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Erschreckende Umfrage
Großbritannien: Hälfte der Muslime für Homo-Verbot

Muslime sind in Großbritannien viel LGBT-feindlicher eingestellt als die Durchschnittsbevölkerung (Bild: flickr / Hans Splinter / by 2.0)
- 11. April 2016, 10:25h 3 Min.
Eine neue Umfrage zeigt, dass auf der Insel noch viel für die Integration getan werden muss.
Mehr als die Hälfte der Muslime in Großbritannien glaubt, dass homosexuelle Handlungen verboten sein sollten. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts ICM unter 1.000 britischen Muslimen und einer Kontrollgruppe von 1.000 Briten für die Fernsehsendung "What British Muslims Really Think". Die Dokumentation soll am Mittwoch auf Channel Four ausgestrahlt werden soll.
Der Befragung zufolge glauben 18 Prozent, dass Homosexualität legal sein soll, 52 Prozent wollen jedoch ein Verbot. In der Gesamtbevölkerung sprechen sich dagegen lediglich fünf Prozent dafür aus, homosexuelle Handlungen wieder unter Strafe zu stellen. Des weiteren sagen 47 Prozent der britischen Muslime, dass es inakzeptabel sei, wenn eine homosexuelle Person als Lehrer an Schulen unterrichtet. In der Gesamtbevölkerung sind 14 Prozent dieser Meinung.
Auch bei Frauenrechten sind Muslime konservativer eingestellt als andere Briten: So erklärten 39 Prozent von ihnen, dass Ehefrauen immer ihren Ehemänner gehorchen sollten – unter allen Briten sind das nur fünf Prozent.
"Sehr besorgniserregend"
"What Muslims Really Think"-Reporter Trevor Phillips, der ehemalige Chef der britischen Antidiskriminierungsstelle, nannte die Ergebnisse "sehr besorgniserregend", weil sie andeuteten, dass viele Muslime in einer "Nation innerhalb einer Nation" lebten. "Bei vielen Themen – Familie, Sexualität, Geschlecht und den Einstellungen gegenüber Juden, ebenso wie bei Fragen von Gewalt und Terrorismus – liegt der Meinungsschwerpunkt ganz woanders als bei jedem anderen", sagte Phillips gegenüber der BBC. Er rief dazu auf, dass es mehr Interaktionen zwischen der muslimischen Bevölkerung und anderen Briten geben müsse.
Die Ergebnisse zeigten auch, dass sich die britischen Muslime in ihrem Heimatland und in ihrer Heimatregion genauso wohl fühlten wie die Gesamtbevölkerung, so Phillips. Der in Pakistan geborene muslimische Unterhaus-Abgeordnete Khalid Mahmood rief daher dazu auf, dass die Beteiligung von Muslimen am öffentlichen Leben verbessert werden müsste, damit sich die Umfrageergebnisse zwischen Muslimen und dem Rest der Bevölkerung annähern. "Wir sind in der Frage der öffentlichen Beteiligung seit den Achtzigerjahren nicht vorangekommen", sagte der Politiker der oppositionellen Labour-Partei. "Daher lebten viele isoliert ohne weiterreichende Integration."
Imer wieder kursieren in den Medien des Königreichs Warnungen, dass Muslime in einer Parallelgesellschaft lebten. So kam auch eine ICM-Umfrage aus dem Jahr 2006 zu dem Ergebnis, dass 40 Prozent der Muslime Scharia-Recht für Mitglieder der Glaubensgemeinschaft einführen wollen. Hier gab es allerdings eine Verbesserung: Inzwischen wünschen sich "nur" noch 23 Prozent dieses Sonderrecht.
Der größte Teil der Muslime in Großbritannien sind Immigranten aus dem erzkonservativen Pakistan. Als Mitglied des Commonwealths ist die Einwanderung ins ehemalige koloniale Mutterland recht einfach. Pakistaner in Großbritannien dürfen beispielsweise auch – anders als in Deutschland oder Frankreich – bei Unterhauswahlen oder dem anstehenden EU-Referendum mit abstimmen, ohne die Staatsbürgerschaft angenommen zu haben.
Mehr Coming-outs in muslimischen Familien

Shaista Gohir kämpft mit ihrer Organisation Muslim Women's Network für die Gleichbehandlung muslimischer Frauen (Bild: Facebook/Shaista Gohir)
Shaista Gohir, die Chefin des Organisation Muslim Women's Network UK, erklärte gegenüber der Tageszeitung "Guardian", dass die Ablehnung von Homosexualität unter Muslimen selbstverständlich inakzeptabel sei, sich die Einstellungen aber in die richtige Richtung entwickelten. "Auch wenn viele aus religiösen Gründen Homosexualität nicht akzeptieren, glauben Muslime dennoch, dass Menschen Freiheiten haben und nicht diskriminiert werden sollten", so Gohir. Derzeit gebe es auch immer mehr Coming-outs in muslimischen Familien, was viele in ihren Überzeugungen erschütterte.
In Deutschland sind Muslime gegenüber Schwulen und Lesben liberaler eingestellt: So kam eine Studie der Bertelsmann-Stiftung vor einem Jahr zu dem Ergebnis, dass rund die Hälfte der Muslime der Öffnung der Ehe unterstützen würde (queer.de berichtete). (dk)















Es ist natürlich ein riesiger Unterschied, ob jemand kulturell aus Pakistan kommt oder aus der Türkei.
Das eine war eine britische Kolonie, das andere eine Kolonialmacht, die sich ihrerseits erfolgreich gegen andere Kolonialmächte wie die Briten zur Wehr setzen konnte.
Das lag daran, dass die Türkei sich selbst rigide kolonisiert und modernisiert hat (was Erdogan natürlich rückgängig machen will).
Um von anderen Modernität einzufordern, muss man erst mal selbst modern sein. Da gibt es bei unserer Pegida- und Pastorenrepublik noch erhebliche Defizite.