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Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) kündigt an, alle wegen Homosexualität verurteilten Männer in Deutschland rehabilitieren zu wollen (Bild: Wiki Commons / Raimond Spekking / CC-BY-SA-3.0)

  • 11. Mai 2016, 11:41h 55 3 Min.

Jetzt will der Bundesjustizminister handeln: Im queer.de-Interview erklärt Heiko Maas, dass sein Gesetz alle Verurteilungen bis 1994 umfassen sollte.

Von Dennis Klein

Gleich nach der Veröffentlichung eines Gutachtens durch die Antidiskriminierungsstelle des Bundes am Mittwochvormittag, wonach eine Rehabilitierung der Opfer des Paragrafen 175 aus der Nachkriegszeit rechtlich möglich und geboten sei, hat Bundesjustizminister Heiko Maas reagiert: In einer Pressemitteilung kündigte der SPD-Politiker an, dass er einen Gesetzentwurf zur Rehabilitierung der Männer erarbeite, die wegen homosexueller Handlungen verurteilt worden sind. In den letzten Jahren hatte der Minister immer wieder darauf verwiesen, dass eine entsprechende Initiative "geprüft" werde.

In einem kurzen, per E-Mail geführten Interview mit queer.de nennt Maas ein paar Details zu der Gesetzesinitiative. Er geht allerdings davon aus, dass es weiter Widerstand gegen die Rehabilitierung geben wird – und kann so keinen genauen Termin nennen, wann das Gesetz verabschiedet werden wird.

queer.de: In den letzten Jahren gab es insbesondere aus der Union Widerstand gegen die Rehabilitierung. Sind mit dem Burgi-Gutachten alle verfassungsrechtlichen Bedenken ausgeräumt?

Heiko Maas: Das Gutachten werden wir selbstverständlich berücksichtigen. Der Staat hat Schuld auf sich geladen, weil er so vielen Menschen das Leben erschwert hat. Der Paragraf 175 StGB war von Anfang an verfassungswidrig. Die alten Urteile sind Unrecht. Sie verletzen jeden Verurteilten zutiefst in seiner Menschenwürde. Die verurteilten homosexuellen Männer sollen nicht länger mit dem Makel der Verurteilung leben müssen. Deswegen werden wir jetzt einen Gesetzentwurf zur Aufhebung von Verurteilungen wegen des Paragrafen 175 StGB sowie einen daraus entstehenden Entschädigungsanspruch erarbeiten.

Glauben Sie, dass es Widerstand gegen das Vorhaben in der Großen Koalition geben wird?

Leider ja. Aber: Ich kann nur an alle politischen Stimmen appellieren, die sich bislang mit diesem Thema schwer getan haben, es jetzt nicht zum politischen Grabenkampf zu missbrauchen. Unsere gemeinsame Verantwortung gegenüber den Betroffenen sollte im Vordergrund stehen.

Bis wann soll das Gesetz in den Bundestag eingebracht werden?

Wir werden jetzt so schnell wie möglich einen Gesetzentwurf erarbeiten. Es geht auch darum, dass die Opfer noch zu Lebzeiten eine Rehabilitation erfahren müssen.

Soll das Gesetz nur die Fälle bis 1969 beinhalten oder auch die Fälle bis 1994?

Es ist einfach unfassbar, dass es bis 1994 gedauert hat, bis diese unsägliche Norm endlich komplett abgeschafft wurde. Eine Entschädigung sollte alle Verurteilungen nach Paragraf 175 umfassen. Und: Wir unterstützen die Magnus-Hirschfeld-Stiftung dabei, die einzelnen Schicksale aufzuarbeiten und zu dokumentieren. Es ist nicht allein damit getan, dass man 50.000 Urteile aufhebt, und in der Öffentlichkeit ist kaum bekannt, worum es überhaupt geht. Wir werden uns immer dafür einsetzen, dass die Stiftung auch finanziell in die Lage ist, ihre wichtigen Aufgaben zu erfüllen.

Welche Vorstellungen haben Sie über die Höhe des Entschädigungsanspruchs?

Die konkrete Fragen zum Entschädigungsanspruch und alle weiteren Details werden wir in unserem Gesetzentwurf regeln. Die Verurteilungen nach Paragraf 175 StGB sind Schandtaten des Rechtsstaats. Diese werden wir – egal wie hoch die Summe sein wird – niemals wieder ganz beseitigen können. Mir ist wichtig, die Opfer rehabilitieren. Dafür reichen Worte des Bedauerns allein nicht aus.

-w-

#1 Was soll dasAnonym
  • 11.05.2016, 13:52h
  • Wahlwerbung für eine Partei, die seit Jahren lieber die Neocons von CDU/CSU in der Regierung hält (und deren eigene Führung nicht weniger national- und sozialchauvinistisch ist), als linke Mehrheiten zu nutzen und ihre vollmundigen Versprechen, die immer kurz vor Wahlen gegeben werden, auch tatsächlich umzusetzen. Genau diese zutiefst anti-sozialdemokratische, anti-solidarische und auch zutiefst LGBTI-feindliche Politik der überflüssigen neoliberalen Schröder-/Gabriel-"S"PD ist es, die wesentlich für die Rechtsverschiebung der Politik nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa verantwortlich ist. Daran ändern solche verlogenen Feigenblattaktionen vor Wahljahren, bei denen dank Machtsicherung für CDU/CSU sowieso nichts herauskommen wird, rein gar nichts.
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#2 wiking77
  • 11.05.2016, 13:57h
  • grundsätzlich eine gute Sache: nur sollte Maas_Männchen aufpassen, dass mit der Rehabilitation nicht auch die Unerwünschten mit reinfallen, wie z.B. SA-Stabschef Ernst Röhm oder Edmund Heines, Hans Erwin Karl Ernst Martin Graf von Spreti-Weilbach, Johannes Bügner, Michael Kühnen u. a. m.

    Man muss es umsichtig und differenziert angehen.
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#3 AlexAnonym
  • 11.05.2016, 14:08h

  • Angekündigt hat Maas schon viel. Mal sehen, was davon übrig bleibt...
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