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Xulhaz Mannan (l.) und Mahbub Rabbi Tonoy wurden am Montag brutal ermordet

  • 26. April 2016, 17:43h 151 4 Min.

Der Journalist und Aktivist Xulhaz Mannan war zusammen mit seinem Freund in Dhaka von einer Gruppe mutmaßlicher Islamisten getötet worden.

Von Norbert Blech

Der Anschlag auf einen führenden LGBT-Aktivisten Bangladeschs geht angeblich auf das Konto von Al-Qaida: Die Gruppe Ansar-al Islam, die sich als lokaler Zweig des weltweiten Terrornetzwerks bezeichnet, rühmte sich in sozialen Netzwerken des Mordes an Xulhaz Mannan und Mahbub Tonoy.

Der 35-jährige Mannan war Herausgeber des 2014 gegründeten Magazins "Rupbaan", der ersten LGBT-Zeitschrift des Landes. Am Montag hatten mehrere junge Männer die Wohnung des Aktivisten in Dhaka gestürmt und ihn und seinen Freund mit Macheten getötet. Auf der Flucht verletzten sie noch einen 18-jährigen Wachmann des Gebäudes.

Mannan und Tonoy seien "Pioniere in der Ausführung und Bewerbung von Homosexualität" gewesen, heißt es in dem kurzen Bekennerschreiben in sozialen Netzwerken. "Sie haben seit 1998 Tag und Nacht daran gearbeitet, Homosexualität in der Bevölkerung zu bewerben, mit der Hilfe ihrer Meister, den US-Kreuzzüglern und ihrer indischen Helfer".

Die Polizei betonte, dass sich Ansal-al Islam in der Vergangenheit für Taten gebrüstet habe, die die Organisation erwiesenermaßen nicht ausgeführt habe. Zugleich war sie für einige politische und islamistisch motivierte Morde verantwortlich. Der verletzte Wachmann gab an, die Angreifer hätten "Allahu Akbar" gerufen.

Polizei ermittelt unter internationalem Druck


Der Tatort nach den Morden

Inzwischen hat die Polizei Aufnahmen einer Überwachungskamera veröffentlicht, die aus der Ferne zeigen, wie die sechs bislang nicht identifizierten Männer nach den Morden vom Tatort fliehen. Auch haben die Beamten eine Tasche der Angreifer sichergestellt, die u.a. Mobiltelefone enthalten haben soll.

Die Täter hätten den Mord lange geplant und Mannan vermutlich mehrere Tage lang beobachtet, sagte Chefermittler Mohammed Iqbal. Zu dem Anschlag in der Wohnung, in der der Aktivist seit acht Jahren lebte, kam es gegen 17.30 Uhr am Nachmittag.

Der Wachmann berichtete, die Männer zwischen 25 und 30 Jahren hätten sich als Mitarbeiter eines Kurierdienstes ausgegeben, die ein Paket für Mannan hätten. Drei habe er zu der Wohnung im zweiten Stock begleitet. Als sie ihre Morde ausführten, hätten die anderen Männer vor dem Gebäude Wache gestanden. Auf der späteren Flucht sollen sie mehrere Schüsse abgegeben haben.

Einem ersten Autopsiebericht zufolge starb Mannan an etlichen Kopfverletzungen, während sein Freund durch Stiche in den Nacken getötet wurde. Den weiteren Verletzungen nach hatten beide Männer versucht, sich mit bloßen Händen gegen die Angreifer zu wehren. Die anwesende Mutter Mannans wurde leicht verletzt, als die Angreifer sie zur Seite schubsten. Der LGBT-Aktivist hinterlässt neben ihr einen Bruder.

Mannan, ein Neffe des früheren Außenministers Dipu Moni, arbeitete hauptberuflich als Mitarbeiter der Organisation USAID an der amerikanischen Botschaft. US-Außenminister John Kerry verurteilte die Tat als "barbarisch" und verlangte eine Aufklärung. Auch die Vereinten Nationen und viele Länder verurteilten die Tat.

Der deutsche Botschafter Thomas Prinz sprach von einem "Anschlag auf die Meinungsfreiheit". Es habe zuviele dieser Vorfälle in den letzten Monaten gegeben. Auch die Beauftragte der Bundes­regierung für Menschenrechtspolitik, Bärbel Kofler, zeigte sich "tief erschüttert".

Gezielte Anschläge auf liberale Gesellschaft


Das Magazin "Roopbaan" galt als das erste seines Landes

Mannan hatte "Roopbaan" 2014 gestartet; zuletzt arbeitete er an der dritten Ausgabe des Magazins. Auch organisierte er die jährliche "Rainbow Rally" in Dhaka, die als LGBT-Demonstration am 14. April zum dritten Mal hätte stattfinden sollen. Sie wurde aber anders als in den Vorjahren nach Drohungen aus Sicherheitsgründen verboten. Mannan sagte damals, dass er auch persönlich von Islamisten bedroht werde.

Über die Identität des zweiten Getöten hatte es am Montag zuerst unterschiedliche Informationen gegeben. Inzwischen scheint sich zu bestätigen, dass es sich um Mahbub Tonoy handelt. Der 25- oder 26-jährige Student arbeitete für eine Theatergruppe und kümmerte sich ebenfalls um das Magazin "Roopban" und Fragen der LGBT-Emanzipation.

In den letzten Jahren sind in Bangladesch etliche Vertreter einer liberalen Zivilgesellschaft ermordet worden, darunter Blogger oder erst am letzten Wochenende ein Hochschulprofessor. Während die Regierung mit der Oppositionspartei BNP verbündete Islamisten für die Morde verantwortlich machte, bekannten sich angebliche Vertreter des "Islamischen Staates" zum Mord an dem Professor, der ebenfalls mit einer Machete ausgeführt worden war. Die Regierung hält es für unwahrscheinlich, dass der IS, der sich in Syrien und im Irak auch mit Morden an Homo­sexuellen brüstet, in dem Land aktiv ist.

Mit Mannan wurde erstmals in dem Land ein LGBT-Aktivist ermordet. Vom Terrornetzwerk Al-Qaida wurden bislang keine gezielten Anschläge auf Homo­sexuelle bekannt.

Im mehrheitlich muslimischen Bangladesch, ein Land mit 160 Millionen Einwohnern und säkularer Verfassung, können homo­sexuelle Handlungen mit einer Geldstrafe oder Haft von zehn Jahren bis lebenslänglich bestraft werden. Erst vor drei Jahren hat es das Parlament abgelehnt, den entsprechenden Paragrafen aus britischer Kolonialzeit abzuschaffen; er soll Medienberichten zufolge allerdings selten angewandt werden.

-w-

#1 hugo1970Ehemaliges Profil
  • 26.04.2016, 21:33h
  • Der deutsche Botschafter Thomas Prinz sprach von einem "Anschlag auf die Meinungsfreiheit".

    Ich möchte noch das hinzufügen:
    ...und auf die gesamte demokratie liebende Menschheit
  • Direktlink »
#2 BarbareiAnonym
  • 26.04.2016, 22:02h
  • "Sie haben seit 1998 Tag und Nacht daran gearbeitet, Homosexualität in der Bevölkerung zu bewerben..."

    Da findet der "Besorgte Eltern"-, Pegida- und AfD-Mob genau seine kulturelle Entsprechung! Wehe, wenn er (wieder) losgelassen, dann...

    "Ob nun in Europas Metropolen, oder in den Zusammenbruchsregionen des Zweistromlandes - der Konstitutionsprozess des rassistischen wie des klerikalen Rechtsextremismus verläuft in sehr ähnlichen Bahnen."

    www.heise.de/tp/artikel/44/44762/1.html
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