herzerwärmende Drama "Pelo Malo" zeigt den homophoben und rassistischen Alltag in Venezuela.
Der neunjährige Junior lebt mit seiner Mutter Marta und seinem Baby-Bruder in Caracas, Venezuela, in einem riesigen Hochhaus – einem Ort, an dem man ums Überleben kämpfen muss. Die Mutter hält die Familie nach dem Tod des Vaters notdürftig mit Putz-Jobs über Wasser, der tägliche Überlebenskampf lässt ihr keinen Raum für Hoffnungen oder Träume.
Junior hingegen ist ganz anders – er ist ein Träumer, der es liebt zu singen und zu tanzen. Und der mit aller Macht für seinen größten Wunsch kämpft: Sein widerspenstiges, krauses Haar glätten zu lassen, um für das Jahrbuch-Foto in der Schule so auszusehen wie sein Lieblings-Popstar. Marta verliert schnell die Geduld mit Juniors Fixierung auf seine Haare. Zumal sie meint, darin ein Zeichen für Homosexualität zu erkennen, die sie auf keinen Fall akzeptieren will. Sie will, dass er ein Kämpfer und ein "echter" Mann wird. Von der Intoleranz seiner Mutter in die Enge getrieben, trifft Junior eine schmerzhafte Entscheidung…
Der tägliche Überlebenskampf in Venezuela

Poster zum Film: "Pelo Malo" läuft seit 31. März 2016 in Programmkinos in ganz Deutschland
Das gleichermaßen harte und herzerwärmende Drama "Pelo Malo" der Regisseurin Mariana Rondón zeichnet ein sehr realistisches Bild des harten Alltags in Caracas, weshalb der Film in Venezuela von Seiten der Regierungsanhänger stark angefeindet wurde. Er zeigt ganz wertfrei, aber mit beeindruckend emotionaler Ausdruckskraft, was der tägliche Überlebenskampf aus einem Menschen macht und wie schwer es diejenigen haben, die anders sind, die wie Junior trotz allem an ihren Träumen festhalten wollen.
"Pelo Malo" ist damit sowohl ein dokumentarisch anmutendes Porträt von Mutter und Sohn im chaotischen Caracas als auch ein universelles Plädoyer für Toleranz – entgegen dem oft rassistischen und homophoben Alltag im Land. Mit dem Film können sich viele Venezolaner identifizieren, wie Regisseurin Mariana Rondón bei einer Diskussion erzählte: "Ein gendersensibles Publikum sagt immer, es ist ein Film über Homophobie, während ein farbiges Publikum immer sagen wird, das ist ein Film über Rassismus."
Wie gefährlich der Alltag in Caracas ist, zeigt das traurige Beispiel von Julio Mendez, der den Kioskjungen Mario in "Pelo Malo" spielte. Der erst 17 Jahre alte Sportler und Schauspieler wurde im Mai vergangenen Jahres von einer Spezialeinheit der Polizei in einer Gruppe von weiteren Jugendlichen auf einem Parkplatz unter ungeklärten Umständen erschossen. Die Polizei ließ verlauten, die Gruppe habe einen Raubüberfall verüben wollen und das Feuer auf die Polizei eröffnet. Die genauen Umstände dieses tragischen Todes und ob Mendez überhaupt in das Geschehen involviert war, haben sich bis heute nicht eindeutig aufklären lassen. (cw/pm)
Pelo Malo. Drama. Venezuela u.a. Länder 2013. Buch und Regie: Mariana Rondón. Darsteller: Samuel Lange Zambrano, Samantha Castillo, Nelly Ramos, Beto Benites, María Emilia Sulbarán. Laufzeit: 93 Minuten. Sprache: spanische Originalfassung. Untertitel: Deutsch. FSK 12. Verleih: imFilm. Kinostart: 31. März 2016
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