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- 5. Mai 2016, 12:44h 2 Min.

Prüderie in Münster: Die Deutsche Bahn weigert sich, dieses "sexistische" Motiv für die Ausstellung "Homosexualität_en" zu plakatieren
Am 12. Mai wird in Münster die Ausstellung "Homosexualität_en" eröffnet – doch das LWL-Museum für Kunst und Kultur darf dafür nicht in Bahnhöfen werben.
Ein knackiger, halbnackter "Kerl" in weißer Unterhose und mit knallrotem Lippenstift warb im vergangenen Jahr bereits in Berlin für die Ausstellung "Homosexualität_en". Nun zieht die Gemeinschaftsschau aus dem Deutschen-Historischen Museum und dem Schwulen Museum* weiter nach Münster – doch dieselben Poster mit der Kanadierin Heather Cassils bei einem "Body Modification Experiment" sind für die Westfalenstadt zu heiß.
Die Deutsche Bahn weigere sich, an den Bahnhöfen die Plakate für die Sonderausstellung aufzuhängen, heißt es aus dem LWL-Museum für Kunst und Kultur. Angeblich weil es "sexuelle Werbung" sei, was den Richtlinien widerspreche. Die zuständige Abteilung habe die Motive zudem als "sexistisch" und "sexualisiert" kritisiert. Wegen des gesetzlichen Feiertags konnte von der Deutschen Bahn bislang keine offizielle Stellungnahme eingeholt werden.
Erst im vergangenen Monat hatte Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) angekündigt, sexistische Werbung auch mit Männern verbieten zu wollen (queer.de berichtete).
Das LWL-Museum will die Zensur hinnehmen
Das LWL-Museum will offensichtlich wegen langfristiger Kooperationen mit der Bahn die Zensur hinnehmen – beim Schwulen Museum* als Kooperationspartner zeigte man sich dagegen entsetzt. Zumal die Poster im vergangenen Jahr unbeanstandet in der Berliner S-Bahn hingen, die der Deutschen Bahn gehört.
Eröffnung der Sonderausstellung ist am Donnerstag, den 12. Mai. Die in Berlin zweigeteilte Schau wird in Münster "in reduzierter, aber nicht minder aussagekräftiger Weise neu arrangiert und mit neuen dramaturgischen Akzenten zusammengeführt", kündigte LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale an. Dabei werde prominenter herausgearbeitet, dass Münster einer der wichtigen Ausgangspunkte der deutschen Schwulenbewegung war – die legendäre erste bundesdeutsche Homosexuellendemo fand am 29. April 1972 in der Westfalenstadt statt.
Die Eröffnung beginnt um 20 Uhr im Foyer mit Musik der Band "Box in the Attic". Ab 20.30 Uhr präsentieren die Projektleiter, LWL-Museumsdirektor Dr. Hermann Arnhold und Dr. Birgit Bosold vom Schwulen Museum*, sowie die Kuratoren Dr. Dorothée Brill und Detlef Weitz eine Einführung in die Schau. Nach Schließung der Ausstellungsräume um 22.30 Uhr legt ein DJ im Foyer auf. Das Museum ist an diesem Tag bis 1 Uhr geöffnet.
Die Sonderausstellung "Homosexualität_en" in Münster wurde von der Kulturstiftung des Bundes und der Kulturstiftung der Länder gefördert. Sie läuft bis zum 4. September 2016. (cw)
Links zum Thema:
» LWL-Museum für Kunst und Kultur
» Begleitband zur Ausstellung
Mehr zum Thema:
» "Homosexualität_en": Vom griechischen Adonis bis zum Mösenmobil (24.06.2015)
Mehr queere Kultur:
» auf sissymag.de
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