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Antibiotika werden wirkungslos

Britische Mediziner warnen vor Super-Tripper


Das Bakterium Neisseria gonorrhoeae (zu Deutsch: Gonokokken) lösen Tripper aus (Bild: NIAID)

  • 18. April 2016, 11:37h 26 2 Min.

Unter schwulen Männern in England treibt ein neuer Tripper-Stamm sein Unwesen, der gegen die meisten Antibiotika resistent ist.

Die sexuell übertragbare Krankheit Tripper (Gonorrhö) bereitet Medizinern in Großbritannien ernsthafte Sorgen: In den Medien schlägt die British Association for Sexual Health & HIV (BASHH) Alarm und warnt insbesondere schwule Männer vor der Ausbreitung der Krankheit im Landesteil England. Ein besonders aggressiver Stamm, der vergangenes Jahr in Leeds entdeckt wurde, werde derzeit häufiger festgestellt.

Dieser Stamm ist den Medizinern zufolge gegen die meisten Antibiotika resistent. Nur eine Kombination der Medikamente Azithromycin und Ceftriaxon soll noch gegen den Super-Tripper wirksam sein. Die Ärzte warnen nun davor, dass der neue Stamm gegen diese Antibiotika ebenfalls eine Resistenz entwickeln und Tripper dann unbehandelbar werden könnte.

"Die Ausbreitung der Gonorrhö, die gegen Azithromycin resistent ist, bereits uns riesengroße Sorgen. Es ist unerlässlich, dass wir alle Anstrengungen unternehmen, um die Ausbreitung zu stoppen", erklärte die BASHH-Präsidentin gegenüber der BBC. "Wenn wir das nicht tun, werden wir möglicherweise Gonorrhö nicht mehr wirksam bekämpfen können."

Besonders schwule Männer gefährdet

"Wir befürchten, dass sich dieser Stamm besonders unter Männern, die Sex mit Männern haben, ausbreitet", sagte Peter Greenhouse, ein Berater für sexuell übertragbare Krankheiten in Bristol. "Das Problem ist, dass sich die Infektion in dieser Gruppe schneller ausbreitet, weil dort mehr Partnerwechsel stattfinden." Laut der englischen Gesundheitsbehörde wurden bislang zwar nur wenige Dutzend Fälle gemeldet, insbesondere aus Südengland. Allerdings sei dies nur die Spitze des Eisberges, weil dieser Stamm infektiöser sei als andere Stämme.

Bereits 2011 gab es Berichte über einen resistenten Super-Tripper in Japan (queer.de berichtete). Dieser wurde aber bislang außerhalb Japans nicht nachgewiesen.

Tripper ist eine der häufigsten sexuell übertragbaren Erkrankungen weltweit. Schwule Männer sind überproportional betroffen. Die bakterielle Erkrankung kann durch Oral- und Analsex und die gemeinsame Nutzung von Sextoys übertragen werden. Kondome bieten bei allen Varianten zwar einen gewissen Schutz, aber nicht hundertprozentig.

Eine Ansteckung erzeugt eine zunächst symptomlose Erkrankung. Sie führt dann zu einer Entzündung der Geschlechtsorgane, die sich auch auf die inneren Organe übertragen kann, wenn keine Behandlung erfolgt. Bei der rektalen Infektion kommt es bei Männern meist zu einem eitrigen Ausfluss und zu krampfartigen Schmerzen.

Vor 70 Jahren haben Ärzte begonnen, gegen Tripper mit Penicillin zu vorzugehen. Seither hat das Bakterium allerdings gegen die meisten Antibiotika eine Resistenz entwickelt und ist daher heute schwerer zu bekämpfen. (dk)

-w-

#1 Rosa SoliAnonym
  • 18.04.2016, 15:25h
  • Symptomlose Erkrankung? Also mir hat die Flöte gejuckt und geziept, dass ich hätte verrückt werden können. Und beim Pinkeln hat es so gebrannt, dass ich dachte, ich würde Rasierklingen pissen. Außerdem hatte ich gelb-eitrigen Ausfluss, der ziemlich unangenehm gerochen hat. Da bin ich aber flott geworden und war umgehend beim Doc.
    Eine erste hohe Dosis Antibiotikum habe ich gleich dort geschluckt, dass brachte schon spürbare Linderung am nächsten Tag. Außerdem musste ich 5 weitere Tage ein Antibiotikum schlucken, dann war aber auch alles gut und mein kleiner Freund wieder gefechtsbereit!

    Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass man mit solchen Symptomen nicht zum Arzt geht. War schon ziemlich unangenehm. Dem Doc könnte ich vor lauter Dankbarkeit noch heute die Füße küssen! ;-)
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#2 MarekAnonym
  • 18.04.2016, 15:58h
  • " Seither hat das Bakterium allerdings gegen die meisten Antibiotika eine Resistenz entwickelt und ist daher heute schwerer zu bekämpfen."

    Das Hauptproblem ist der Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung. Dadurch nimmt jeder von uns viel zu viel Antibiotika auf und es entwickeln sich solche gefährlichen Resistenzen.
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#3 FinnAnonym
  • 18.04.2016, 18:45h
  • Antwort auf #2 von Marek
  • Der mit der Massentierhaltung verbundene Einsatz von Antibiotika (die dann über das Fleisch vom Menschen konsumiert werden) ist auf jeden Fall ein wichtiger Faktor. Und das betrifft auch Vegetarier, da sich die Resistenzen ja bei den anderen Betroffenen bilden.

    Weitere Faktoren sind, dass auch in der Human-Medizin viel zu schnell und viel zu oft Antibiotika gegeben werden; oft auch nur um nervige Patienten, die meinen, das würde die Erkältungszeit verkürzen, loszuwerden.

    Und dann ist ein wichtiger Faktor, dass viele Leute ein Anti-Biotikum zu früh absetzen. Wenn die Packung auf 10 Tage angelegt ist, muss man das auch 10 Tage nehmen. Viele beenden die Einnahme schon früher, wenn die Symptome weg sind. Aber gerade dadurch können sich dann Resistenzen bilden.

    Es sind also 3 Faktoren, die vor diesem Hintergrund extrem problematisch sind:
    1. Antibiotika in der Massentierhaltung
    2. zu schnelle Verschreibung von Antibiotika
    3. zu schnelles Absetzen von Antibiotika

    Und deswegen wird es in Zukunft wahrscheinlich noch mehr Probleme geben. Auch mit Krankheiten, die wir mal als längst besiegt geglaubt hatten.
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