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Jubiläum
15 Jahre Ehe für alle

Die Holländer haben mit der Ehe-Öffnung auch der Süßwarenindustrie geholfen (Bild: flickr / Thierry Leclerc / by 2.0)
- 1. April 2016, 10:04h 3 Min.
Die Niederländer stellten vor genau 15 Jahren Schwule und Lesben im Ehe-Recht gleich. Es ist ein Erfolgsmodell, dem inzwischen viele Länder gefolgt sind, aber nicht Deutschland.
Von Dennis Klein
Der 1. April 2001 war nicht nur für zwei Frauen ein großer Tag: Helene Faasen und Anne-Marie Thus gaben sich kurz nach Mitternacht in Amsterdam als erstes gleichgeschlechtliches Paar der Welt das Ja-Wort. Zuvor hatten die Niederlande beschlossen, Vorreiter bei der Ehe-Öffnung für schwule und lesbische Paare zu werden. Inzwischen erkennen 17 Staaten eine gleichgeschlechtliche Ehe an – von ihnen befinden sich elf in Europa.
Hinzu kommen mehrere Staaten, die die Ehe nicht in allen Landesteilen geöffnet haben: So dürfen Mexikaner etwa in fünf Bundesstaaten und der Hauptstadt heiraten. In Großbritannien wurde die Ehe in England, Wales und Schottland geöffnet, aber nicht in Nordirland. Außerdem erkennen Länder wie Kolumbien und Israel im Ausland geschlossene Ehen an und behandeln die Paare genauso wie Heterosexuelle.
Lesbische Paare: Mehr Hochzeiten, mehr Scheidungen
Die Niederlande haben inzwischen viele Erfahrungswerte mit gleichgeschlechtlichen Ehe-Schließungen gesammelt: Demnach machten dort in den letzten Jahren Hochzeiten zwischen Schwulen und Lesben zwei Prozent aller Ehen aus. Frauen sind größere Fans der Ehe als Männer: So gibt es laut am Mittwoch veröffentlichten Zahlen der Statistikbehörde CBS jährlich zirka 700 lesbische Hochzeiten, aber nur 500 bis 600 zwischen Männern. Frauen lassen sich auch eher scheiden: So zeigen die Daten, dass mehr als 30 Prozent der lesbischen Paare, die 2005 geheiratet haben, inzwischen wieder geschieden sind. Bei Männerpaaren sind es dagegen nur 15 Prozent, bei Hetero-Paaren 18 Prozent.
Ein Grund für die Unterschiede zwischen Schwulen und Lesben könnte darin liegen, dass Männer älter sind, wenn sie heiraten – im Durchschnitt 43 Jahre. LGBT-Aktivisten erklären den Unterschied aber auch damit, dass Schwule und Lesben in der Öffentlichkeit noch immer unterschiedlich wahrgenommen werden: "Es gibt mehr Aufmerksamkeit für die Diskriminierung von schwulen Männern", erklärte Tanja Ineke, die Chefin der LGBT-Organisation COC, im niederländischen Fernsehen. "Diskriminierung gegen Frauen ist weniger sichtbar, aber sie existiert. Lesben fühlen sich oft nicht ernst genommen."
Gleichzeitig erklärte die Organisation auf ihrer Website, dass der Kampf für gleiche Rechte in Holland bei weitem noch nicht vorbei ist. So gebe es keinen Diskriminierungsschutz für Transsexuelle. Außerdem müsse der Schutz von LGBT in der Verfassung verankert werden.
Deutschland wartet ab
Dennoch schauen deutsche LGBT-Aktivisten neidisch auf die Nachbarn: Hierzulande gibt es seit 2001 Lebenspartnerschaften mit begrenzten Rechten für Schwule und Lesben – kaum ein anderes Land hat so lange an der Ehe-Light festgehalten und gleichzeitig die vollständige Gleichstellung verhindert. In den Niederlanden war alles viel schneller gegangen: 1998 hatte das Land die "Geregistreerd partnerschap" eingeführt. Und nur drei Jahre später beendeten die Holländer das Zweiklassensystem und öffneten die Ehe für alle Personen, unabhängig von der sexuellen Orientierung. In Deutschland wird das Lebenspartnerschaftsgesetz dagegen in genau vier Monaten seinen 15. Geburtstag feiern.
Dabei gibt es zwischen Rhein und Oder eigentlich eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung für die Ehe-Öffnung: Umfragen zeigen seit Jahren, dass sich mehr als zwei Drittel der Bundesbürger für die Gleichstellung aussprechen. Sogar unter Unionswählern gibt es eine Mehrheit (queer.de berichtete). Dennoch tun CDU und CSU im Bundestag alles, um die Gleichstellung zu verhindern – und der Koalitionspartner SPD zeigt wenig Interesse für das Thema.
Erschwerend kommt hinzu, dass mit der "Demo für alle" erstmals Homo-Hasser in großen Zahlen gegen die Gleichbehandlung auf die Straße gehen. Mit der AfD haben die Gegner auch erstmals eine Partei in vielen Parlamenten, die sich offen homophob gibt und nach russischem Vorbild vor Homo-"Propaganda" warnt (queer.de berichtete). Wann wir dem Vorbild Hollands folgen, steht also nach wie vor in den Sternen.















Deutschland ist ja bei den Homosexuellenrechten mittlerweile hinter Österreich gefallen. Geht es noch tiefer?
Verstehe auch nicht, weshalb Deutschland bei den Flüchtlingen so auf "Menschenfreund" macht, aber den Homosexuellen die "Menschenrechte und den Gleichheitsgrundsatz" vorenthält?!
Für mich passt das nicht zusammen!